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Coronavirus-Folgen

Wenigste Anzeigen seit über 20 Jahren in Wien

Einen starken Kriminalitätsrückgang im vergangenen Jahr hat die Wiener Polizei vermeldet. Die Zahl der angezeigten Fälle ist im Vergleich zu 2019 von 173.574 auf 152.478 gesunken (minus 12,2 Prozent). Das ist der niedrigste Wert seit mehr als 20 Jahren. Diese Entwicklung sei in hohem Maß auf die Corona-Einschränkungen zurückzuführen. Die Aufklärungsquote wurde von 44 Prozent (2019) auf 44,8 Prozent erhöht. Einen Anstieg gab es u.a. aber auch bei „Gewalt in der Privatsphäre“.

red/Agenturen

In diesem Bereich erhöhten sich die Anzeigen von 5.704 auf 6.409 (plus 12,4 Prozent). Anzeigen wegen Körperverletzung in der Privatsphäre haben von 3.045 auf 3.466 zugenommen (plus 13,8 Prozent). Anzeigen wegen pornografische Darstellung Minderjähriger sind von 344 auf 402 Fälle (plus 16,9 Prozent) ebenfalls gestiegen.

Im Bereich Internetkriminalität gab es - wie schon in den Vorjahren - eine deutliche Zunahme, nämlich von 10.888 auf 13.942 Fälle (plus 28 Prozent). Bei Cybercrime im engeren Sinn wurde ein starker Anstieg von 4.625 auf 7.478 Fälle (plus 61,7 Prozent) verzeichnet. Der Großteil davon sind Fälle des „betrügerischen Datenverarbeitungsmissbrauches“ (Steigerung von 4.056 auf 6.989 bzw. plus 72,3 Prozent). Dabei handelt es sich vor allem um Missbräuche bei bargeldlosen Zahlungen mittels NFC-Funktion.

Einen besonders starken Anstieg gab es Corona-bedingt bei den Delikten „Vorsätzliche Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten“ (von 21 auf 97 Fälle bzw. plus 361,9 Prozent) sowie „fahrlässige Gefährdung von Menschen mit übertragbaren Krankheiten“ (von zwei auf 23 Fälle; plus 1.050 Prozent).

Im zahlenmäßig größten Bereich, dem räuberischen Diebstahl, ging die Anzeigenzahl von 68.456 auf 53.494 zurück (minus 21,9 Prozent; Aufklärungsquote: 19,3 Prozent). Die Zahl der Anzeigen wegen Diebstahls ist von 42.409 Fällen auf 29.898 (minus 29,5 Prozent) gesunken. Ein Minus von 7,9 Prozent wurde bei Anzeigen wegen Einbruchsdiebstahls vermeldet (Rückgang von 24.020 auf 22.121). Bei Einbruchsdiebstahl in Keller gab es allerdings eine Zunahme von 5.392 auf 5.759 Fälle (plus 6,8 Prozent).

Details zu den Rückgängen

- Einbruchsdiebstahl in Wohnungen: Rückgang um 38,7 Prozent

- Einbruchsdiebstahl in Wohnhäuser: Rückgang um 25 Prozent

- Ladendiebstahl: Rückgang um 24,1 Prozent

- Taschen-/Trickdiebstahl: Rückgang um 41,5 Prozent

Gewalt ging ebenso zurück

Im Bereich Gewaltkriminalität insgesamt ist 2020 gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang von 25.053 auf 23.509 Fälle (minus 6,2 Prozent) zu verzeichnen. Die Zahl der vollendeten Tötungsdelikte ist gegenüber 2019 (16 Fälle) mit 15 Fällen annähernd gleich geblieben. Anzeigen wegen Körperverletzung sind von 12.773 auf 12.228 zurückgegangen, was einem Minus von 4,3 Prozent entspricht. Die Anzeigen wegen Vergewaltigung sind gegenüber 2019 (323 Fälle) mit 318 Fällen annähernd gleich geblieben.

Auch im Bereich Raubkriminalität sind laut Polizei deutliche Rückgänge zu verzeichnen. Die Zahl der Anzeigen wegen „Raub“ und „schwerer Raub“ ist insgesamt von 1.274 auf 982 und somit um 22,9 Prozent gesunken. Die Aufklärungsquote beträgt hier 38,4 Prozent.

Gestiegen ist die Zahl der Raubüberfälle auf Banken und Postämter von drei auf neun derartige Delikte. Verantwortlich für diese Zunahme waren u.a. Serientäter, die im Oktober 2020 festgenommen wurden.

