Corona-Verordnungen

Serbien will auch die 3-G-Regel einführen

Serbien, noch Anfang des Jahres ein Impf-Musterknabe, hat sich nach langem Zögern entschlossen, die 3-G-Regel einzuführen. Eine offizielle Entscheidung wurde für Donnerstag erwartet, berichtete das Internetportal „Nova“ nach der Sitzung des Krisenstabes der Regierung am Mittwoch.

red/Agenturen

Vor nicht allzu langer Zeit hatte Ministerpräsidentin Ana Brnabic beteuert, sich jeglichen Restriktionen infolge der Pandemie zu widersetzen, da sie nur an den Erfolg der Impfung glaube. Doch gerade in diesem Bereich haben sich die Erwartungen nicht erfüllt. Bisher wurden nur gut 43 Prozent der Bevölkerung voll geschützt. Allerdings haben gut 13 Prozent inzwischen auch schon die Booster-Impfung hinter sich.

Auch wenn in Serbien die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr und in geschlossenen Räumen in Kraft ist, wird diese von der Bevölkerung großteils ignoriert. Erst an diesem Dienstag wurden im Belgrader öffentlichen Verkehr Geldstrafen verhängt.

Die Situation ist inzwischen ernst geworden. Seit Wochen kämpft das Land gegen eine weitere Coronavirus-Welle. Die Zahl der täglichen Neuerkrankungen bewegt sich seit über zwei Wochen rund um die 7.000. Täglich sterben 50 oder mehr Infizierte.

Wenige Impfungen seit Sommer

Wie die regierungskritische Ärztegruppe „Vereinigt gegen das Coronavirus“ errechnete, die seit Wochen die 3-G-Regel propagiert, haben sich zwischen Anfang Juli und Ende September nur gut vier Prozent der Bevölkerung impfen lassen. Dabei hat es in Serbien seit Jahresbeginn nie an Impfstoffen gemangelt. Die Bevölkerung kann nach wie vor zwischen dem chinesischen Sinopharm, dem russischen Sputnik V und den westlichen Impfstoffen Pfizer/BioNTech und AstraZenecca wählen. Statt Einheimischen haben sich zuletzt vermehrt russische Touristen in Serbien impfen lassen.

Von der Opposition wird die Regierungspolitik im Hinblick auf das Coronavirus unterdessen mit den im April 2022 anstehenden allgemeinen Wahlen in Verbindung gebracht. Die Regierungsparteien wollten unpopuläre Maßnahmen vermeiden, so deren Kritiker.

 

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