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Corona-Impfstoff

EU-Länder nehmen AstraZeneca-Impfungen wieder auf

Als Reaktion auf die Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) nehmen Deutschland und mehrere andere EU-Länder die Impfungen mit dem Corona-Vakzin von Astrazeneca wieder auf. Die Impfungen mit dem Präparat sollen noch im Laufe des Freitags fortgesetzt werden - allerdings mit Warnhinweisen, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ankündigte. Auch Länder wie Frankreich, Italien und Spanien wollen das Präparat, das die EMA als „sicher und wirksam“ einstufte, wieder einsetzen.

red/Agenturen

Die Impfwilligen sollten in aktualisierten Aufklärungsbögen über mögliche Risiken informiert werden, sagte Spahn am Donnerstagabend in Berlin mit Blick auf das Mittel des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca. „Die Bürgerinnen und Bürger können darauf vertrauen, transparent informiert zu werden.“ Nach der Aussetzung der Impfungen am Montag gelte es nun, vier verlorene Tage aufzuholen, sagte der Minister.

Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) befürwortete die Stellungnahme der EMA. „Die Impfungen sollen ab dem 19. März fortgesetzt werden“, erklärte der Vorsitzende der GMK, Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). AstraZeneca sei „ein wichtiger Bestandteil für unsere Impfstrategie“. Mehrere Bundesländer, darunter Nordrhein-Westfalen, Berlin und Baden-Württemberg, bekräftigen am Donnerstagabend, dass die Impfkampagne mit AstraZeneca am Freitag fortsetzt wird und gaben Details zur Terminvergabe bekannt.

Auch die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) äußerte sich erleichtert über die EMA-Empfehlung. „Jetzt muss jede Impfdosis so schnell wie möglich verimpft werden, um vor allem schwere Verläufe durch Covid-19 mit intensivmedizinischer Behandlung oder gar Tod zu verhindern“, erklärte der Verband.

„Nutzen überwiegt mögliche Risken“

Deutschland und mehr als ein Dutzend weitere europäische Staaten hatten in den vergangenen Tagen nach Berichten über das Auftreten schwerer Blutgerinnsel bei einigen Geimpften die Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin vorerst gestoppt. Die EMA betonte nach einer Sondersitzung am Donnerstag aber, dass es keine Hinweise darauf gebe, dass von dem Impfstoff ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel ausgehe.

Der EMA-Ausschuss für Impfstoff-Sicherheit sei zu einer „eindeutigen wissenschaftlichen Schlussfolgerung“ hinsichtlich der Sicherheit des Vakzins gekommen, sagte EMA-Chefin Emer Cooke. Der Nutzen des Impfstoffs beim Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung überwiege „mögliche Risiken“, sagte Cooke.

Einen möglichen Zusammenhang zwischen Impfungen mit AstraZeneca und seltenen, aber gefährlichen Blutgerinnseln konnte die Behörde aber „nicht endgültig“ ausschließen. Die Produktinformation für das Vakzin werde nun dementsprechend angepasst, um Patienten und Ärzte auf die möglichen Gefahren hinzuweisen.

Nach Angaben der EU-Behörde wurden unter den 20 Millionen Menschen, die in der EU sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen und Großbritannien eine AstraZeneca-Impfung erhalten haben, 469 Fälle von Blutgerinnseln festgestellt. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung sei dies kein erhöhter Wert.

Der EMA zufolge traten bei 25 Patienten schwerwiegende Erkrankungen auf, darunter Blutgerinnseln im Gehirn. Davon betroffen waren fast ausschließlich Frauen unter 55 Jahren. Hinweise auf Probleme mit bestimmten Impfstoff-Chargen oder Produktionsstätten gibt es laut EMA allerdings nicht.

Norwegen und Schweden warten noch ab

Der britisch-schwedische Pharmakonzern begrüßte die Einschätzung der EU-Behörde. Diese habe den „überwältigenden Nutzen“ des Mittels im Kampf gegen die Pandemie bestätigt.

Kurz nach der Bekanntgabe der EMA-Entscheidung kündigten auch Italien, Frankreich, Spanien, die Niederlande, Portugal, Slowenien, Bulgarien, Lettland und Litauen an, die Impfungen mit AstraZeneca wieder aufzunehmen. Ziel seiner Regierung sei es weiterhin, „möglichst schnell so viele Impfungen wie möglich vorzunehmen“, sagte der italienische Ministerpräsident Mario Draghi.

