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Corona-Impfstoff

Moskaus umstrittene Impfdiplomatie

Ein „guter Impfstoff“ oder ein Mittel der „Propaganda“ - an dem russischen Impfstoff Sputnik V scheiden sich die Geister. Nach Ansicht von Experten nutzen Länder wie Russland Corona-Vakzine gezielt im Ringen um internationalen Einfluss. Ein Überblick.

red/Agenturen

Wie bewirbt Russland seinen Impfstoff?

Präsident Wladimir Putin nannte Sputnik V „den besten Impfstoff der Welt“. Das Vakzin ist nach dem sowjetischen Satellitenprogramm benannt. 1957 hatte Moskau den ersten künstlichen Erdtrabanten Sputnik I gestartet und den Westen in einen „Sputnikschock“ versetzt.

Wie bewerten Gesundheitsexperten Sputnik V?

Lob gibt es vom Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko) am deutschen Robert Koch-Institut, Thomas Mertens: „Das ist ein guter Impfstoff, der vermutlich auch irgendwann in der EU zugelassen wird“, sagte er der „Rheinischen Post“ vom Mittwoch. Nach einer Studie, die Anfang Februar in der britischen Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurde, schützt das Vakzin zu mehr als 90 Prozent vor einer symptomatischen Covid-19-Erkrankung. Damit hätte Sputnik V eine ähnlich hohe Wirksamkeit wie die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna.

Was fürchten Kritiker?

EU-Ratspräsident Charles Michel wirft Russland und auch China vor, ihre Corona-Impfstoffe „für Propagandazwecke“ einzusetzen. Der Politikwissenschaftler Bertrand Badie von der Pariser Eliteuni Sciences Po sagt, Moskau wolle damit international „Macht zurückgewinnen“. Der New Yorker Think Tank The Soufan Center vergleicht das Vorgehen Russlands und Chinas sogar mit einem „neuen Rüstungswettlauf“.

Wird Sputnik V in der EU zugelassen?

Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) prüft das russische Vakzin seit vergangenem Donnerstag. Erst wenn die EMA erste Ergebnisse wissenschaftlicher und klinischer Tests ausgewertet hat, kann das eigentliche Zulassungsverfahren beginnen. Dies dürfte einige Wochen bis Monate in Anspruch nehmen.

Worauf beruht die Skepsis gegenüber dem Impfstoff?

Russland hatte Sputnik V bereits im August zugelassen, noch vor dem Abschluss aller wissenschaftlichen Studien. Dies stieß international auf scharfe Kritik. Seit Dezember läuft die Impfkampagne in Russland.

Wo wird der Impfstoff inzwischen eingesetzt?

Nach russischen Angaben wird Sputnik V weltweit in mehr als 15 Ländern eingesetzt, unter anderem im Iran, in Weißrussland (Belarus), Venezuela und Argentinien. So ließ sich etwa der venezolanische Staatschef Nicolás Maduro medienwirksam damit impfen.

Wie sieht es in der EU aus?

Ungarn, die Slowakei und Tschechien nutzen den russischen Impfstoff ebenfalls oder wollen ihn nutzen. Dies geschieht gegen die ausdrückliche Empfehlung der EU-Kommission, die EMA-Zulassung abzuwarten. Auch Frankreich kritisierte das Vorgehen, weil es die europäische Impfsolidarität unterlaufe. Die osteuropäischen Länder kritisieren ihrerseits die schleppende Impfstoffbeschaffung der EU. Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat sich gegen „geopolitische Tabus“ in Sachen Impfstoffe ausgesprochen und sogar eine Produktion des russischen Vakzins Sputnik V in Österreich ins Spiel gebracht.

Moskau Russland
Euphorie in Moskau: Präsident Wladimir Putin nannte das nach dem sowjetischen Satellitenprogramm benannte „Sputnik V“-Vakzin „den besten Impfstoff der Welt“.
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