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Coronavirus

Reisewarnung für Kroatien in Kraft, Wien testet via Drive-In

Seit Mitternacht ist die vom Außenministerium verhängte Reisewarnung für Kroatien in Kraft, die seitens der Bundesregierung zur Eindämmung der Weiterverbreitung des Coronavirus für erforderlich gehalten wird. Zuletzt waren rund ein Drittel der insgesamt angestiegenen Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 auf einen Reisebezug zurückzuführen. Hauptsächlich hatten Kroatien-Urlauber das Virus mitgenommen. Kroatien selbst testet im internationalen Vergleich eher wenig.

red/Agenturen

Die Regierung hat am Wochenende grundsätzlich hinsichtlich der Heim- bzw. Durchreisenden aus den Risikogebieten, für die eine Reisewarnung gilt, verstärkte und verbesserte gesundheitsbehördliche Kontrollen angekündigt. Betroffen davon sind Grenzübergänge zu Italien, der Slowakei, Slowenien und Ungarn. Bei der Einreise nach Österreich ist ein ärztliches Gesundheitszeugnis vorzulegen, welches einen negativen PCR-Test bestätigt, der nicht älter als 72 Stunden zurückliegen darf. Wenn ein solcher Nachweis nicht erbracht werden kann, müssen Reisende innerhalb von 48 Stunden einen Test veranlassen und sich bis zum Vorliegen des Ergebnisses in Heimquarantäne begeben.

Vor allem in Oberösterreich ist der neue Cluster aus Reiserückkehren von der Kroatien-Region Makarska ist über das Wochenende stark angestiegen: Von Donnerstag auf Sonntag kletterte die Zahl von 23 auf 68. Seit Freitag zählte man im Bundesland insgesamt 120 Neuinfektionen, 77 davon gingen auf heimkehrende Urlauber zurück.

Die Rückkehrer aus Makarska hatten wiederum fünf Menschen in ihrem Umfeld angesteckt. Allgemein erhöhte sich die Gesamtzahl der infizierten Rückkehrer auf 275 Fälle, die wieder 71 weitere Infektionen zur Folge hatten. Am Sonntag mit Stand 17.00 Uhr waren in Oberösterreich insgesamt 296 Personen infiziert, 13 wurden im Spital normal stationär behandelt, fünf Coronavirus-Patienten benötigten intensivmedizinische Betreuung.

Gratistestungen in mehreren Bundesländern

Indes hat die Stadt Wien beim Praterstadion Gratis-Coronatests für Kroatien-Heimkehrer ermöglicht, auch andere Bundesländer wie Niederösterreich oder das Burgenland ermöglichen Gratistestungen. „Wir möchten aber auch Personen, die in den letzten zehn Tagen aus Kroatien zurückgekehrt sind, die Möglichkeit anbieten, sich testen zu lassen. Daher gibt es für diese Gruppe, die noch ohne verschärfte Einreisebestimmungen zwischen 7. August und Sonntag, 16. August, 0.00 Uhr, aus Kroatien eingereist sind, ab Montag früh die Möglichkeit eines Gratis-Covid-Tests via 1450 - auch wenn keine Symptome vorliegen“, kündigte Gesundheitsminister Rudolf Anschober an. Er appellierte an Kroatien-Rückkehrer, das Angebot auch tatsächlich anzunehmen, und an die Bevölkerung allgemein, vorsichtig zu bleiben und Hygienemaßnahmen sowie den Mindestabstand einzuhalten.

Der Andrang in Wien war am Sonntag jedenfalls gewaltig. Wer sich das Geld für einen Test ersparen wollte, musste aber mit viel Zeit bezahlen: Über drei Stunden betrug die Wartezeit im Drive-in am Abend, etwas weniger für Fußgänger. Noch länger hätte es gedauert, hätten nicht viele aufgegeben.

Denn angesichts der bis auf die Straße hinausreichenden Schlange, drehten zahlreiche Autos gleich wieder um. Nicht wenige gaben nach ein oder zwei Stunden des Wartens mit nur wenige Wagenlängen Fortschritt auf. Im Vorfeld hatte es geheißen, dank Gurgeltest sei es möglich, viele Personen in kurzer Zeit zu überprüfen. In der Praxis kamen die beiden Autoschlangen im Drive-in wie auch die Fußgänger allerdings nur quälend langsam voran, wie der Eigenversuch zweier Kroatien-Heimkehrer ab 18.20 Uhr zeigte, so die APA. Zu Fuß war die Prozedur um 20.57 Uhr geschafft. Das Auto mit seinen vier Insassen war erst um 21.38 abgefertigt, obwohl zwischenzeitlich eine dritte Auto- und eine zweite Fußgängerteststelle eröffnet worden waren.

Zeitraubend war dabei weniger das Gurgeln, das von den betreuenden Personen trotz stundenlanger Dauerbelastung sehr freundlich und humorvoll abgewickelt wurde. Zeitraubend war, dass erst mit dem Gurgeln die Daten aufgenommen und die Administration in Gang gesetzt wurden, statt dafür die lange Wartezeit zu nutzen. Und da gab es dann Überraschungen, etwa die Frage nach der e-Card, die im Vorfeld nicht angekündigt worden war, oder dass nur Menschen mit Hauptwohnsitz in Wien teilnehmen dürfen. Dafür gab es keine Fragen nach einem Kroatien-Aufenthalt. Jeder Wiener, der die Wartezeit überstanden hatte, wurde auch getestet.