Im Bereich Wirtschaftskriminalität registrierte die Wiener Polizei ein Plus von 3,6 Prozent (von 27.342 auf 28.331 Anzeigen). Rückgänge gab es hier im Bereich Betrug und schwerem Betrug“, eine starke Zunahme aber bei Sozialleistungsbetrug von 1.098 auf 1.995 Fälle (ein Plus von 81,7 Prozent). Anzeigen nach Suchtmitteldelikten gingen von 13.136 auf 11.391 Fälle (minus 13,3 Prozent) zurück.

Salzburg: Ebenso weniger Delikte allgemein, aber mehr Gewalt im Privaten

Auch in Salzburg wurden 2020 im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger Delikte angezeigt. Der Rückgang von 33.007 auf 28.083 Anzeigen lag mit 14,9 Prozent dabei über dem Bundesschnitt. Zugleich konnte die Aufklärungsquote auf einen Höchstwert von 56,8 Prozent gesteigert werden - ein Plus von zwei Prozentpunkten, wie die Landespolizeidirektion am Donnerstag informierte. Ein Plus gab es bei Gewaltdelikten in der Privatsphäre und beim „Geschäftsmodell“ Internetkriminalität.

Laut Polizei sind die Rückgänge vor allem auf die Abnahme der Anzeigen bei den „Strafbaren Handlungen gegen Leib und Leben“ (mehr als 800 Anzeigen weniger) und den „Strafbaren Handlungen gegen fremdes Vermögen“ (nahezu 3.300 Anzeigen weniger) zurückzuführen.

So wurden im Vorjahr insgesamt 4.756 Gewaltdelikte im Bundesland Salzburg angezeigt, das entspricht einem Minus von 9,8 Prozent. Bei 61,4 Prozent der begangenen Taten gab es dabei eine Beziehung zwischen Täter und Opfer. 2020 war, wie in den Jahren zuvor, das sogenannte „Haupttatmittel“ die Stichwaffe. Sie kam bei 149 Delikten zum Einsatz. Bei Schusswaffen war das in 29 Fällen der Fall. Im Vorjahr wurden in Salzburg vier vollendete Morddelikte erfasst, bei denen drei Frauen und ein Mann getötet wurden. 2019 waren drei Männer und zwei Frauen in Salzburg getötet worden.

1.171 Delikte in der Privatsphäre

Eine Zunahme verzeichnete die Polizei im Bereich „Gewalt in der Privatsphäre“. Hier wurden 1.171 Delikte angezeigt - ein Plus von 155 Fällen oder mehr als 15 Prozent. Hier werden Tatbestände wie Mord, Körperverletzung, Freiheitsentziehung, gefährliche Drohung bis hin zu sexuellem Missbrauch zusammengefasst und ausgewertet. Da bei diesen Delikten nahezu immer ein Naheverhältnis besteht, ist die Aufklärungsquote naturgemäß hoch - sie lag im Vorjahr bei 99,7 Prozent.

Um mehr als ein Viertel (minus 25,4 Prozent auf 8.262 Anzeigen) sank in Salzburg die Eigentumskriminalität. 2020 wurden der Polizei etwa 299 Anzeigen wegen Wohnungs- und Wohnhauseinbrüchen gemeldet. Im Vergleich dazu war 2018 noch ein Höchststand von 654 registriert worden. Gesunken ist im Vorjahr auch die Zahl der Autodiebstähle, bei den Taschen- und Trickdiebstählen wurde mit 350 Anzeigen der Tiefststand der letzten zehn Jahre erreicht. Weniger deutlich fiel der Rückgang bei den Drogendelikten aus - das Minus beträgt 5,5 Prozent auf 2.613 Anzeigen.

Während auch die Wirtschaftskriminalität um 14,3 Prozent auf 3.857 Delikten sank, stieg die Internetkriminalität 2020 im Vergleich zum Vorjahr erneut deutlich an. Das Plus von 1.481 auf 1.842 Anzeigen beträgt 24,4 Prozent. Kein großes Problem dürfte hingegen der gerne angeprangerte Sozialleistungsbetrug darstellen. Zwar stieg die Zahl der Anzeigen von 113 auf 139, in absoluten Zahlen machten diese Delikte in Salzburg 2020 aber gerade einmal ein halbes Prozent der Anzeigen aus.