Norwegen und Schweden wollen hingegen weiter abwarten. Das norwegische Institut für öffentliche Gesundheit nannte die Einschätzung der EMA „verfrüht“ und kündigte für Ende der Woche eine eigene Stellungnahme an. Schweden will in der kommenden Woche eine Entscheidung zum Einsatz des AstraZeneca-Impfstoffs treffen.

Dänemark will Vakzin vorerst weiterhin nicht nutzen

Ungeachtet des grünen Lichts der EU-Arzneimittelbehörde EMA will Dänemark den Corona-Impfstoff von AstraZeneca vorerst noch nicht wieder einsetzen. Es sollten zunächst die Entscheidung „und deren Auswirkung auf das dänische Impfprogramm“ geprüft werden, sagte der Chef der Gesundheitsbehörde, Soren Brostrom. Zwar habe die EMA das Vakzin als „sicher und effektiv“ eingeschätzt, zugleich aber habe sie auch einen Zusammenhang mit gefährlichen Blutgerinnseln nicht ausgeschlossen.

In Dänemark werden den Angaben zufolge derzeit zehn Fälle von schweren Blutgerinnseln nach AstraZeneca-Impfungen untersucht, darunter ein Todesfall. Insgesamt erhielten mehr als 140.000 Dänen das Vakzin. Das Land hatte nach Berichten über die Blutgerinnsel in der vergangenen Woche als erstes Land in Europa die Impfungen mit AstraZeneca unterbrochen. Anschließend erließen mehrere weitere Länder einen Impfstopp. Viele von ihnen haben inzwischen angekündigt, nach der EMA-Entscheidung die Impfungen mit AstraZeneca wieder aufzunehmen. Österreich hatte die Immunisierungen mit dem Vakzin nicht ausgesetzt.

In Frankreich sollen indes nur noch Menschen ab dem Alter von 55 Jahren den Impfstoff von AstraZeneca erhalten. Das empfahl die Gesundheitsbehörde (HAS) des Landes am Freitag in Paris. Grund für die Empfehlung seien die Berichte über lebensgefährliche Blutgerinnsel nach Impfungen jüngerer Menschen. Die französische Gesundheitsbehörde empfahl der Regierung zugleich, das AstraZeneca-Vakzin „unverzüglich“ wieder zu verabreichen. Um Vertrauen zu wecken, wollte sich auch Premierminister Jean Castex mit dem Vakzin impfen lassen. Castex ist 55 Jahre alt.

Litauen änderte am Freitag mit Wiederaufnahme der vorsorglich gestoppten Corona-Impfungen mit dem AstraZeneca-Mittel das Impfverfahren. „Von nun an kann jeder frei entscheiden, ob er mit dem AstraZeneca-Impfstoff geimpft werden möchte oder nicht“, sagte Gesundheitsminister Arunas Dulkys. Demnach könnten die Menschen in ihrem Impfzentrum einen der Impfstoffe auswählen. Sollte das gewünschte Präparat nicht verfügbar sein, werde die Person später kontaktiert, sagte Dulkys.

Impfzentren sollen sich zudem nicht mehr starr nach der festgelegten Impfreihenfolge richten müssen, sondern mehr Freiheit erhalten. Dazu gehört auch, dass überzählige Impfdosen weitergegeben werden können. Die Änderungen erfolgten nach der Erklärung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA), dass AstraZenecas Impfstoff sicher sei. Dulkys und andere litauische Spitzenpolitiker wollen sich am Montag öffentlich mit dem AstraZeneca-Mittel impfen lassen, um ihr Vertrauen in das Mittel zu zeigen.

Luxemburg nahm die Corona-Impfungen mit dem Präparat von AstraZeneca ebenfalls wieder auf. Der Impfstoff werde ab dem heutigen Freitag wieder regulär eingesetzt, teilte das Gesundheitsministerium mit. Grundlage ist die Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) vom Donnerstag, die das Vakzin von AstraZeneca als sicher eingestuft hat. Wie zahlreiche andere europäische Länder hatte Luxemburg die Impfungen mit AstraZeneca in den vergangenen Tagen vorübergehend ausgesetzt. Hintergrund waren Meldungen von Blutgerinnseln im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung mit dem Präparat.

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