Gerichtssache

Infiziert ordiniert: Salzburger Arzt aus U-Haft entlassen

Das Landesgericht Salzburg hat am Dienstag die am 4. März verhängte Untersuchungshaft über einen Zahnarzt im Salzburger Pongau aufgehoben. Der 48-Jährige - für ihn gilt die Unschuldsvermutung - soll trotz einer Coronainfektion die Quarantäneanordnung der Behörde zweimal ignoriert und die Arbeit in seiner Ordination fortgesetzt haben. Wie Gerichtssprecher Andreas Wiesauer informierte, sei der Haftgrund der Tatbegehungsgefahr nun weggefallen.

red/Agenturen

Zum einen sei die Quarantäne von der zuständigen Bezirkshauptmannschaft per Bescheid mit Ablauf des 15. März aufgehoben worden. Zum anderen habe ein vom Landesgericht Salzburg veranlasster PCR-Test ein negatives Ergebnis erbracht. Da somit keine Ansteckungsgefahr mehr beim Angeklagten vorliegt, wurde er enthaftet.

Die Staatsanwaltschaft Salzburg hat bereits in der vergangenen Woche Strafantrag wegen des Vergehens nach Paragraf 178 StGB („Vorsätzliche Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten“) erhoben. Auch wann sich der Mann vor Gericht verantworten muss, steht bereits fest: Die öffentliche Verhandlung findet am 29. März 2021 am Landesgericht Salzburg statt.

Laut Strafantrag der Staatsanwaltschaft soll der 48-Jährige trotz Kenntnis eines positiven Covid-19-Antigentests und eines mündlichen Absonderungsbescheids der Bezirkshauptmannschaft St. Johann am 2. März in seiner Ordination einen Patienten mindestens eine Stunde lang behandelt haben. Zugleich hätten sich fünf Personen im Nahbereich des Zahnarztes aufgehalten. Auch am Folgetag sei der Mann in seiner Ordination erschienen und habe dabei den vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz nicht korrekt getragen.

Behandlung ohne Mund-Nasen-Schutz

Bereits vor der Infektion mit dem Coronavirus hatten sich mehrere Patienten bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) beschwert, dass der Mann Patienten ohne Mund-Nasen-Schutz behandle - und nur dann, wenn sie ihm zur Begrüßung die Hand geben. Darum steht auch eine Auflösung seines Vertrages mit der ÖGK im Raum.

Der Verteidiger des Mediziners, der Salzburger Rechtsanwalt Kurt Jelinek, sprach nach der Entlassung seines Mandanten aus der U-Haft von „Missverständnissen“. „Das alles wird sich in der Hauptverhandlung aufklären“, sagte er zur APA. Näher darauf eingehen wollte er am Dienstag nicht.