Coronavirus

Robert-Koch-Institut sieht in Deutschland bereits dritte Corona-Welle

Nach Einschätzung von RKI-Chef Lothar Wieler hat in Deutschland die dritte Corona-Infektionswelle begonnen. Wenn die Impfkampagne allerdings gut verlaufe, könne das Virus in diesem Herbst unter Kontrolle gebracht werden, sagte der Chef des Robert-Koch-Instituts am Donnerstag vor Journalisten in Genf. Für Unmut sorgte das Vorhaben der Gesundheitsminister von Bund und Ländern, erst ab Mitte April mit den Impfungen in den Arztpraxen zu beginnen.

red/Agenturen

Es gebe klare Anzeichen dafür, dass „die dritte Welle schon begonnen hat“, sagte Wieler vor der Genfer UN-Journalistenvereinigung (ACANU). Laufe die Impfkampagne „nicht komplett aus dem Ruder“, werde Deutschland das Geschehen bis Herbst aber unter Kontrolle haben. „Davon bin ich absolut überzeugt.“ Zum schleppenden Impfstart sagte er: „Wir müssen so viel wie möglich impfen, so schnell wie möglich, strategisch.“ In Deutschland seien bereits die Auswirkungen der Impfung bei den über 80-Jährigen zu erkennen. „Die Inzidenz ist rückläufig, aber im Grunde genommen in allen anderen Altersgruppen steigt die Inzidenz wieder an.“

Dem RKI wurden innerhalb eines Tages mehr als 14.356 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Die so genannte Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf 69,1. Am Vortag hatte dieser Wert 65,4 betragen. Ferner wurden 321 Todesfälle im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion binnen 24 Stunden registriert.

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, hat die schnelle Beteiligung niedergelassener Ärzte bei den Corona-Impfungen gefordert. „Es ist ein ethisches Gebot, jetzt Meter zu machen beim Impfen“, sagte Buyx in der Sendung „Frühstart“ von RTL und n-tv. „Ich bin ein ganz großer Befürworter, dass man das in die niedergelassenen Praxen bringt - so schnell wie möglich.“ Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten am Mittwoch beschlossen, die Corona-Impfungen in den Hausarztpraxen routinemäßig wohl erst Mitte April zu starten. Hintergrund sind die begrenzten Liefermengen, die für April erwartet werden. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, rechnet mit einem noch späteren Impfstart in den Praxen. Auf die Impfressourcen könne „wohl erst im Mai in Arztpraxen zurückgegriffen werden“, sagte er im ZDF-„Morgenmagazin“. Es fehle an Impfstoff. Der Virchowbund plädierte dafür, neben den Hausärzten auch Fachärzte wie Gynäkologen oder HNO-Ärzte zu beteiligen. „Die jährliche Grippeimpfung beweist, dass wir niedergelassenen Ärzte in der Lage sind, innerhalb weniger Wochen mehr als 20 Millionen Menschen zu impfen“, sagte Verbandschef Dirk Heinrich.

Die am Donnerstag verkündete Neufassung der Impfverordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erlaubt mehr Flexibilität bei der Reihenfolge der Impfungen. Für Astrazeneca entfällt die bisherige Altersbegrenzung auf Menschen bis 64. Das Intervall zwischen der ersten und der weiten Impfung beträgt jetzt bei Moderna und Biontech/Pfizer regelhaft sechs Wochen, bei AstraZeneca zwölf Wochen - das ist deutlich länger als bisher. Bereits vereinbarte Termine zur Zweitimpfung gelten aber weiter.

Bundesländer mit Hotspots an den deutschen Außengrenzen können jetzt die gesamte Bevölkerung dort impfen, um einen Eintrag des Virus ins Landesinnere zu reduzieren, heißt es in der neuen Verordnung. Die Länder können dafür Impfstoff aus ihren Kontingenten prioritär einsetzen.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) forderte schnellstmögliche Corona-Impfungen für die gesamte Bevölkerung an der Grenze zu dem von der Pandemie besonders betroffenen Tschechien. „Wir werden dort nicht erfolgreich sein mit den bisherigen Regeln“, sagte Kretschmer am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“.