Coronakrise

Spitäler in Salzburg und Niederösterreich am Limit

Im Bundesland Salzburg ist die Zahl der Corona-Patienten, die intensivmedizinisch betreut werden, erneut stark gestiegen. Lagen am Dienstag 45 Infizierte auf den Intensivstationen, waren es am Mittwoch bereits 50 Patienten. Die bisher genannte Obergrenze von 51 Intensivbetten ist damit nahezu erreicht. Auch in Niederösterreich ist die Lage in den Spitälern „höchst angespannt“, so die Landesgesundheitsagentur (LGA). Man versucht derzeit, pensioniertes Personal zurück in die Spitäler zu holen.

red/Agenturen

Vorerst wurden 17 weitere Covid-Intensivbetten bereitgestellt. Zudem wurde gestern bekannt, dass vier Intensivpatienten von Salzburg nach Wien überstellt werden.

Wegen der angespannten Situation ist die Anzahl der Intensivbetten aufgestockt worden. Im Uniklinikum Salzburg können 13 weitere Betten mit Covid-Intensivpatienten belegt werden, im Klinikum Schwarzach weitere vier Betten, wie der Sprecher der Salzburger Landeskliniken (SALK), Wolfgang Fürweger, am Mittwoch erklärte.

Ein Sprecher des Landes betonte, es werde alles getan, damit alle Menschen, die medizinische Versorgung benötigen, diese auch erhalten. Je nach Bedarf könnten noch weitere Covid-Intensivbetten bereitgestellt werden. Vorerst seien keine weitere Überstellungen in ein anderes Bundesland geplant. Zunächst bleibe es bei der Anzahl von vier Covid-Intensivpatienten, die heute und morgen aus Salzburg per Hubschrauber ins Wiener AKH gebracht werden.

Die Anzahl der Corona-Patienten auf den Normalstationen der Spitäler ist seit gestern annähernd gleich geblieben. Laut Landesstatistik waren es am Dienstag 205 Patienten, aktuell sind es 206. Das Bundesland Salzburg lag am Mittwoch mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1.734,6 bundesländerweit erneut an der Spitze. Seit Dienstag wurden 1.464 Neuinfektionen und sieben Todesfälle in Zusammenhang mit Corona verzeichnet.

Immer mehr Kinder, die mit dem Coronavirus infiziert sind, benötigen zudem medizinische Betreuung im Spital. Laut einem aktuellen Bericht von ORF Salzburg wurde ein Neugeborenes mit Covid-19-Verdacht in der Eltern-Kind-Station des Kinderspitals im Salzburger Uniklinikum eingeliefert. Es sei eines von fünf Kindern und Jugendlichen, die derzeit wegen einer Coronavirus-Infektion im Kinderkrankenhaus liegen. Ein fünfjähriger Bub brauche dort weiterhin eine Intensivbehandlung. Ein vierjähriges Mädchen, das unter der Corona-Folgeerkrankung PIMS gelitten habe, sei wieder zurück auf der Normalstation und dürfte das Spital bald verlassen.

Niederösterreich versucht pensioniertes Spitalspersonal zurückzuholen

Auch in Niederösterreich spitzt sich die Lage in den Spitälern zu. Seitens der Landesgesundheitsagentur (LGA) wurde die Lage am Mittwoch als „höchst angespannt“ bezeichnet. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) sah dies ähnlich und sprach davon, dass das Personal „seit mehr als 20 Monaten permanent gefordert“ und nunmehr „an den Grenzen angelangt“ sei. Im Bedarfsfall könnten pensionierte Kräfte zurückgeholt werden.

Mikl-Leitner sagte am Rande einer Pressekonferenz in St. Pölten, dass die Infektionszahlen laut Prognosen Ende November zurückgehen sollten. Eine „leichte Entspannung“ auf den Intensivstationen in den Krankenhäusern werde die Folge sein.

Am Mittwoch wurden 109 Covid-Patienten intensivmedizinisch betreut. Insgesamt verfügbar sind in den Landeskliniken 334 Intensivbetten, davon waren nach Angaben der LGA 89 frei. Die Überschreitung des systemkritischen Schwellenwerts von 33 Prozent aller tatsächlich aufgestellten Intensivbetten stand bevor.

Diese Marke wäre ab 111 intensivpflichtigen Corona-Patienten übersprungen. Laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ist bei Überschreitung dieses sogenannten Schwellenwerts für ein sehr hohes Systemrisiko davon auszugehen, „dass die Covid-19-Patienten bereits in deutliche Konkurrenz mit anderen intensivpflichtigen Patienten treten“. In Niederösterreich begegnet man dem weiter mit der Verschiebung von elektiven Eingriffen, vor allem um das Personal auf den Intensivstationen bündeln zu können.

„Die Situation ist wie in ganz Österreich auch bei uns angespannt“, konstatierte auch der für die Kliniken zuständige LHStv. Stephan Pernkopf (ÖVP) angesichts der steigenden Belegungszahlen im Intensivbereich. „Fast alle Patientinnen und Patienten dort sind ungeimpft oder haben schwere Vorerkrankungen. Damit zeigt sich auch, dass nur die Impfung vor schweren Verläufen schützt.“

Die aktuell registrierten 109 Corona-Patienten im Intensivbereich bedeuten im Bundesland nicht den Allzeit-Höchststand. Dieser wurde mit 132 Personen am 12. und am 13. April diesen Jahres verzeichnet. Auf den Normalstationen wurden am Mittwoch 482 an Covid Erkrankte behandelt.

Schlüssel bei der Bewältigung der gesundheitlichen Corona-Krise bleibt also das Personal. Im Bedarfsfall könnte hier nun auf bereits pensionierte Kräfte zurückgegriffen werden. Seitens der LGA kontaktiert wurden im Rahmen einer Erhebung zuletzt Ärzte sowie diplomierte Pflegekräfte, die seit dem 1. Jänner 2017 in den Ruhestand getreten sind. Von insgesamt etwa 1.000 Personen gab es 234 positive Rückmeldungen. „Fast jede oder jeder Vierte hat sich dazu bereit erklärt, im Notfall wieder zu helfen. Das hilft und entlastet in so belastenden Zeiten wie jetzt“, betonte Pernkopf.

Geachtet werde darauf, dass die Beschäftigten in Häusern, in denen sie zuvor tätig waren, oder an wohnortnahen Standorten eingesetzt werden. Vorgesehen sind befristete Dienstverträge, in Sachen Verdienst wird das zuletzt erhaltene Bruttogehalt herangezogen.

„Unser Personal ist nun seit eineinhalb Jahren mit der Pandemie gefordert und alle geben ihr Bestmögliches, um die Versorgung der Patienten sicherzustellen. Dabei ist es natürlich auch belastend, dass sie sich selbst infizieren können, erkranken oder jemand anderen anstecken können“, nannte die LGA als Grund für die Anfrage an die pensionierten Kräfte. Das aktuelle Personal sei darüber hinaus u.a. auch beansprucht, weil bei Ausfällen von Kollegen Dienste übernommen werden müssten.

Bereits im vergangenen Jahr waren im Landesklinikum Scheibbs auf der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin drei ehemalige Mitarbeiterinnen freiwillig aus der Pension zurückgekehrt. „Ein großer Beweggrund war sicher, dass sie ihre Kolleginnen und Kollegen unterstützen wollen“, sagte Robert Resel, Pflegebereichsleiter auf der Abteilung. „Sie haben die Gefahr der Pandemie erkannt und gesehen, dass man jede Hand braucht, die helfen kann. Sie sind seit über einem Jahr eine Riesenstütze für das Team.“