Corona-Impfung

Wien: AstraZeneca-Vakzin auch für Über-65-Jährige

Die Stadt Wien hat am Mittwoch den weiteren Fahrplan für die Corona-Impfung bekannt gegeben. Die Impfleistung werde im März einen Höchststand erreichen, berichteten Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) und Michael Binder, der ärztliche Direktor des Wiener Gesundheitsverbundes. Und Wien wagt einen Vorstoß: Auch Über-65-Jährige werden mit AstraZeneca geimpft.

red/Agenturen

Deutlich mehr Wienerinnen und Wiener als bisher können bis Ende März gegen das Coronavirus geimpft werden weil es mehr Impfstoff – insbesondere von AstraZeneca – gibt. „Ende März werden wir insgesamt 280.000 Erstimpfungen durchgeführt haben und werden insgesamt mehr als 109.000 Zweitimpfungen durchgeführt haben.“ Vorausgesetzt, die vom Bund angekündigten Liefermengen halten.

AstraZeneca-Vakzin auch für Über-65-Jährige

In der Bundeshauptstadt wird - als erstes Bundesland Österreichs –  „ab sofort“ der AstraZeneca-Impfstoff auch bei Personen eingesetzt, die älter als 65 Jahre alt sind. Das wurde am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz mitgeteilt. „Es geht derzeit um die Schnelligkeit und wir wissen von diesem AstraZeneca-Impfstoff, dass er auch bei älteren Personen gute Wirkung zeigt“, argumentierte Michael Binder, der ärztliche Direktor des Wiener Gesundheitsverbundes, das Vorgehen.

Zum Einsatz kommen soll das Vakzin zunächst bei Risikopatientinnen und -patienten im Krankenhaus. Binder verwies dabei in der Pressekonferenz auf „bereits im Pre-Print publizierte“ Studien aus Schottland, Großbritannien und Irland, die dem Wirkstoff des schwedischen Herstellers ein positives Urteil ausstellen - nämlich, „dass dieser Impfstoff besonders auch bei älteren Personen gute immunogene Wirkung zeigt und auch in dieser Bevölkerungsgruppe gut verträglich ist“.

Und weiter: „Es besteht grundsätzlich kein Grund, hier den Riegel weiter vorzuhalten und auf die formalen, gedruckten Publikationen zu warten.“ Die Studien würden zeigen, dass AstraZeneca „ein wertvoller Impfstoff“ sei und besonders bei der älteren Bevölkerung eine „adäquate Wirkung“ festgestellt worden sei.

Die erst am Montag bekräftigte Empfehlung des Nationalen Impfgremiums, das AstraZeneca-Vakzin vorerst weiter nur für unter 65-Jährige zu verwenden, weil es noch nicht hinreichende Daten aus klinischen Studien zur Wirksamkeit bei Senioren gebe, will Binder mit dem Schritt der Stadt nicht overruled wissen. „Das Gremium hat an sich sehr weise entschieden“, befand Binder. Aber wenn eine breite Ausrollung der Impfstoffe notwendig sei, und das sei derzeit der Fall, dann sei dieser Impfstoff natürlich zu empfehlen. Überdies sei AstraZeneca in Europa uneingeschränkt zugelassen, argumentierte er.

„Und beide Faktoren zusammen erlauben unter dem Aspekt der logistischen Einschränkung – natürlich werden wir versuchen Biontech/Pfizer oder Moderna prioritär einzusetzen, aber dort wo es notwendig ist, wenn es uns gelingt mehr Menschen damit zu erreichen, werden wir diesen Impfstoff anbieten“, so Binder.

Ärztekammer begrüßt Entscheidung der Stadt Wien 

Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres begrüßt die heutige Ankündigung vom Direktor des Wiener Gesundheitsverbundes Michael Binder, den CoV-Impfstoff des Herstellers AstraZeneca bei Bedarf auch an Risikopatientinnen und -patienten, die älter als 65 Jahre alt sind, in Wiener Spitälern zu verimpfen. Szekeres: „Um eine möglichst rasche Durchimpfung der österreichischen Bevölkerung zu erreichen, müssen wir in Zeiten von genereller Impfstoffknappheit auf alle zur Verfügung stehenden und von der EU zugelassenen CoV-Impfstoffe zurückgreifen.“ 

