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Coronavirus

Trump will USA für künftige Epidemien wappnen

US-Präsident Donald Trump will die USA für Epidemien in der Zukunft wappnen. „Ich bin entschlossen, dass Amerika voll und ganz auf alle künftigen Ausbrüche (von Krankheiten), von denen wir hoffen, dass es keine geben wird, vorbereitet sein wird“, sagte Trump am Donnerstag bei einem Auftritt in Allentown im US-Bundesstaat Pennsylvania.

red/Agenturen
„Jede weitere Verzögerung durch diese Regierung wird zu noch mehr unnötigen Todesfällen von Amerikanern führen und noch mehr Familien in eine finanzielle Katastrophe stürzen.“ Kate Bedingfield, Wahlkampfmanagerin von Joe Biden,

Der nationale Vorrat beispielsweise an Masken werde „dramatisch“ aufgestockt, kündigte Trump an. Nie wieder werde ein Präsident leere Regale oder abgelaufene Produkte erben, versprach er.

Kritiker werfen Trump vor, selbst nicht energisch genug auf die Krise reagiert zu haben, so dass das Virus die USA weitgehend unvorbereitet traf. „Jede weitere Verzögerung durch diese Regierung wird zu noch mehr unnötigen Todesfällen von Amerikanern führen und noch mehr Familien in eine finanzielle Katastrophe stürzen“, erklärte die Wahlkampfmanagerin von Joe Biden, Kate Bedingfield. Biden will Trump bei der Wahl im November als Kandidat der Demokraten herausfordern.

Trump-Reise und Demonstranten vor Kapitol

Wegen der Coronakrise sind Reisen auch für Trump zur Seltenheit geworden. In Pennsylvania besuchte er nun ein Unternehmen, das Arzneimittel und medizinische Produkte vertreibt. Trotz der Ausgangsbeschränkungen und angemahnten sozialen Distanz säumten Unterstützer teils dicht gedrängt die Straßen, um den Präsidenten zu begrüßen. Trump ließ es sich nicht nehmen, bei seiner Rede die aus seiner Sicht zu strikten Eindämmungsmaßnahmen zu kritisieren. Der Gouverneur von Pennsylvania, Demokrat Tom Wolf, müsse anfangen, den Staat ein wenig zu öffnen. „Ihr habt Gebiete in Pennsylvania, die kaum betroffen sind“, sagte Trump. Wolf hatte vergangene Woche für Teile des Landes bereits Maßnahmen gelockert.

Im US-Bundesstaat Michigan zogen wegen der anhaltenden Beschränkungen am Donnerstag erneut Demonstranten vor das Kapitol in der Hauptstadt Lansing - US-Medienberichten zufolge waren es aber deutlich weniger als in den Vorwochen. Teils bewaffnet, vermummt oder mit Schirmen gegen den Regen standen die Menschen dieses Mal vor verschlossener Tür. Während einer Protestaktion vor zwei Wochen waren mehrere bewaffnete Demonstranten in das Parlament eingedrungen.

Die Gesundheitsbehörde CDC veröffentlichte am Donnerstag (Ortszeit) unter anderem für Restaurants und Bars, Schulen und Kinderbetreuung Handreichungen, wie diese sicher ihren Betrieb wieder aufnehmen können. Die jeweils einseitigen Übersichten sind allgemein gehalten und weisen daraufhin, dass die nächsten Schritte in Abstimmung mit staatlichen und lokalen Behörden vonstatten gehen müssten. Für alle Bereiche gilt die Empfehlung, stärker auf Hygiene und soziale Distanz zu achten und jeden, der krank ist, anzuhalten, Zuhause zu bleiben. US-Medien hatten zuvor über Unstimmigkeiten über einen Entwurf der Richtlinien zwischen der CDC und dem Weißen Haus berichtet.

Washington übt erneut Kritik an China

In Washington vergeht derzeit so gut wie kein Tag, an dem nicht Vorwürfe gegen China im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie geäußert werden. Trumps Handelsberater Peter Navarro legte am Donnerstag nach. China habe das Virus im November „wahrscheinlich in diesem Waffenlabor in Wuhan“ erschaffen, sagte Navarro dem Sender Fox News. Anschließend habe das Land das Virus „zwei Monate lang hinter dem Schutzschild der Weltgesundheitsorganisation versteckt“, Schutzausrüstung aus aller Welt „gehortet“, Menschen getötet und schließlich Profit aus der Krise geschlagen. „Jetzt versuchen Hacker der chinesischen Regierung, Informationen über die Impfung zu stehlen, damit sie sie zuerst herstellen können.“

Für die bereits zuvor von Navarro geäußerte Annahme, das Virus sei in einem Labor für Biowaffen erschaffen worden, gibt es keine Beweise. Gleiches gilt für den Vorwurf, das Virus stamme womöglich aus einem Forschungslabor in der Stadt Wuhan. Wissenschaftler halten es für viel wahrscheinlicher, dass Sars-CoV-2 natürlichen Ursprungs ist und von Tieren auf den Menschen übertragen wurde.

