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Coronavirus-Tests

Ungeimpfte müssen in Deutschland Tests ab Oktober bezahlen

In Deutschland müssen Ungeimpfte vom 11. Oktober an verpflichtende Corona-Tests selbst bezahlen, um ohne Auflagen am öffentlichen Leben teilnehmen zu können. Das erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag aus Verhandlungskreisen des Gipfels von Bund und Ländern. Danach sind Tests verpflichtend vorgeschrieben, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz über einen Wert von 35 steigt. Für Genesene und Geimpfte gilt die Testpflicht nicht.

red/Agenturen

Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, sowie Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren bekommen die Tests weiterhin vom Staat bezahlt, wie es in der Beschlussvorlage des Kanzleramts für die Ministerpräsidentenkonferenz weiter heißt.

Mittlerweile habe jeder ein Impfangebot, lautet die Begründung für diesen Schritt. In der Vorlage wird deshalb an die Bevölkerung appelliert, sich impfen zu lassen. Die vorhandenen Impfstoffe wiesen auch gegen die sehr ansteckende Delta-Variante des Coronavirus „eine hohe Wirksamkeit“ auf. Geimpfte und Genesene würden deshalb „von bundes- oder landesrechtlichen Regelungen, die Testauflagen vorsehen, ausgenommen“, heißt es in der Vorlage. Auch eine Quarantänepflicht für diese Personengruppen ist demnach nicht mehr erforderlich, selbst wenn sie aus einem Hochrisikogebiet wieder nach Deutschland einreisen.

Für den Aufenthalt in öffentlichen Innenräumen ist allerdings dann für nicht Geimpfte oder Genesene ein negativer Test erforderlich, wenn die Inzidenz in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt bei über 35 liegt. Ungeimpfte müssen dann einen negativen Antigen-Schnelltest, der nicht älter ist als 24 Stunden, oder einen negativen PCR-Test, der nicht älter ist als 48 Stunden, vorlegen. Dies soll für den Zugang zu Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeheimen, zur Innengastronomie, Sport- und Freizeitveranstaltungen, Gottesdiensten, für körpernahe Dienstleistungen wie Friseure sowie bei der Beherbergung in Pensionen und Hotels gelten. Zugleich sollen „Basisschutzmaßnahmen“ wie etwa das Tragen einer Maske im öffentlichen Nahverkehr oder dem Einzelhandel aufrechterhalten bleiben.

VdK mahnt zur Vorsicht bei Kostenpflicht für Corona-Tests

Der Sozialverband VdK mahnt, bei der geplanten Abschaffung der kostenlosen Corona-Schnelltests für Ungeimpfte spezielle Fälle nicht aus den Augen zu verlieren. „Unbedingt notwendig sind Ausnahmeregelungen nicht nur für jene, die sich nicht impfen lassen können oder für die es keine Impf-Empfehlung gibt, sondern ganz besonders auch für Pflegeheime“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Dienstag.

Aus den hohen Corona-Todeszahlen in Pflegeeinrichtungen in der Vergangenheit müsse gelernt werden, forderte Bentele. Jeder, der eine solche Einrichtung betrete, müsse „weiterhin kostenlos vor Ort getestet werden“. Sie nannte hierbei geimpfte oder genesene Besucher sowie interne und externe Mitarbeiter. Bentele verwies auf wissenschaftliche Erkenntnisse, wonach auch bereits Geimpfte weiterhin Überträger des Coronavirus sein können.

Vor den Bund-Länder-Beratungen über das weitere Vorgehen in der Pandemie am Nachmittag zeichnet sich ab, dass Ungeimpfte bald für Corona-Tests zahlen müssen. In einer Beschlussvorlage für die Runde, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, heißt es, ab Oktober sollten die Tests kostenpflichtig sein. Ausnahmen soll es geben für Menschen, die nicht geimpft werden können oder für die keine allgemeine Impfempfehlung vorliegt.

„Sie werden sich das Testen sparen“

Der Berufsverband Deutscher Laborärzte äußerte Zweifel an der These, dass so mehr Menschen zur Impfung bewegt werden könnten. „Das ist eine populistische Idee. Es wird etwas anderes passieren: Sie werden sich das Testen sparen“, sagte der Verbandsvorsitzende Andreas Bobrowski den Funke-Zeitungen. Eine Teststrategie solle immer eine eigene Säule im Kampf gegen die Pandemie sein. „Eine Verbindung mit der Impfstrategie ist deshalb niemals zielführend“, sagte Bobrowski.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, unterstützte hingegen das Vorhaben von Bund und Ländern. „Warum sollte die Allgemeinheit für die Tests von Leuten blechen, die sich nicht impfen lassen wollen?“, fragte Montgomery in den Funke-Zeitungen. Die Tests seien ohnehin nicht mehr so teuer. „Ich halte es auch für sozial zumutbar, dass Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, die Tests selber bezahlen.“

Der Städte- und Gemeindebund (DStGB) sagte für Impfunwillige weitere Einschränkungen voraus. „Mittelfristig werden Personen, die ein mögliches Impfangebot ablehnen, sich darauf einstellen müssen, dass sie nicht in allen Bereichen die gleichen Freiheitsrechte haben können wie geimpfte Personen“, sagte DStGB-Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Er verwies auf das Beispiel des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln, der künftig nur noch Geimpfte und Genesene ins Stadion lassen will.

Der Präsident des Bundesverbands Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, Jens Michow, sagte den Zeitungen, die Lebensumstände hätten sich durch Corona erheblich geändert. „Da unser Leben aber trotzdem weitergehen muss, sollten die Kritikerinnen und Kritiker verstehen, dass sie sich entweder diesen geänderten Umständen anpassen müssen oder Kompromisse bis hin zu Nachteilen hinnehmen müssen.“

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Ungeimpfte, die in Deutschland künftig ohne Auflagen am öffentlichen Leben teilnehmen wollen, müssen ab 11. Oktober verpflichtende Corona-Tests selbst bezahlen,
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