Alle zugelassenen Impfstoffe haben eine wissenschaftlich belegte hohe Wirksamkeit und „schützen vor schweren Krankheitsverläufen sowie vor Hospitalisierungen“, so Szekeres, „denn genau darum geht es jetzt im Kampf gegen die Pandemie: die Spitalskapazitäten so weit wie möglich zu entlasten und einen reibungslosen Ablauf unseres Gesundheitssystems zu gewährleisten.“ 

Weitere Berufgruppen im März an der Reihe

Laut Wiener Impfplan werden nun also weitere Berufs- und Personengruppen in diesem Monat den Erststich bekommen können. Laut aktuellem Planungsstand zählen dazu neben dem Personal von Schulen, Horten und Kindergärten – wo am Mittwoch mit dem Impfen begonnen wurde, die Feuerwehr, die Polizei, Personen der Risikogruppe, Personal in hochexponierten Bereichen von Unternehmen (beispielsweise im Handel oder in technischen Betrieben), Sozialeinrichtungen, Apotheken, nicht-medizinische Gesundheitsberufe, Risikopatientinnen und -patienten in Krankenhäusern, Kontaktpersonen von Schwangeren oder Menschen über 75 Jahre.

Hacker kündigte heute außerdem an, dass für jene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hochschulen, die sich aufgrund eines Missverständnisses im Zuge der aktuellen Corona-Impfaktion für Lehrer, Hort- und Kindergartenpädagogen angemeldet haben, nun doch geimpft werden. Betroffen sind davon rund 4.000 Personen. Diese können ihren Termin doch wahrnehmen.

Weiters sind jene Vorbereitungsarbeiten im Gang, so dass nach Ostern auch die ersten Impfungen starten können, die im niedergelassenen Bereich durchgeführt werden. Dabei wird es für die Ärzte zwei Möglichkeiten geben, ihre Patientinnen und Patienten zu versorgen. Neben der eigenen Ordination können auch Zeitfenster in Schnupfenboxen, die zu Impfboxen umgewandelt werden, reserviert werden, wo dann geimpft wird.

Effekt in Alten-und Pflegewohnheimen „besser als vermutet“

Gute Nachrichten gab es heute auch zur Impfwirkung in den Alten-und Pflegewohnheimen. Hier steht die Vollimmunisierung vor dem Abschluss. Im Laufe der dritten März-Woche sollen auch alle Zweitstiche gesetzt sein. Insgesamt sind die Fallzahlen in den Senioreneinrichtungen um 87 Prozent gesunken. „Den Effekt den wir sehen, ist in Wirklichkeit großartig, genau genommen besser als wir es vermutet haben“, so Hacker.

Wie es dann im April weitergeht ist noch nicht fix, aber es wird deutlich mehr Impfstoff von Pfizer/Biontech und Moderna geben, hieß es heute. Hacker pochte heute einmal mehr: „Wir brauchen Impfstoff, der international besorgt werden muss – nach meinem Geschmack in wesentlich größerer Menge als das im Moment der Fall ist.“

Einmal mehr übte Hacker Kritik an der Aufforderung von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), die Bundesländer mögen mehr Tempo beim Impfen machen. „Braucht kein Mensch, hilft uns keinen Meter weiter. Das einzige, was mich interessiert, wie viel mehr Impfstoff liefert der Bund.“ Im Zuge dessen würde er auch die von Kurz ins Spiel gebrachte Beschaffung des russischen Impfstoffes Sputnik V begrüßen. „Dabei gilt das Gleiche wie für alle andere Impfstoffe: Er muss durch die Zulassungsbehörde und qualitätsgeprüft sein. Was man von Sputnik hört, ist, dass er auch ein hervorragender Impfstoff ist. Also: Flott! Hoppa di Hü!“

Der Idee der Bundesregierung, eine Impfstoffproduktion in Österreich auf die Beine zu stellen, kann er in der aktuellen Situation wenig abgewinnen, da die Errichtung einer Produktionsstätte „auf der grünen Wiese“ Jahre in Anspruch nehmen könnte. Wohl aber mache es Sinn, zu schauen, regional, damit ist Österreich und Umgebung gemeint, unabhängiger werden „von einigen wenigen internationalen Produktionsstandorten“.

 

 

PK 12. Jänner 2021, Präsentation Impfplan
Gute Nachrichten verkündete Gesundheitsstadtrat Peter Hacker zur Impfwirkung in den Alten-und Pflegewohnheimen: „Den Effekt den wir sehen, ist in Wirklichkeit großartig, genau genommen besser als wir es vermutet haben."
PID/Christian Jobst