Starke Unterschiede bei Testungen

Kroatien selbst hinkt bei den Testungen auf das Coronavirus im europäischen Vergleich deutlich hinterher. Das geht aus Daten von Worldometer hervor. Das statistische Programm, das sich eigenen Angaben zufolge aus tausenden von Quellen speist, wird unter anderem von der Johns Hopkins Universität, der englischen Regierung und namhaften internationalen Medien verwendet.

Laut Worldometer wird in Österreich mehr als drei Mal so viel getestet wie in Kroatien: Während hierzulande bezogen auf eine Million Einwohner bisher 113.004 Tests auf SARS-CoV-2 durchgeführt wurden, sind es in Kroatien 33.559. Damit liegt Kroatien auch - teilweise deutlich - hinter seinen direkten Nachbarstaaten Serbien (91.381), Slowenien (68.926), Montenegro (66.793), Bosnien-Herzegowina (49.105) und Ungarn (39.205).

In Österreich wird etwas mehr getestet als in Deutschland und in der Schweiz, wo je einer Million Einwohner bisher 110.542 bzw. 101.782 Personen auf SARS-CoV-2 untersucht wurden. In von Covid-19 besonders stark betroffenen Ländern liegen die Zahlen großteils darüber. Italien wird derzeit mit 124.410 Tests je einer Million Einwohner ausgewiesen, Spanien mit 159.805, Großbritannien mit 210.812 und Russland mit 222.691. Frankreich liegt dagegen bei 91.895 Tests. Als Musterbeispiel, was das Testen der Bevölkerung auf das Coronavirus betrifft, scheint Dänemark mit 334.445 Testungen je einer Million Einwohner auf.

Wer sich in Gefahr begibt, kann um seinen Lohn umfallen

Auch für Kroatien hat das Außenministerium nun - wie schon für eine Reihe anderer Länder - eine Reisewarnung ausgegeben. Wer trotzdem hinfährt und erkrankt oder unter Quarantäne gestellt wird, hat gegenüber seinem Arbeitgeber keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung - ein Entlassungsgrund ist das aber noch nicht, hat das Arbeitsministerium bereits im Juli klargestellt.

Grundsätzlich gilt nach dem Epidemiegesetz, dass bei einer Quarantäne-Anordnung durch die österreichischen Behörden das Entgelt weiterbezahlt wird, unabhängig davon, wo man zuvor seinen Urlaub verbracht hat. Der Arbeitgeber hat dann einen Ersatzanspruch gegenüber dem Staat.

Im Ausland gilt das österreichische Epidemiegesetz nicht, wie bei jeder anderen Erkrankung hat man aber gegenüber dem Arbeitgeber einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung, außer wenn die Erkrankung grob fahrlässig oder gar vorsätzlich herbeigeführt wurde - und das ist nach Ansicht des Arbeitsministeriums der Fall, wenn man jetzt z.B. trotz Reisewarnung nach Kroatien fährt.

Wer also die Warnung in den Wind schlägt, in Kroatien am Coronavirus erkrankt oder unter Quarantäne gestellt wird und deshalb nach dem Urlaub nicht rechtzeitig zur Arbeit erscheint, hat gegenüber seinem Arbeitgeber keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Grob fahrlässig handelt aber auch, wer sich nicht an Abstands- oder Hygieneregeln hält oder einen vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz nicht trägt. Das dürfte aber schwer nachzuweisen sein.

Ein Entlassungsgrund ist das grundsätzlich nicht, jedenfalls muss aber, wie bei jeder Erkrankung, der Arbeitgeber sofort verständigt und ihm auf Verlangen auch eine ärztliche Bestätigung vorgelegt werden. Wer ungegründet nicht zur Arbeit erscheint, kann sehr wohl entlassen werden.

Bisher 1.460 Anmeldungen für Drive-In-Tests in NÖ

In Niederösterreich haben sich mit Stand Montagnachmittag 1.460 Reiserückkehrer für eine freiwillige Testung im Rahmen des Coronavirus-Screeningprogramms angemeldet. Zu der bereits eröffneten Drive-In Teststation in St. Pölten, sollen morgen noch Standorte in Amstetten und Münchendorf (Bezirk Mödling) hinzukommen, berichtete ein Sprecher der Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ).

Das kostenlose Programm kann noch bis Freitag von allen Personen wahrgenommen werden, die im Zeitraum vom 7. bis 16. August nach Österreich eingereist sind. Dies betreffe nicht nur Rückkehrer aus Kroatien, sondern auch aus anderen Balkanstaaten mit hohen Infektionszahlen. Die Ergebnisse sollen laut Büro der Landesrätin bis spätestens Sonntag vorliegen. Die Anmeldung erfolge online oder unter der Gesundheitshotline 1450.

Urlauber, die nach der Frist zurückkehrten, müssten sich in behördlich verordnete Quarantäne begeben oder einem selbst bezahlten Test auf das Coronavirus unterziehen. Das Einhalten der Absonderung werde jedoch nur „im Anlassfall“ kontrolliert, flächendeckende Überprüfungen fanden bisher nicht statt. „Die meisten haben sich daran gehalten“, berichtete der Sprecher. Die Zahl der Reiserückkehrer unter den sich derzeit unter Quarantäne stehenden Personen werde nicht gesondert erfasst.

Die Testkapazitäten in Niederösterreich gingen in die Tausende pro Tag und seien „bei weitem ausreichend“, hieß es weiter. Mit einer Überlastung der Screeningstationen wird ebenfalls nicht gerechnet. Seit Beginn der Krise wurden in Niederösterreich laut Angaben des Landessanitätsstabes mit Stand Montagfrüh 180.482 Testungen durchgeführt.

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