Corona-Pandemie

„Ungeimpfte sind wie Raser"

Kärntens Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ) hat am Dienstag die aktuellen Zahlen zur Belegung der Spitaler wegen Covid-19 in Kärnten bei einer Pressekonferenz in Klagenfurt bekannt gegeben. Momentan seien 18 Intensivbetten und 44 Betten auf Normalstationen belegt. Man wisse aus dem vorigen Jahr, dass diese Zahlen schnell nach oben gehen könnten. Primarius Jörg Weber meinte, Ungeimpfte „sind wie Raser“.

red/Agenturen

Prettner erklärte, man sei damit gerade noch in Stufe Eins eines fünfstufigen Plans für die Spitäler. Bei dem werden 20 Intensiv- und 132 normalstationäre Betten für Covid-19-Patienten vorgehalten. Ab Stufe Zwei sind es dann 40 beziehungsweise 200. Die dritte Stufe sei ein Übergang zur Vierten mit 60 und 469 Betten. Ab Stufe Fünf würden 30 Prozent der 200 Intensiv- und 2.720 normalstationären Betten in Kärnten für Covid-19-Patienten vorbehalten. Man hoffe, den Peak vom 27. November 2020 mit 37 Patienten auf Intensiv- und 404 auf Normalstationen nicht mehr zu erreichen. Dies gehe nur über Impfungen, weshalb sie und die Primarärzte Rudolf Likar und Jörg Weber vom Klinikum Klagenfurt diesbezüglich noch einmal an die Bevölkerung appellierten. Wegen der fehlenden Durchimpfungsrate bei jungen Menschen sprach Prettner davon, dass Covid-19 jetzt „eine Erkrankung der Jüngeren“ sei.

Auf Rückfrage eines Journalisten, dass dies mittlerweile der x-te Impfappell sei und ob man nicht doch über ein probateres Mittel wie die Impflicht nachdenken müsste, wich Prettner erst aus, um auf das Nachhaken, ob die Politik nicht unpopuläre Maßnahmen durchsetzen müsse, zu entgegnen: „Die Gesellschaft ist ja jetzt schon auseinanderdividiert.“ Man müsse sich nur die Situation in Italien anschauen. „Ich kann nur sagen, wenn man so eine Maßnahme einführt, dann muss sie flächendeckend eingeführt werden“, schob sie die Verantwortung der Bundespolitik zu.

„Individuelle Vorteile adressieren“

Konkreter wurde Primarius Weber: „Ich gebe Ihnen recht, man kann es nicht mehr hören.“ Es sei aber recht einfach: In den Ländern, in denen es keine politischen Fraktionen gebe, die Nutznießer einer Impfskepsis seien, dort sei die Impfrate auch deutlich höher. Er nannte Deutschland und die skandinavischen Länder. „Man muss die individuellen Vorteile adressieren.“ Nicht nur der eigene Schutz, sondern auch, dass Schulen und die Wirtschaft geöffnet bleiben könnten, da würde man sonst bald von anderen Ländern volkswirtschaftlich überholt. Mit Blick auf Deutschland ergänzte er: „Wir haben eine doppelt so hohe Inzidenz. Das heißt, wir sind doppelt so schlecht.“ Ihn störte auch das dritte G, das nur noch aus PCR-Tests und nicht auch aus Antigentests bestehen dürfe. Und die Kosten müssten die Leute selbst übernehmen. „Es ist eine individuelle Entscheidung für oder gegen das Impfen. Dann entscheidet man sich aber auch individuell für die Kosten eines PCR-Tests.“

Primarius Likar, der die Intensivbetten in Kärnten verwaltet, kam noch auf die 18 durch Covid-19-Erkrankte belegten Betten zu sprechen. „Dass Problem ist, dass diese Patienten mindestens zwei bis drei Wochen auf der Intensivstation bleiben. Auch, wenn sie schon Covid-negativ sind.“ Das führe zu Problemen bei der Kapazität. Man müsse bereits manche Operationen verschieben. Rund ein Drittel der Covidpatienten auf den Intensivstationen sterbe. „Nicht nur in Kärnten, auch in Wien“, verdeutlichte er die hohe Mortalitätsrate im intensivmedizinischen Bereich, die durch eine Impfung signifikant gesenkt werden könne.

Weber, der die Normalstationen leitet, verwies nachdrücklich auf die Verschiebung der Krankheit. Wegen der Durchimpfungsrate sei die Infektion bei Älteren fast gegen Null. „Der Peak geht immer weiter runter. Vor einem Jahr war er 70 plus, jetzt sind wir bei 35.“ Es sei also wirklich eine Erkrankung der Jüngeren geworden. Das liege daran, weil diese Alterskohorte sich nicht ausreichend impfen lasse, obwohl „das die bestuntersuchte Impfung ist, die es gibt. Das haben wir so bei keiner Impfung. Datenmengen im 100 Millionen Bereich.“ Nur heute sei halt jeder „Impfexperte“. Im Gegensatz zur Gesundheitsreferentin fand er klare Worte zu Ungeimpften: „Das ist so, wie wenn man als Autofahrer zu der Gruppe der Raser gehört, man gefährdet sich und andere. Da ist faktisch kein Unterschied.“