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Jod-Tabletten nur nach Behördenaufforderung einnehmen

Der russische Angriff auf die Ukraine hat in Österreich zu einer erhöhten Nachfrage nach Kaliumjodid-Tabletten geführt. Das bestätigte die Apothekerkammer am Montag auf APA-Anfrage. Das Medikament darf jedoch nur nach ausdrücklicher Aufforderung durch die Gesundheitsbehörden eingenommen werden, eine solche gibt es derzeit nicht. Jod-Tabletten bieten nach einem Atom-Unfall Schutz vor Einlagerung von radioaktivem Jod in die Schilddrüse und verringern so das Krebsrisiko.

red/Agenturen

Auch in diesem Fall gebe es  „aller Voraussicht nach keine Notwendigkeit, im ganzen Land Kaliumiodid-Tabletten einzunehmen. Eine Einnahme würde selbst in grenznahen Fällen nur in den am stärksten betroffenen Gebieten erforderlich sein“, hieß es in dem Statement. In einem solchen Fall geben die Gesundheitsbehörden bekannt, welche Personen Kaliumiodid-Tabletten einnehmen sollen und in welchen Regionen eine Einnahme notwendig ist. Der Krieg in der Ukraine erfordere jedenfalls  „keine Bevorratung von Kaliumiodid-Tabletten für Privatpersonen“, betonte das Ministerium.

Im Ernstfall ist die Abteilung Strahlenschutz im Umweltministerium für den Schutz Österreichs vor Auswirkungen von nuklearen Zwischenfällen zuständig. Dazu überwacht das Ministerium rund um die Uhr alle relevanten Messwerte und Vorkommnisse und ist in ständiger Abstimmung mit den Behörden der österreichischen Nachbarländer, der EU und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Im Notfall stünden jedenfalls  „ausreichend Tabletten zur unmittelbaren Verfügung“, sagte Ministeriumssprecher Florian Berger.

Jod-Tabletten bieten nach einem Atom-Unfall Schutz vor Einlagerung von radioaktivem Jod in die Schilddrüse und verringern so das Krebsrisiko. Es gebe keine genauen Zahlen zu der derzeitigen erhöhten Nachfrage nach Jod-Tabletten, hieß es bei der Apothekerkammer. Bei den selbst zu bezahlenden Mitteln für Erwachsene bis 40 Jahre sei es jedoch in Apotheken bereits zu Engpässen gekommen. Diese sollten sich im Lauf der Woche wieder entspannen, sagte ein Sprecher.

Bevorratung für Privatpersonen nicht notwendig

Der kostenlose und rezeptfrei erhältliche Vorrat an Jod-Tabletten in Apotheken für Null- bis 18-Jährige sowie Schwangere und Stillende ist nicht von einem Engpass betroffen. In Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen steht ebenfalls ein Vorrat für die dort betreuten Kinder zur Verfügung. Es bestehe jedenfalls derzeit generell kein Grund für eine Einnahme, warnte der Apothekerkammer-Sprecher.

Das Gesundheitsministerium wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es aus Vorsorgegründen bereits seit Anfang der 90er-Jahre Kaliumiodid-Tabletten für die Bevölkerung beschaffe. Für die rechtzeitige Einnahme gebe es ein vorausschauendes Bevorratungskonzept erstellt, in dezentralen Lager stünden ausreichend Kaliumiodid-Tabletten für die Bevölkerung bereit, sollten diese im Notfall benötigt werden: „Aus diesem Grund besteht in Österreich daher keine Notwendigkeit, Tabletten auf dem freien Markt einzukaufen.“

Personen über 40 Jahre sollten Kaliumjodid-Tabletten jedenfalls nicht einnehmen, da ihr Risiko an strahlenbedingtem Schilddrüsenkrebs zu erkranken sehr gering, jenes von schweren Nebenwirkungen durch die Jodzufuhr aber hoch ist, informiert das Gesundheitsministerium auf seiner Internetseite.

Vergangenen Donnerstag hatten Berichte für Unruhe gesorgt, wonach das russische Militär das ehemalige Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine erobert hat. Danach wurden in dem Gebiet erhöhte Strahlungswerte gemessen, die nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO jedoch nicht gefährlich sind. Die Organisation mit Sitz in Wien warnte allerdings am Sonntag vor möglichen Atomunfällen, da mehrere nuklearen Einrichtungen in der Ukraine von den Kämpfen betroffen sind. Außerdem setzte Russlands Präsident Wladimir Putin am Sonntag die Atomstreitkräfte des Landes in Alarmbereitschaft.

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Der Krieg in der Ukraine hat auch in Österreich zu einer erhöhten Nachfrage nach Kaliumjodid-Tabletten geführt, diese sollen aber erst nach ausdrücklicher Aufforderung der Behörden eingenommen werden.
Eibner / EXPA / picturedesk.com