Szekeres: Pflege ist eine der größten Herausforderung der nächsten Jahre

Die Zahl der pflegebedürftigen Personen dürfte im Jahr 2030 bei ungefähr einer Million Menschen liegen, verwies Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres am Mittwoch beim ersten Österreichischen Geriatriegipfel der Wiener Ärztekammer. Vor diesem Hintergrund forderte er die Politik auf sich der Frage der Finanzierung des Pflegebedarfs zu stellen.

red

„Unsere Lebenserwartung steigt - die Menschheit wird statistisch gesehen alle zwei Jahre um drei Monate älter - und der Fortschritt in der Medizin trägt dazu entscheidend bei. Diese Entwicklung stellt uns bereits jetzt vor große Herausforderungen bei der Betreuung unserer älteren Mitbürger und wird es in Zukunft noch verstärkt tun“, betonte Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres heute, Mittwoch, beim Ersten Österreichischen Geriatriegipfel in Wien. 

2030 etwa eine Million Pflegebedürftige in Österreich

Alleine in Österreich werde die Zahl der pflegebedürftigen Personen im Jahr 2030 bei ungefähr einer Million Menschen liegen. 880.000 Österreicherinnen und Österreicher werden nach heutigen statistischen Prognosen dann mehr als 80 Jahre alt sein. Szekeres: „Die großen gesellschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahre werden sich aus diesen Gründen um die Themen Pflege und Betreuung im Alter, Altern in Würde sowie um den Umgang mit chronischen Alterserkrankungen wie Demenz drehen.“ Schon jetzt sind 30 Prozent aller Pflegefälle dement oder haben demenzielle Symptome.

„Neben den diesbezüglichen ethischen, sozialpolitischen und versorgungstechnischen Aspekten ist die Frage der Finanzierung des zunehmenden Aufwands in allen Bereichen der Pflege eine essenzielle Frage, der sich vor allem die Politik stellen muss“, so Szekeres. Schon jetzt werden in Österreich jährlich mehr als vier Milliarden Euro für pflegebedürftige Menschen ausgegeben -  nicht einberechnet sind dabei jedoch die Aufwendungen für jene ungefähr eine Million Österreicherinnen und Österreicher, die von Angehörigen privat gepflegt werden. Eine Prognose des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) geht davon aus, dass die Aufwendungen für Pflege bis zum Jahr 2030 um mehr als 300 Prozent zulegen werden.

Über diese Themen sowie über ethisch-moralische Fragestellungen in Medizin und Forschung beziehungsweise über Aspekte in der Palliativmedizin wurde am Ersten Österreichischen Geriatriegipfel der Wiener Ärztekammer in mehreren Diskussionpanels debattiert. Unter den Keynote-Speakern und Podiumsgästen waren neben den beiden Vizepräsidenten der Wiener Ärztekammer, Johannes Steinhart und Wolfgang Weismüller, unter anderem auch der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker, die Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie, Regina Roller-Wirnsberger, der Philosoph und Ethiker Peter Kampits, die Direktorin der Diakonie Österreich, Maria Katharina Moser, sowie Gottfried Haber von der Donau-Universität Krems.

Alte Frau
In Österreich sind rund 33.000 Menschen auf die 24-Stunden-Pflege angewiesen. Laut WKÖ betreuen etwa 60.000 Pflegekräfte diese Personen. 99 Prozent davon stammten aus dem Ausland.
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