Volkshilfe-Kampagne will Tabuthema Demenz brechen

Rund 130.000 Personen leiden in Österreich an Demenz, Tendenz stark steigend. „Bis 2050 dürfte jeder Siebte betroffen sein“, erklärte Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien. Eine neue Initiative will sozialer Ausgrenzung entgegen wirken - mit Information und auch finanzieller Unterstützung. „Wir versuchen, das Tabuthema zu brechen.“

red/Agenturen

Am Mittwoch startet die neue Initiative in TV und Print, die Menschen nicht auf ihre Diagnose reduzieren möchte, sondern Mut machen und Vorurteile abbauen will. „Vor allem die Angst vor einem Rollenverlust schmerzt.“ Dazu kommt oft die Ungewissheit, schilderten die selbst betroffenen Testimonials Bea Gulyn, eine ehemalige Ärztin und der ehemalige Bankmitarbeiter Andreas Trubel. Nach einem ersten Schock und der Angst vor Kontrollverlust folgte die lebensbejahende Zusammenarbeit mit der Volkshilfe, die mit Information, Beratung und konkreter finanzieller Unterstützung unterstützt.

Mit der Diagnose gehen oft soziale Isolation und Ausgrenzung einher, so die Hilfsorganisation. Man möchte Betroffenen und ihrem Umfeld Unsicherheit, Überforderung und Scham nehmen. „Wir wollen Freude und schöne Momente bereiten", sagte Fenninger. „Es geht nicht nur darum, schöne Momente nicht zu vergessen - sondern auch neue zu kreieren." Die Hilfsorganisation setzt sich seit vielen Jahren intensiv mit der Thematik auseinander. Ein eigener Demenzhilfe-Fonds bietet finanziell Benachteiligten monetäre Unterstützung von bis zu 1.000 Euro pro Jahr. „Das ist einmalig in Österreich", betonten die Verantwortlichen. 1.128 Menschen wurde seit dem Startschuss 2012 geholfen, die Mittel können etwa für Betreuung, Sportkurse, Gedächtnistraining oder speziellen Pflegebedarf eingesetzt werden.

Demenz (Latein: „de mens" = „ohne Verstand", Anm.) wird grundsätzlich nach Schweregrad in drei Stadien unterteilt: frühes, mittleres und spätes. An sich ist der Verlust von Gehirnzellen mit zunehmendem Alter ein natürlicher Vorgang, bei einer Demenz - als bekannteste Form gilt Alzheimer - verläuft läuft dies wegen krankhafter Prozesse viel rascher ab. Vom ersten Erkennen einer gewissen Vergesslichkeit bis zum Übergang in einen eindeutig eingeschränkten Zustand vergehen durchschnittlich 15 Jahre. Der konkrete Verlauf - und damit die optimale Unterstützung - erweist sich sehr oft als individuell unterschiedlich. In jedem Fall kann man umso effektiver reagieren, je früher die Krankheit diagnostiziert wird. Mit den adäquaten Maßnahmen bzw. einer möglichst früh beginnenden Therapie können die meisten Patienten länger ein selbstständiges, aktives Leben führen.

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