Trump warf den Chinesen am Donnerstag erneut vor, sie hätten die Ausbreitung des Coronavirus nicht gleich am Ursprung gestoppt und dadurch enormen Schaden angerichtet. Er wolle „im Augenblick“ nicht mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping sprechen, sagte Trump dem Sender Fox Business am Donnerstag. Zu möglichen Vergeltungsmaßnahmen der USA gegen China nannte Trump keine konkreten Schritte, schlug aber einen drohenden Ton an: „Es gibt viele Dinge, die wir tun könnten. Wir könnten alle Beziehungen abbrechen.“

„Es hätten viel mehr Informationen aus China kommen müssen und der Präsident überprüft die Situation“, sagte Finanzminister Steven Mnuchin dem Sender Fox Business am Donnerstag. Die amerikanische Öffentlichkeit habe ein Recht darauf, alle Fakten im Zusammenhang mit dem Ausbruch in China zu verstehen, sagte er.

EU fordert unabhängige Untersuchung des Corona-Ursprungs

Der Außenbeauftragte der Europäischen Union, Josep Borell, forderte unterdessen eine unabhängige Untersuchung des Ursprungs von Corona. Damit sich die Welt vor künftigen Pandemien besser schützen könne, bedürfe es einer unabhängigen wissenschaftlichen Untersuchung des Ursprungs dieser Pandemie, schrieb Borell in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Freitagsausgabe). Außerdem rief Borrell China dazu auf, bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie, der Forschung nach Impfstoffen und der Ankurbelung der Weltwirtschaft „seine Rolle und Verantwortung gemäß seinem Gewicht“ wahrzunehmen.

Die Coronakrise wird der Weltwirtschaft in diesem Jahr Einbußen von 5,8 bis 8,8 Billionen Dollar (5.374,35 Mrd. Euro bis 8.154,19 Mrd. Euro) bringen, wie aus einer aktualisierten Schätzung der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) vom Freitag hervorgeht. Das wären 6,4 bis 9,7 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. Die Prognose ist pessimistischer als noch im April.

Der US-Notenbanker Robert Kaplan plädiert für umfassende landesweite Coronatests. Mit einer „dramatischen nationalen Testinitiative“ könne eine relativ rasche Erholung der Wirtschaft von der Krise erreicht werden, sagt der Chef des Notenbank-Ablegers in Dallas dem TV-Sender KERA.

Behörde bezweifelt Zuverlässigkeit von Corona-Test in den USA

Zuletzt stiegen bei einem unter anderem im Weißen Haus verwendeten Corona-Schnelltest in den USA die Zweifel an der Zuverlässigkeit. Die US-Arzneimittelaufsicht FDA warnte am Donnerstag (Ortszeit), dass das vom Gesundheitskonzern Abbott hergestellte Testsystem womöglich falsche Ergebnisse liefere. Die FDA verwies dabei auf mehrere Studien. Für den Test hatte Abbott erst im März eine Notfallzulassung der FDA erhalten. US-Präsident Donald Trump, Vizepräsident Mike Pence sowie Top-Mitarbeiter werden derzeit täglich mit Hilfe des Schnelltests auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet.

Das System namens „ID Now“ soll mit Material von Nasenabstrichen eine Infektion mit Sars-CoV-2 nachweisen können. Die FDA äußerte die Besorgnis, dass es dabei womöglich häufiger zu falschen Resultaten kommt: Infizierte Personen könnten womöglich ein negatives Testergebnis erhalten. Sie wähnen sich dann gesund und können in der Folge unwissentlich andere Menschen anstecken.

Nicht bezweifelt werde die Zuverlässigkeit des Tests, wenn dieser ein positives Ergebnis liefert, hieß es. Die FDA sei zudem noch in der in der Überprüfungsphase und befinde sich im direkten Kontakt mit Abbott. Das Unternehmen teilte mit, es werde derzeit untersucht, wie die Stichhaltigkeit der Ergebnisse verbessert werden könne. Es verwies darauf, dass Nutzer bisher eine sehr geringe Fehlerquote gemeldet hätten. Zudem sei das Gerät in einigen Studien nicht sachgerecht verwendet worden. Fehler bei Handhabung, Lagerung und Transport des Systems könnten das Ergebnis beeinflussen.

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