Coronavirus

Dritte Welle und hohe Durchimpfungsrate in Ungarn

In Ungarn können bis Ostern alle Bürger über 60 Jahren gegen das Coronavirus geimpft werden. Das gab der ungarische Kanzleiminister Gergely Gulyas heute (Donnerstag) auf einer Pressekonferenz in Budapest bekannt. Das Nachbarland mit zehn Millionen Einwohnern befindet sich bereits in einer dritten Welle und verzeichnet einen Rekordanstieg bei Neuinfizierten und Todesopfern. Der derzeitige verschärfte Lockdown wurde am Montag verhängt und dauert bis 22. März.

red/Agenturen

Laut Minister hätten 1,150 Millionen Bürger, 11,3 Prozent der Bevölkerung, wenigstens die erste Impfung erhalten. Diese Durchimpfungsrate läge im EU-Durchschnitt unter sieben Prozent. Hinsichtlich der Impfbereitschaft der Ungarn hätten sich 3,2 Millionen Bürger für eine Immunisierung registriert, was weniger als 50 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Laut Minister trafen am Donnerstag 450.000 Dosen des chinesischen Impfstoffs Sinopharm in Ungarn ein, womit sich die gelieferte Gesamtmenge auf eine Million erhöhte. Ungarn hat insgesamt fünf Millionen Dosen der in der EU nicht zugelassenen Vakzine bestellt.

Laut Gulyas werde die Regierung die Verträge mit Russland und China über die Impfstofflieferungen innerhalb von 24 Stunden bekanntgeben. Dieser Schritt könnte auch das Vertrauen der Bürger stärken. Ungarn ersuche nun die EU darum, dass auch die seitens Brüssel abgeschlossenen Verträge mit Vakzine-Herstellern offengelegt werden können.

Auf die Frage nach den Kosten für Vakzine erklärte der Minister: Der Preis für zwei Impfungen mit dem ebenfalls in der EU noch nicht zugelassenen Impfstoffes Sputnik V betrage 17 Euro, mit Sinopharm 63 Euro. Die EU-Impfstoffe seien billiger. Ungarn hatte zwei Millionen Dosen Sputnik V bestellt.

Die aktuellen Pandemie-Zahlen vom Donnerstag sprechen für einen dramatischen Anstieg bei Neuinfizierten und Todesopfern. Laut Angaben der zuständigen Behörde sind in den vergangenen 24 Stunden 8.312 Neuinfektionen registriert worden. 172 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. In Spitälern befanden sich am Donnerstag 8.329 Patienten, 911 müssen künstlich beatmet werden. Laut dem Minister stünden aktuell noch 13.244 freie Betten für Corona-Kranke und 1.918 freie Beatmungsgeräte zur Verfügung. Die Zahl der im Spital zu behandelten Patienten könnte sich laut Prognosen weit über 10.000 erhöhen, warnte Gulyas. Laut Vertretern des Gesundheitswesens bringt die drittel Corona-Welle die Spitäler an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Auch immer mehr Jugendliche werden eingeliefert.

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