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WHO verzeichnet Rekordwert an Corona-Neuinfektionen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat neue Höchststände bei den täglich gemeldeten Corona-Infektionen verzeichnet. Am Samstag wurden weltweit 660.905 Neuinfektionen registriert, wie aus der WHO-Statistik zur Verbreitung des Coronavirus hervorgeht. Am Freitag waren es mehr als 645.000 neue Corona-Fälle. Beide Zahlen liegen über dem bisherigen Höchstwert vom 7. November, als der WHO innerhalb eines Tages gut 614.000 Corona-Infektionen gemeldet worden waren.

red/Agenturen

Der WHO-Statistik zufolge wurden weltweit inzwischen mehr als 53,7 Millionen Corona-Fälle nachgewiesen. Mehr als 1,3 Millionen Infizierte starben demnach. Alleine am Samstag wurden nach WHO-Angaben 9924 Sterbefälle registriert. Am Donnerstag waren 9928 Corona-Tote gemeldet worden. Dies war der höchste Wert seit Mitte August und der dritthöchste seit Beginn der Pandemie.

USA mit mehr als elf Millionen Corona-Fällen 

Die USA haben die Marke von elf Millionen Corona-Infektionen überschritten. Das ging am Sonntag aus Daten der Universität Johns Hopkins in Baltimore hervor. Eine Million Fälle kam in weniger als einer Woche dazu: Zehn Millionen waren erst am vergangenen Montag erreicht worden. Zuletzt hatte die Zahl der Neuinfektionen mit mehr als 177 000 an einem Tag erneut einen Rekordstand erreicht. In rund der Hälfte der 50 Bundesstaaten sind auch die Einweisungen in Krankenhäuser auf einem Höchststand.

In den USA starben bisher gut 246 000 Menschen an der Krankheit Covid-19. Der Mediziner Jonathan Reiner von der George Washington Universität warnte im Nachrichtensender CNN am Sonntag, dass in wenigen Wochen täglich erst 2000 und dann 3000 Erkrankte sterben würden, wenn man nicht umgehend Maßnahmen wie eine Maskenpflicht umsetze.

Präsident Donald Trump hatte die Gefahr durch das Coronavirus insbesondere im Endspurt seines Wahlkampfs heruntergespielt und verkündet, dass die USA in der Pandemie bald über den Berg sein würden. Inzwischen erlassen Gouverneure einzelner Bundesstaaten verstärkt Anordnungen zum Tragen von Masken und Einschränkungen für den Betrieb von Geschäften und Restaurants.

Italiens Außenminister setzt auf nahenden Corona-Impfstoff

Angesichts erster Erfolge bei der Impfstoffentwicklung hat sich Italiens Außenminister Luigi Di Maio optimistisch gezeigt, dass sich die Corona-Lage bald verbessern wird. „Ich sehe ein Licht am Ende des Tunnels“, sagte Di Maio am Sonntag im Interview mit dem Fernsehsender La7. Mit dem Impfstoff könne in eine neue Normalität eingetreten werden. Bis Dezember oder Januar würden die ersten Dosen eintreffen. „Wir haben auf internationaler Ebene Verträge unterschrieben und der Zeitplan scheint sich nicht geändert zu haben“, erklärte Di Maio.

Am Sonntag meldeten die italienischen Gesundheitsbehörden knapp 34 000 Corona-Neuinfektionen und 546 Tote binnen eines Tages. Damit liegt die Gesamtzahl der registrierten Corona-Fälle in dem Mittelmeerland bei etwas weniger als 1,18 Millionen Fällen. Insgesamt meldeten die Behörden damit rund 45 000 Menschen, die bisher mit dem Coronavirus starben. Aufgrund geringerer Testkapazitäten fallen die Fallzahlen am Wochenende oft niedriger aus. In Italien gelten seit vergangener Woche strenge Corona-Regeln, in einigen Regionen kommen sie einem Lockdown gleich.

Italiens Regierung stuft die nächsten sieben bis zehn Tage dabei als entscheidende Phase im Kampf gegen die Corona-Ausbreitung ein. Wie Gesundheitsminister Roberto Speranza sagte, gebe es ein Bündel von Anzeichen, dass sich die Lage in dem Mittelmeerland stabilisieren könnte. Der Minister sprach in der Zeitung La Stampa vom Montag davon, dass für Italien in der zweiten Corona-Welle das Plateau in Sicht sei, wenn sich etwa die Ansteckungsraten und die Zahl der Intensivpatienten weiter stabilisierten. Zugleich kündigten mehrere Regionen auf ihrem Gebiet neue Maßnahmen an.

