Wissenschafter züchten Mini-Tumore von Prostatakrebs-Patienten

Ein Schweizer Forschungsteam unter Leitung der Universität und des Inselspital Bern hat dreidimensionale Zellhaufen aus Prostata-Tumoren gezüchtet. An diesen lassen sich Wirkstoffe gezielt testen, was den Weg zur Präzisionsmedizin ebne, hoffen die Forschenden. In im Labor gezüchteten Mini-Tumoren aus Patientengewebe ruhen die Hoffnungen, Krebsmedikamente im Voraus zu testen und auszusortieren.

red/Agenturen

Wissenschafter weltweit tüfteln deshalb daran, sogenannte Organoide etwa von Nieren-, Darm- oder Magentumoren zu erschaffen. Dem Team um Marianna Kruithof-de Julio vom Department for BioMedical Research (DBMR) der Universität und des Inselspitals Bern ist dies nun mit Prostata-Tumoren gelungen: Sie lösten Krebszellen aus Biopsien und ließen sie im Labor zu dreidimensionalen Mini-Krebsgeschwüren zusammenwachsen. Diese wuchernden Gebilde wiesen große Ähnlichkeiten mit ihrem jeweiligen „Mutter-Karzinom“ auf. Von ihren Ergebnissen berichten die Forschenden im Fachblatt „Nature Communications“.

So gelang es dem Team, anhand von Organoiden von fünf Prostatakrebs-Patienten ein besonders wirksames Medikament aus einer zuvor zusammengestellten Bibliothek von 13 Substanzen zu identifizieren: Ponatibib. Dieser Wirkstoff ist bisher nur für die Behandlung von Leukämien zugelassen, wie es in einer Mitteilung der Universität und des Inselspital Bern vom Montag hieß. Zwei der Krebspatienten befanden sich in einem frühen Krebsstadium, drei hatten bereits einen fortgeschrittenen metastasierenden Tumor.

Für das Züchten der Organoide und die Medikamententests genügen laut Kruithof-de Julio zwei Wochen. Damit könnten einst personalisierte Therapien möglich werden, die auf den jeweiligen Tumor zugeschnitten sind, wie der Berner Urologe George Thalmann hofft.