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Corona-Impfstoff

Zweifel in der EU an schneller Lieferung des Corona-Vakzins von Johnson & Johnson

Angesichts der EU-weiten Zulassung des Corona-Impfstoffs von Johnson & Johnson werden Zweifel laut, ob der US-Hersteller die gewünschten Mengen an die Europäische Union schnell liefern wird. Das Unternehmen habe bisher nicht bestätigt, dass es unmittelbar nach der Zulassung seines Mittels in der EU auch liefern werde, erklärte der Gesundheitsexperte der Europa-CDU, Peter Liese, am Mittwoch.

red/Agenturen

„Es gibt sogar Zweifel, dass die zugesagte Liefermenge von 55 Millionen Dosen bis Ende Juni eingehalten werden kann“, sagte Liese.

Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) will am Donnerstag über eine Zulassung des Impfstoffs des US-Konzerns entscheiden. Es wäre das vierte Corona-Vakzin, das in der EU verabreicht werden kann. Die EU-Kommission hatte 200 Millionen Dosen des Mittels vorbestellt, 55 davon sollen noch im zweiten Quartal dieses Jahres geliefert werden. Nach AFP-Informationen wird in der EU aber mit ersten Lieferungen frühestens ab Mitte April gerechnet.

Angesprochen auf mögliche Lieferverzögerungen von Johnson & Johnson räumte EU-Industriekommissar Thierry Breton am Dienstag allgemein Schwierigkeiten beim Hochfahren der Produktion der verschiedenen Hersteller ein. Speziell zu dem US-Unternehmen wollte er sich aber nicht äußern. „Offiziell werde ich nach dem grünen Licht der EMA in Kontakt mit Johnson & Johnson treten.“

Beschleunigung der Immunisierung durch Vakzin möglich

Anders als bei den bereits zugelassenen Mitteln von Biontech, Moderna und Astrazeneca reicht eine einzige Dosis Johnson & Johnson für einen umfassenden Schutz aus. Dadurch könnte die Immunisierung der Bevölkerung deutlich beschleunigt werden. Außerdem ist das Vakzin bei normalen Kühlschranktemperaturen lagerbar. Die EU setzt dementsprechend große Hoffnungen auf den Impfstoff.

Die EU-Kommission steht wegen der schleppenden Impfkampagne unter wachsendem Druck. Verantwortlich für die Probleme macht Brüssel unter anderem den britisch-schwedischen Hersteller Astrazeneca, der zugesagte Liefermengen nicht eingehalten, Drittländer wie Großbritannien aber in vollem Umfang weiter beliefert habe. Auch im Fall von Johnson & Johnson gab es bislang keine Berichte über Produktionsengpässe bei Lieferungen für den amerikanischen Heimatmarkt.

Biden will 100 Millionen zusätzliche Corona-Impfdosen von Johnson & Johnson

Die USA wollen indes 100 Millionen zusätzliche Impfdosen des Corona-Vakzins des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson bestellen. Eine entsprechende Ankündigung wollte Präsident Joe Biden nach Angaben eines Regierungsvertreters am Mittwoch bei einem Treffen mit den Chefs von Johnson & Johnson und des US-Pharmakonzerns Merck & Co. machen. Die beiden Unternehmen arbeiten bei der Produktion des von Johnson & Johnson entwickelten Impfstoffs inzwischen zusammen.

Biden hat angekündigt, dass bis Ende Mai ausreichend Impfstoff vorhanden sein wird, um die gesamte US-Bevölkerung zu impfen. Mit der zusätzlichen Bestellung soll für den Fall vorgesorgt werden, dass es Engpässe bei der Produktion der beiden anderen in den USA zugelassenen Impfstoffe gibt, jenem von Biontech-Pfizer und jenem von Moderna.

Von diesen beiden Impfstoffen, bei denen jeweils zwei Spritzen nötig sind, haben die USA jeweils 300 Millionen Dosen bestellt. Vom Impfstoff von Johnson & Johnson, bei dem eine Impfdosis ausreicht, hatten die USA bislang 100 Millionen Dosen bestellt. Das soll nun verdoppelt werden.

Durchschnittlich 2,2 Millionen Impfungen pro Tag

In den USA hat die zunächst schleppend angelaufene Impfkampagne rasant an Fahrt gewonnen. In dem Land haben schon mehr als 61 Millionen Menschen mindestens eine Impfdosis erhalten. Das entspricht rund 24 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. In der vergangenen Woche wurden durchschnittlich 2,2 Millionen Menschen pro Tag geimpft, am Samstag waren es sogar 2,9 Millionen.

Als erster Bundesstaat gab Alaska am Dienstag die Impfungen für alle Bewohner ab 16 Jahren frei. Die bisherige Priorisierung von älteren Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen wurde aufgehoben. Gouverneur Mike Dunleavy sprach von einem „historischen Schritt“ und würdigte Erfolge des dünn besiedelten Bundesstaates bei der Impfkampagne.

In den USA sind schon mehr als 527.000 Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben, die mit Abstand höchste Zahl weltweit. Angesichts der Erfolge bei der Impfkampagne und sinkender Infektionszahlen lockern zahlreiche Bundesstaaten inzwischen die Corona-Beschränkungen oder schaffen sie gänzlich ab. So endete am Mittwoch im Bundesstaat Texas die geltende Maskenpflicht. Restaurants, Bars und alle anderen Betriebe dürfen zudem wieder mit voller Auslastung arbeiten.

Experten warnen, dies könnte zu einem neuen Emporschnellen der Infektionszahlen führen. Die Gesundheitsbehörde CDC appellierte an alle Menschen, weiterhin in der Öffentlichkeit Masken zu tragen und Abstand zu anderen einzuhalten. Biden kritisierte mit Blick auf Texas und andere Bundesstaaten ein „Neandertaler-Denken“.