Coronavirus

Forschung läuft auf Hochtouren

Das neuartige Coronavirus versetzt die Gesundheitsbehörden in aller Welt in Alarmbereitschaft. In vielen Ländern forschen staatliche und nicht-staatliche Institute sowie private Unternehmen daher an Mitteln zur Diagnose, Vorbeugung und Behandlung des Erregers der Atemwegserkrankung Covid-19. Wer sind die großen Akteure?

Von Marie-Morgane Le Moel/AFP

Geforscht wird in drei großen Bereichen: schnelle und zuverlässige Tests zum Nachweis des Virus, Impfstoffe sowie passgenaue Therapien gegen Covid-19. Zu den beteiligten großen Instituten gehören die National Institutes of Health (NIH) der USA, das Pariser Pasteur-Institut oder die University of Melbourne in Australien.

Das Institut für Virologie der Philipps-Universität im hessischen Marburg teilte Ende Jänner mit, dass es sich an der weltweiten Suche nach einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus beteilige. Es verfügt nach eigenen Angaben über „eines der wenigen Hochsicherheitslabore zur Forschung an gefährlichen Viren in Deutschland".

Wer sind die Akteure, was treibt sie an?

Auch Biotech-Firmen wie die US-Unternehmen Moderna Therapeutics und Inovio Pharma sowie das Tübinger Unternehmen CureVac suchen nach einem Impfstoff. Gefördert werden sie von dem internationalen Impfbündnis Cepi, zu dem sich staatliche und privatwirtschaftliche Akteure zusammengeschlossen haben.

Die US-Firma Gilead untersucht mit den chinesischen Behörden, ob das gegen Ebola entwickelte Mittel Remdesivir gegen das neue Coronavirus helfen kann. Pharmariesen haben in unterschiedlichen Bereichen ihre Zusammenarbeit angeboten. So will der britische Konzern GlaxoSmithKline bei Bedarf sein Know-how bei Zusatzstoffen beisteuern, die die Immunreaktion beim Einsatz von Impfstoffen verstärken können. In den USA will Johnson & Johnson mit staatlichen Stellen an der Impfstoffentwicklung arbeiten.

Der Verkauf von Impfstoffen ist potenziell ein großer Markt. Nach der Verkündung ihrer Forschungsaktivitäten zum Coronavirus schossen die Wall-Street-Kurse von Moderna und Inovio zumindest zwischenzeitlich in die Höhe. Allerdings sind die Gewinnmargen bei Impfstoffen nicht sehr hoch, da die Dosen anders als etwa Krebsmittel in der Regel günstig abgegeben werden.

„Der Handel mit Impfstoffen macht in der Regel nur zwei Prozent des weltweiten pharmazeutischen Marktes aus", sagt der Ökonom und Gesundheitsexperte Claude Le Pen. Wenn ein Labor jetzt ein wirksames Mittel gegen das neuartige Coronavirus fände, werde „es großen Druck geben, das die Behandlung zu niedrigen Preisen abgegeben wird". Abgesehen davon besteht das Risiko, dass nach langwierigen und teuren Forschungsarbeiten und Tests die Coronavirus-Epidemie vorbei ist und es keine Nachfrage für die Neuentwicklung gibt.

Für Pharma-Firmen sei es in der Kommunikation mit Regierungen und Bevölkerung nur „logisch zu sagen: 'Wir sind Akteure im Gesundheitsbereich und kümmern uns um euch'", sagt Jean-Jacques Le Fur, ein Spezialist für die Pharma-Industrie bei der Investmentbank Bryan, Garnier & Co. Es gehe den Unternehmen außerdem um „wissenschaftliches Prestige", fügt Experte Le Pen hinzu. „Man sollte die professionelle Motivation nicht unterschätzen", meint der Ökonom mit Blick auf gewinnorientierte Unternehmen in der Coronavirus-Forschung.

Mit der schnellen Entwicklung eines Impfstoffs oder einer antiviralen Therapie zur Heilung von Covid-19 könnten sich Biotech-Firmen außerdem neue Geschäftsoptionen erschließen, sagt Le Pen. Mit solch einem Erfolg könnten sie leichter finanzielle Mittel für ihre anderen Projekte einsammeln.