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Coronakrise

WHO verspricht Überprüfung des Umgangs mit Pandemie

Die Weltgesundheitsorganisation WHO plant eine unabhängige Überprüfung des Umgangs mit der Coronavirus-Pandemie und bekommt dafür Unterstützung aus China. Eine solche Untersuchung solle zum frühest möglichen Zeitpunkt starten, kündigte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag zu Beginn der virtuellen Jahresversammlung der Genfer Organisation an.

red/Agenturen

„Wir alle können Lehren aus dieser Pandemie ziehen. Jedes Land und jede Organisation muss seine Reaktionen überprüfen und aus den Erfahrungen lernen.“ Das Risiko bleibe hoch. Tests in einigen Ländern zeigten, dass höchstens 20 Prozent der Bevölkerung an dem Virus erkrankt waren, an den meisten Orten weniger als zehn Prozent.

Die Europäische Union forderte eine unabhängige Untersuchung des Umgangs mit der Pandemie. Der Resolutionsentwurf wird von 116 der 194 Mitgliedsstaaten unterstützt. Die WHO hatte die Kritik von US-Präsident Donald Trump auf sich gezogen, der der WHO eine zu große Nähe zu China und ein falsches Krisenmanagement vorwirft. Der US-Präsident hat deswegen die amerikanischen Zahlungen in die WHO eingestellt. Die Organisation erklärte, bis zum Jahresende rechne sie mit einer Finanzlücke von rund 1,7 Milliarden Dollar (1,57 Mrd. Euro). China will einspringen: Präsident Xi Jinping sicherte zwei Milliarden Dollar über zwei Jahre zur Bekämpfung der Pandemie zu.

Außenminister Mike Pompeo griff die WHO und China aus Washington erneut an. Er warf Peking fortgesetzte Manipulationen im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie vor. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus stehe unter chinesischem Druck und sei nicht unabhängig. Die WHO habe versagt, legte US-Gesundheitsminister Alex Azar nach.

Peking gibt Milliarden

Dagegen kündigte der chinesische Präsident Xi Jinping in seiner Rede zwei Milliarden Dollar (1,85 Mrd Euro) Coronahilfe zur Unterstützung ärmerer Länder an. Er strich die Entsendung von Ärztinnen und Ärzten nach Afrika heraus und Lieferungen von Masken und medizinischem Material in alle Welt.

China, wo das neuartiges Coronavirus seinen Ursprung hat, verteidigte seinen Umgang mit dem Ausbruch und forderte eine unabhängige Überprüfung der weltweiten Reaktionen auf die Pandemie, sobald das Virus unter Kontrolle sei. Trump hatte in der Vergangenheit China verantwortlich für die globale Ausbreitung des Erregers gemacht.

Diplomaten zufolge werden die USA wahrscheinlich keine Mehrheit blockieren, die die Untersuchungs-Resolution unterstützt. Sie könnten sich aber von Abschnitten distanzieren, die sich auf die Rechte an geistigem Eigentum an Medikamenten und Impfstoffen beziehen.

Staats- und Regierungschefs sprechen sich für Stärkung der WHO aus

China hatte sich ursprünglich entschieden gegen eine internationale Untersuchung der Pandemie ausgesprochen. Xi signalisierte nun, dass Peking für eine Bewertung offen sei. „Diese Arbeit erfordert eine wissenschaftliche und professionelle Einstellung und muss von der WHO geleitet werden. Die Grundsätze der Objektivität und Fairness müssen eingehalten werden“, sagte Xi in einer Videobotschaft.

Mehrere Staats- und Regierungschefs sprachen sich für eine Stärkung der WHO aus. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, es müsse geprüft werden, wie die Prozesse verbessert werden könnten. „Die WHO ist die legitimierte globale Institution, bei der die Fäden zusammenlaufen“, sagte Merkel in einer Videobotschaft. Nötig sei eine nachhaltige Finanzierung.

Der südkoreanische Präsident Moon Jea-in forderte, die Organisation müsse mehr Befugnissen bekommen. „Wir müssen die internationalen Gesundheitsvorschriften der WHO und andere relevante Normen aktualisieren und sie mit verbindlicher Rechtskraft ergänzen.“ Nach den Regeln von 2005 sollen die Mitgliedstaaten der WHO schnell über jegliche Ausbrüche informieren. Die WHO verfügt aber nur über einen begrenzten Einfluss und darf in Ländern ohne deren Erlaubnis keine Nachforschungen anstellen.

Nach Einschätzung der WHO und der meisten Experten hat das Virus seinen Ursprung auf einem Wildtiermarkt in der chinesischen Provinzhauptstadt Wuhan. US-Außenminister Mike Pompeo hatte gesagt, es gebe eine „erhebliche Menge an Beweisen“, dass das Virus aus einem Labor in Wuhan stammt. China weist das zurück.

Italien für stärkeren Informationsaustausch über Coronavirus

Bei der Jahrestagung hat sich Italien für einen stärkeren Informationsaustausch unter Ländern im Kampf gegen das Coronavirus ausgesprochen. Zugleich bekräftigte der italienische Premier Giuseppe Conte seine Forderung nach einer „internationalen Allianz“ zur Bekämpfung des Covid-19. „Niemand darf zurückbleiben“, sagte Conte nach Medienangaben.

Italien zähle zu den ersten und den stärksten von der Epidemie betroffenen Ländern. Nach zwei Monaten Lockdown seien die epidemiologischen Zahlen „ermutigend“. „Sie bezeugen, dass unsere Bemühungen und kollektiven Opfer zu Resultaten geführt haben“, berichtete Conte.

Italien habe die meisten Einschränkungen gelockert, berücksichtige jedoch weiter Vorsichtsmaßnahmen. Hinzu sei Italien dabei, sein Gesundheitssystem zu stärken und die Bettplätze auf den Intensivstationen zu steigern, sagte der Premier. Italien habe zusätzliches Gesundheitspersonal angestellt.

Die Zahl der neu gemeldeten Todesfälle seit Anfang März erstmals unter 100 gesunken. Am Montag wurden 99 Todesopfer gemeldet, teilte der Zivilschutz mit. Die Zahl der Verstorbenen seit Beginn der Pandemie in Italien am 20. Februar überschritt damit die 32.000-Schwelle und stieg auf insgesamt 32.007.

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