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Bisher unvorstellbare Pharma-Kooperation bei Covid-19

Noch nie hat die Pharmaforschung weltweit so schnell auf eine aktuelle Herausforderung reagiert wie auf die SARS-CoV-2-Pandemie. Noch nie war die Zusammenarbeit der größten Konzerne auf diesem Gebiet so stark wie jetzt. Dies erklärten am Donnerstagnachmittag die Vorstandsvorsitzenden von globalen Unternehmen wie Eli Lilly, Roche, MSD, Gilead und Pfizer in einem Online-Pressegespräch.

red/Agenturen

„Vakzine bieten die Hoffnung auf ein Ende der Pandemie. Wir werden aber auch Therapien brauchen: antivirale Medikamente, Antikörper und antientzündliche Medikamente. Wir werden verschiedene Therapien für unterschiedliche Stadien der Covid-19-Erkrankung benötigen. Es wird keine 'Magic Bullet' geben“, sagte Thomas Cueni, Generaldirektor des internationalen Pharmaverbandes IFPMA.

Vakzine, Antikörper zur „passiven“ Impfung bereits Infizierter oder zur Prophylaxe bei Risikopersonen sowie antivirale Medikamente sind Strategien, die derzeit weltweit von der Pharmaforschung verfolgt werden. „Die Geschwindigkeit, mit der wir derzeit handeln, ist beispiellos. Wir haben bereits etablierte Therapien. Es gibt rund 300 mögliche weitere. Ich habe in 25 Jahren Arbeit in der Pharmaindustrie noch nie so viel Zusammenarbeit gesehen wie derzeit“, sagte David Ricks, CEO des US-Pharmakonzerns Eli Lilly.

Jahrelange Arbeiten vor Ausbruch der Covid-19-Pandemie haben dem US-Konzern Gilead genützt. „Remdesivir ist das Ergebnis von Jahrzehnten an Forschungsarbeiten. Wir hatten Daten, wonach das Medikament bei MERS und SARS wirkt und seine Vermehrung blockiert. Damit konnten wir so schnell handeln“, sagte Daniel O'Day, CEO des Unternehmen. Derzeit belegten drei große klinische Studien nach allen Kriterien, dass das Medikament einen positiven Effekt auf die Schwere der Erkrankung und mittlerweile auch auf die Mortalität von Patienten habe. „Derzeit laufen 36 weitere Studien mit Kombinationen mit anderen Arzneimitteln und bei verschiedensten Patienten. Wir entwickeln eine Remdesivir-Formulierung auch zum Inhalieren“, erklärte O'Day.

Roche arbeitet beispielsweise mit dem Biotech-Unternehmen Regeneron an einer Behandlung von SARS-CoV-Infizierten mit einer Kombination von zwei monoklonalen Antikörpern. Das könnte eine Art „passive“ Impfung darstellen. Roche-CEO-Severin Schwan: „Wir kooperieren auch mit anderen Unternehmen, um eventuell die Produktionskapazitäten rasch auszuweiten.“ Auch er bezeichnete die Zusammenarbeit „sonst harter Konkurrenten“ auf dem Pharmamarkt als noch die so da gewesen.
 

„Wir werden verschiedene Therapien für unterschiedliche Stadien der Covid-19-Erkrankung benötigen.“ Thomas Cueni, Generaldirektor des internationalen Pharmaverbandes IFPMA
 
© medinlive | 23.11.2020 | Link: https://medinlive.at/index.php/wissenschaft/bisher-unvorstellbare-pharma-kooperation-bei-covid-19