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Coronakrise

Ärztepräsident: Niedergelassene Ärzte sollen über Impfreihenfolge entscheiden

Niedergelassene Ärzte sollen laut deutschem Ärztepräsident Klaus Reinhardt künftig selbst über die Impfreihenfolge ihrer Patienten entscheiden dürfen. „Sobald wir ausreichend Impfstoff für alle haben, sollten Haus- und Fachärzte auch selbst über die Impfreihenfolge entscheiden dürfen“, sagte Reinhardt der Düsseldorfer „Rheinischen Post“: „Sie wissen am besten, welche ihrer Patienten besonders gefährdet sind.“

red/Agenturen

„Zu viele Vorgaben und Prüfverfahren halten uns nur unnötig auf. Das sollten wir unbedingt vermeiden“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer. „Die Impfkampagne in Deutschland wird deutlich Fahrt aufnehmen, wenn ab April Haus- und Facharztpraxen in die Corona-Impfungen einbezogen werden.“

Die Praxen versorgten die Bevölkerung bereits jedes Jahr „millionenfach und in kürzester Zeit“ mit Impfungen gegen die saisonale Grippe. „Die Strukturen und das Know-how sind also vorhanden, um schnell und in hoher Frequenz mit dem Impfen zu beginnen. Die Praxen sind startklar, jetzt müssen Bund und Länder sicherstellen, dass ausreichend Impfstoff und Verbrauchsmaterialien zur Verfügung stehen“, sagte Reinhardt. Er begrüßte zudem, dass der Verwaltungsaufwand gering gehalten werden solle, damit die zusätzlichen Aufgaben „problemlos in die Praxisabläufe integriert werden können“.

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, hält es außerdem für möglich, dass in Deutschland ab April 20 Millionen Menschen monatlich gegen das Coronavirus geimpft werden können. Eine Erstimpfung für die erwachsene Bevölkerung könne schon in der ersten Juni-Hälfte, die weitgehende Immunisierung Anfang August abgeschlossen sein, sagte Gassen der „Welt“ (Mittwoch). Voraussetzung dafür sei ein rascher Nachschub an Impfstoffdosen.

Bis Sommer Impfangebot für alle

Ab Anfang April sollen die niedergelassenen Ärzte in Deutschland flächendeckend mit Corona-Impfungen beginnen. Darauf hatten sich die Fachminister von Bund und Ländern am Montag in der Gesundheitsministerkonferenz geeinigt. Gassen kritisierte, dass in den Überlegungen von Kanzlerin und weiten Teilen der Regierung überwiegend der öffentliche Gesundheitsdienst und die Impfzentren eine tragende Rolle spielten, nicht aber die Praxen. Mit fünf Millionen verimpften Dosen pro Woche in den Praxen und etwa 1,5 Millionen Impfungen in den Zentren sei „ein deutlich früherer Termin als der 21. September“ erreichbar. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte davon gesprochen, allen erwachsenen Bürger bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot machen zu wollen.

Gassen beklagte, die „deutsche Neigung, den Bürokratie-Oscar gewinnen zu wollen“, bremse die Impfkampagne. „Wir sollten nicht alles bis ins Kleinste regeln wollen“, sagte er. Um schnell so viele Bürger wie möglich zu impfen, müsse außerdem die strenge Priorisierung der Ständigen Impfkommission (Stiko) schrittweise zurückgezogen werden.