„Wir wollen die Kurve steuern, ohne dass es zu einem völligen Lockdown kommt“, unterstrich der Gesundheitsminister. „Die nächsten sieben bis zehn Tage werden entscheidend sein (...).“ Dann werde sich zeigen, ob die Politik Roms zur Teilung des Landes in drei Risikozonen Erfolg bringe. Die Mitte-Links-Regierung hatte die Maßnahme mit einem Teil-Lockdown und tagsüber abgestuften Bewegungsverboten in Roten und Orangen Zonen am 6. November in Kraft gesetzt.

Einige der 20 Regionen protestierten gegen ihre Einstufung. Andere Gebiete erließen von sich aus noch schärfere Maßnahmen. So kündigten die Verantwortlichen in den Abruzzen (orange) in Mittelitalien nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa an, dass sie die Ausrufung einer Roten Zonen prüfen. Erwogen werde die Schließung aller Schulen. In der Region Basilikata im Süden wurde das schon beschlossen. Dort sollen auch die jüngeren Kinder ab Dienstag zu Hause bleiben. Ihre Schulen sind für zunächst zwei Wochen zu. Für ältere Schüler hatte Rom den Unterricht ohnehin national auf Online-Stunden umgestellt.

Expertin: Viele Corona-Tode in Großbritannien auch wegen Übergewicht 

Die hohe Corona-Todesrate in Großbritannien führt die frühere medizinische Regierungsberaterin Sally Davies auch auf das Problem des Landes mit Übergewicht zurück. „Es gibt eine direkte Korrelation zwischen starkem Übergewicht und hoher Covid-Sterblichkeit“, sagte Davies, die bis zum vergangenen Jahr die Regierung in medizinischen Fragen beriet, am Sonntag dem „Times Radio“. Fettleibigkeit - definiert als Body-Mass-Index (BMI) über 30 - erhöhe das Risiko, an Covid-19 zu sterben, um fast 50 Prozent.

„Einer der Gründe, warum wir ein Problem mit unserem Gewicht haben, ist das strukturelle Umfeld, in dem Werbung, Portionsgrößen und viele andere Dinge eine Rolle spielen“, so Davies. Tausende von Corona-Todesfällen hätten verhindert werden können, wenn die Politik die Übergewichtskrise rechtzeitig und wirksam bekämpft hätte, sagte die Medizinerin.

Boris Johnson hatte nach seiner schweren Corona-Erkrankung im Frühjahr das Thema tatsächlich auf die politische Agenda gesetzt und eingestanden, dass die Briten nach den Maltesern die Nation in Europa mit dem höchsten Anteil an Übergewichtigen sei. Bislang blieb es aber bei Ankündigungen.

Mit mehr als 65 000 Todesfällen, bei denen Covid-19 auf dem Totenschein erwähnt ist, gilt Großbritannien als das bislang am schwersten von der Pandemie getroffene Land in Europa.

Iran plant landesweit unbefristete Corona-Lockdowns

Der Iran plant landeweit strenge und unbefristete Lockdowns, um die drastisch steigenden Corona-Fallzahlen zu stoppen. „Diese Lockdowns werden am 21. November in Kraft treten und sind erforderlich, um Menschenleben zu retten“, sagte Präsident Hassan Ruhani am Samstag. Laut Ruhani sollen die landesweiten Lockdowns unbefristet so lange weitergeführt werden, bis die Fall- und besonders die Totenzahlen sinken.

„Das Volk muss die bittere Tatsache akzeptieren, dass dieses Problem uns noch längerfristig begleiten wird und wir solange mit diesem ungewollte Gast leben müssen“, so der Präsident im Staatsfernsehen. Wie genau die Lockdowns aussehen sollen, welche Wirtschaftsbranchen davon betroffen sind und ob es auch zu Ausgangssperren kommt, wird laut Ruhani vom Corona-Krisenstab vor dem 21. November bekanntgegeben.

Aus wirtschaftlichen Erwägungen war Ruhani bis jetzt gegen Lockdowns. Die dramatisch steigenden Fallzahlen in den letzten Wochen ließen ihm jedoch keine andere Wahl. Fast im Minutentakt sterben Corona-Patienten, im Sekundentakt werden Neuinfektionen registriert. Aktuell liegt die Gesamtzahl der Corona-Toten im Iran über 40 000, die der Infizierten bei fast 740 000.

Die Fallzahlen dürften jedoch mehr als doppelt so hoch sein wie angegeben, weil es im Iran laut Gesundheitsexperten noch zu wenige Testmöglichkeiten gibt. Das Gesundheitsministerium hat die Corona-Tests von 25 000 auf 40 000 am Tag erhöht, plant jedoch umgehend auf 100 000 Tests zu kommen. Experten sind der Auffassung, dass für eine Bevölkerung von mehr als 82 Millionen Menschen mindestens 200 000 Tests am Tag erforderlich seien, um an die wahren Fallzahlen zu kommen.