Coronavirus

Schutzmaterial-Bestände in Kärnten wieder aufgefüllt

Nach der ersten Welle der Coronavirus-Pandemie laufen allerorts Vorbereitungen und Anpassungen für weitere Ausbrüche. In Kärnten sei man dank der Lieferungen über die Bundesbeschaffungsagentur bei den Beständen von Schutzmaterial inzwischen wieder einigermaßen dort, wo man vor den ersten Covid-19-Fällen war, hieß es bei der Landesregierung auf APA-Anfrage.

red/Agenturen

Beim Testmaterial sei die Versorgung vertraglich gewährleistet. Doch geht es nicht nur um Material und Lagerbestände. Covid-19 zur „VIP-Krankheit“ zu erklären, das dürfe nicht mehr passieren, sagt Kärntens „Intensiv-Koordinator“ Primar Rudolf Likar im APA-Gespräch. Zu Kollateralschäden, weil viele andere Patienten nachrangig behandelt wurden, dürfe es nicht mehr kommen. Bei manchen Operationen habe man den Rückstau inzwischen bewältigt, aber noch nicht bei allen.

Von zentraler Bedeutung werde im Herbst sein, dass die Triage weiter funktioniere, sodass kein Patient Angst haben müsse, sich anzustecken, wenn er ein Krankenhaus betritt. „Kein Patient darf Angst haben.“ Aber auch die Gesundheitsstrukturen außerhalb der Krankenhäuser müssten funktionieren, und auch das müsse man den Menschen vermitteln.

Für den Herbst rechnet Likar damit, dass die Entwicklung nicht stärker sein wird als bei der ersten Welle. Von den aktuell 400 neuen Fällen in Linz befinde sich keiner auf der Intensivstation. „Es scheint im Sommer schwächer zu verlaufen, aber im Herbst wird es uns wahrscheinlich wieder anders treffen.“ Bei der Maskenpflicht plädiert Likar für eine Beibehaltung im Gesundheitsbereich und in der Pflege. „Wir sollten lernen, dass man so auch Influenzatote verhindern kann.“ Ganz besonders Risikopatienten und Alte sollten zum eigenen Schutz Masken tragen und auf Handhygiene achten.

Angesichts neuer Ausbrüche sei die Vernetzung wichtig. Vom Ministerium sei eine zentrale Erfassung verfügbarer Intensivbetten eingeleitet worden. Bei regionalen Ausbrüchen werde man sich dann gegenseitig aushelfen müssen. Schutzausrüstung sei jetzt auch in den Krankenhäusern ausreichend vorhanden. Durch Auswertung von Ärzteanfragen und Anrufen bei der Hotline 1450 gebe es inzwischen auch so etwas wie ein Frühwarnsystem für regionale Cluster. Bei der Teststrategie plädiert Likar dafür, auch außerhalb der Krankenhäuser Kontaktpersonen ersten Grades schon vor dem Auftreten von Symptomen zu testen.

Positiv Getestete rasch aus ihren Communitys herausnehmen

In diese Richtung möchte auch Heimo Wallenko, in der Landesregierung zuständig für Infektionsschutz. „'Wir wissen, dass wir in der Umgebung von Fällen asymptomatische Personen haben, die Überträger sein können.“ Weil man das beim Krankenhauspersonal schon länger mache, sei die Situation mit nur einzelnen Fällen gut unter Kontrolle.

Der erste Lockdown habe in Kärnten sehr eindrucksvoll gewirkt, sagte Wallenko. „Das hat uns einige Krankheits- und Todesfälle erspart.“ Inzwischen habe man viel über Übertragungswege gelernt. „Das Kitzloch-Szenario ist das gefährlichste, das man sich vorstellen kann.“ Die Kombination aus vielen Menschen auf engem Raum, schlechter Lüftung und vielleicht noch lauter Stimme sei die „Brutstätte, wo neue Cluster entstehen“. Die Verhaltensregeln - Abstand, Mund-Nasen-Schutz in Innenräumen, wo kein Abstand möglich ist, Händewaschen und Lüftung - hätten nichts von ihrer Bedeutung verloren. „Der wichtigste Übertragungsweg ist die Atemluft.“

Alle Anstrengungen müssten im Herbst dahin gehen, dass man positiv Getestete rasch aus ihren Communitys herausnimmt. „Das ist das einzige, das uns rettet. Da sind wir mit Schweiß und Tränen dahinter.“ Man müsse dort testen, wo die Krankheit vermutet wird, flexibel sein und rasch reagieren. „Das ist personalintensiv und eine Herausforderung.“ Großindustrielle Betriebe mit vielen Leuten in Hallen habe man in der Form in Kärnten nicht, es gebe eher „Haushalts- und Familienereignisse“, auch Einreisende vom Westbalkan seien ein Thema.

In Zukunft soll punktuell an neuralgischen Punkten Maskenpflicht gelten, lokal differenziert vorzugehen sei jedenfalls besser als ein Lockdown im ganzen Land, so Wallenko. Und noch ein Punkt sei die Grippeimpfung. „Wir müssen uns auf die Grippeimpfung im Herbst konzentrieren, damit wir die Doppelbelastung abmildern.“ Covid-19 und Grippe seien vom klinischen Erscheinungsbild her nicht wirklich zu unterscheiden. „Wir wollen möglichst viel impfen, es laufen intensive Vorbereitungen. Da setzen wir auch einen Schwerpunkt auf Kinder, weil sie der Motor der Grippewelle sind.“ So könne man indirekt auch Ältere schützen.