Corona-Pandemie

Puchhammer-Stöckl: „Nächste Monate werden sehr schwierig“

Die Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl geht aufgrund der Tatsache, dass sich die Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus offenbar nicht mit „milden Lockdowns“ hintanhalten lässt, davon aus, „dass die nächsten Monate sehr schwierig werden“. Die Auswirkungen der offenbar ansteckenderen Virus-Varianten könne man nur schwer abschätzen. Impfgegnern sollte mit bildhafterer Information die Angst genommen werden, so die „Wissenschafterin des Jahres 2020“ am Donnerstag vor Journalisten.

red/Agenturen

Vielen Impfskeptikern fehle vermutlich ein klares Bild davon, wie daramtisch eine echte Infektion mit einem Virus in die Abläufe von Zellen eingreift, um den Erreger dort tausendfach zu vermehren, und wie gering im Gegensatz der Einfluss der nun erstmals zugelassenen RNA-Impfstoffe auf betroffene Zellen im Körper ist. Es handle sich hier um eine Impfung „mit einem Teil des Virus, der sich nicht einmal vermehren kann und an der Oberfläche Proteine bildet“. Diese Proteine, die wichtige Teile zum Erkennen des Erregers abbilden, sollen das Immunsystem auf eine tatsächliche Konfrontation mit dem Erreger vorbereiten.

Über Filme oder andere Visualisierungen könnte man skeptischen Menschen genau diese schwer vorstellbaren Abläufe im Vergleich anschaulich zeigen, so Puchhammer-Stöckl bei der Preisverleihung durch den Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten. Dann werde sicher vielen klar, „warum wir glauben, dass es ungefährlich ist“: „Wenn man diese Bilder nebeneinander sieht, dann hat man überhaupt keine Sorge, weil man weiß, was das wirkliche Virus anrichtet.“

Viele Menschen würden sich zum Glück rasch und gerne impfen lassen, so die Virologin von der Medizinischen Universität Wien. Hat jemand Skepsis gegenüber den neuen Impfstoffen, sei es „durchaus legitim, zu sagen: Man schaut sich das jetzt an, bis die ersten Hunderttausend geimpft sind“.

Nüchterner Blick in die Zukunft

Für die Forscherin, die für ihre Vermittlungsarbeit ausgezeichnet wurde, war 2020 „ein unglaubliches Jahr“. Die Pandemie habe ihr Fachgebiet „in die mediale Öffentlichkeit katapultiert“. Viele ihrer Kollegen seien zu Hochform in der Erforschung, Diagnose und auch im Erklären der komplexen Zusammenhänge und schwer zu filternden, gesicherten Informationen aufgelaufen, so Puchhammer-Stöckl, die die Auszeichnung mit den Kollegen, die faktenbasierte Informationen geliefert haben, teilen möchte.

In die unmittelbare Zukunft blickt die Wissenschafterin nüchtern. Auch die trotz Lockdowns aktuell relativ hohen Neuinfektionszahlen zeigen, dass das sanfte Herunterfahren der Kontakte nicht die erhofften Wirkungen zeige. Momentan wirke vermutlich der mildere Lockdown über Weihnachten noch nach. Man sehe insgesamt, dass „jedes Land mit einem Auf und Ab kämpft“. Welche Maßnahmen für sich wie genau gewirkt haben, werde man erst im Rückblick sehen.

Bezüglich der viel diskutierten, scheinbar infektiöseren Virus-Varianten aus Großbritannien und Südafrika, die eine „heiklere Mutation gemeinsam“ haben, liege noch vieles im Dunkeln. Die Wirkung der Impfung scheine aber nicht nachzulassen, der Krankheitsverlauf sich nicht zu verändern. Der Anschein, dass mehr junge Menschen davon betroffen sein könnten, liegt für Puchhammer-Stöckl vermutlich darein, dass Schulen im Herbst vielfach offen waren, während viele andere Bereiche vom Lockdown betroffen waren.

„Wichtigkeit der Wissenschaft gewachsen“

Über die Rolle der Wissenschaft als Politikberater in den immer noch unübersichtlichen Zeiten urteilte sie vorsichtig positiv. „Wir waren letztendlich erfolgreich, wenn Politiker über CT-Werte diskutieren“, sagte die Virologin. Man sehe etwa, wie Informationen, die Forscher in der Corona-Taskforce des Gesundheitsministeriums einbringen, da und dort berücksichtigt würden: „Die wirklichen Entscheidungen erfahre ich aber auch über die Medien“, sagte Puchhammer-Stöckl. „Die Wichtigkeit der Wissenschaft ist sicher gewachsen.“

Noch weiter in die Zukunft blickend, glaubt die Wissenschafterin an ein verändertes Bewusstsein für die Gefahr weiterer Pandemien in den nächsten Jahrzehnten. Ausgehen könnte die wieder vor allem von Corona- oder Influenzaviren, die bei nahen Tier-Mensch-Kontakten ihren Wirt wechseln können. Für unsere Breiten könnte der Klimawandel über Insekten tropische Viren auch breiter nach Europa bringen.

 

 

 

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