Russland kritisiert Vertreterin von AGES und EMA

Russland hat eine Aussage der AGES-Abteilungsleiterin Christa Wirthumer-Hoche zum Impfstoff Sputnik V zum Anlass genommen, um die Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zu attackieren. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow kritisierte die Äußerungen Wirthumer-Hoches, die als Vertreterin Österreichs Vorsitzende des EMA-Verwaltungsrats ist, am Dienstag als „beleidigend". Wirthumer-Hoche bedauerte, „dass die Aussage widersprüchlich verstanden wurde".

red/Agenturen

Die AGES-Abteilungsleiterin hatte am Sonntag in der ORF-Sendung „Im Zentrum“ vor Notfallzulassungen gewarnt und diese mit einem „russischen Roulette“ verglichen. Moskau reagierte am Dienstag verärgert. „Diese beleidigende Erklärung ist unserer Sicht zumindest inkorrekt", erklärte der Sprecher des russischen Präsidenten. Die Nachfrage und der Impfprozess zeigten den Bedarf und die Popularität dieses Präparats, sagte Peskow.

Auch der Vermarkter des russischen Impfstoffes attackierte Wirthumer-Hoches. „Wir fordern von Christa Wirthumer-Hoche von der EMA eine öffentliche Entschuldigung für ihre negativen Kommentare zur Direktzulassung von Sputnik-V durch einzelne EU-Staaten", forderten die Verantwortlichen des Russischen Fonds für Direktinvestitionen (RFPI) in der Nacht auf Dienstag auf Twitter. Wirthumer-Hoches Kommentare würden zu ernsten Fragen in Bezug auf eine mögliche politische Einmischung in das laufende EMA-Prüfverfahren führen, hieß es.

Reaktion von AGES und Kritik von slowakischem Regierungschef

Die Kommentare seien unangemessen und würden die Glaubwürdigkeit der EMA und ihres Prüfverfahren untergraben, kritisierten die Russen. „Solche Statements hat die EMA in Bezug auf keinen anderen Impfstoff zugelassen", polterten die Vermarkter.

Auch der slowakische Regierungschef Igor Matovic attackierte Wirthumer-Hoche. „Wir würden uns alle wünschen, dass Sie bei der EMA in den nächsten Monaten Ihre Arbeitszeiten auf 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche ändern - damit Sie nicht drei Monate, sondern drei Wochen brauchen, um neue Impfstoffe zu genehmigen. Es geht um Menschenleben, und nicht nur um eines", so der populistisch-konservativen Regierungschef auf Facebook.

Die AGES erklärte am Dienstag auf APA-Anfrage: „Christa Wirthumer-Hoche bedauert, dass die Aussage widersprüchlich verstanden wurde". Ihre Aussage im Zusammenhang mit der Redewendung „russisches Roulette“ habe sich darauf bezogen, dass es fahrlässig wäre, einen Impfstoff breitflächig anzuwenden, ohne die Daten zu Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit ausreichend zu kennen. Wirthumer-Hoche habe sich jedoch nicht auf die Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit des Impfstoffes „Sputnik V“ bezogen.

 
© medinlive | 12.05.2021 | Link: https://medinlive.at/index.php/gesundheitspolitik/russische-forscher-fordern-entschuldigung-von-ema