Corona-Impfstoff

Italien warnt vor Mafia-Interessen bei Impfstoff-Verteilung

Italiens Innenministerin Luciana Lamorgese hat am Mittwoch vor der Gefahr gewarnt, dass die organisierte Kriminalität in das Verteilungssystem der Impfstoffe zu spekulativen Zwecken eindringe. Das wäre unannehmbar, sagte sie. „Wir werden streng kontrollieren, dass dies nicht geschieht“, kündigte Lamorgese an. Zuletzt hatte der Carabinieri-General Teo Luzi vor Webseiten gewarnt, die Impfdosen gegen das Coronavirus anbieten.

red/Agenturen

Inzwischen bekommt Italien zusätzliche 532.000 Dosen Impfstoff bis Ende März. Dabei handelt es sich um Vakzine der Pharmakonzerne Pfizer-BioNTech, teilte die Regierung am Mittwoch mit. Damit will Italien seine Impfkampagne beschleunigen, die bis Sommer zur Immunisierung der Hälfte der Bevölkerung führen sollte.

Die Staatsanwaltschaft der sizilianischen Stadt Syrakus hat indes eine Untersuchung um den Tod eines 43-jährigen Militärs eingeleitet. Dieser ist in der Nacht auf Dienstag gestorben, nachdem er mit dem AstraZeneca-Vakzin geimpft wurde. Eine Obduktion soll die Todesursachen klären. Der Militär, der laut seiner Familie gesund war, starb 15 Stunden nach der Impfung.

Im Pandemiejahr 2020 sank die Lebenserwartungen der Italiener auf 82,3 Jahre. 2019 lag sie noch bei 83,2 Jahren. Die Coronavirus-Pandemie wirkt sich besonders negativ auf die Lombardei aus, in der die meisten Corona-Todesopfer gemeldet wurden. In Provinzen wie Cremona, Lodi und Bergamo reduzierte sich die Lebenserwartung um durchschnittlich fünf Jahre auf ein Niveau wie im Jahr 2005, ging aus Angaben des Statistikamts ISTAT hervor.

Fast 750.000 Tote im Jahr 2020

Italien hat im Pandemie-Jahr 2020 nach offiziellen Angaben des Statistikamts ISTAT die höchste Totenzahl seit dem Zweiten Weltkrieg verzeichnet. Insgesamt habe es im Vorjahr 746.146 Sterbefälle gegeben - und damit über 15 Prozent mehr als im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019, teilte das ISTAT -Institut mit. Am Montag wurde in Italien die Schwelle von 100.000 Todesopfern seit Ausbruch der Epidemie im Februar 2020 gemeldet.

Wegen der zunehmenden Zahl von Infektionen prüft die italienische Regierung eine Verschärfung der Anti-Corona-Vorlagen. Nicht ausgeschlossen wird, dass ganz Italien an Wochenenden zur roten Zone mit Ausgangsverbot erklärt werde. Laut den Behörden habe die dritte Infektionswelle in Italien bereits begonnen.

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