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Coronavirus

Wuhan: Quarantäne-Lockerung für ungültig erklärt

Die chinesischen Behörden haben die Lockerung der Quarantäne für die am schwersten vom Coronavirus betroffene Millionenmetropole Wuhan nach wenigen Stunden wieder zurückgenommen. Die Lockerung sei „ohne Zustimmung“ der örtlichen Führung von einem Verkehrsausschuss verkündet worden und deshalb „ungültig“, teilte die Stadtverwaltung am Montag mit.

red/Agenturen

Zuvor hatte es geheißen, Menschen ohne Wohnsitz in der Stadt dürften diese nun unter bestimmten Voraussetzungen verlassen. Die Elf-Millionen-Einwohner-Stadt Wuhan, die als Ausgangspunkt der Epidemie gilt, war vor einem Monat von den Behörden weitgehend von der Außenwelt abgeriegelt worden. Zahlreiche ausländische Staatsbürger wurden seitdem von dort in Sonderflügen in ihre Heimatländer zurückgebracht.

Mehr als vier Wochen nach der Abriegelung der schwer von dem neuartigen Coronavirus betroffenen Millionenmetropole haben die Behörden damit für große  Verwirrung gesorgt. Nachdem erst eine Mitteilung der Provinzregierung veröffentlicht worden war, das nach dem Ausbruch der Lungenkrankheit in Wuhan gestrandete Chinesen aus anderen Teilen des Landes die Stadt verlassen dürften, erklärte die Stadtregierung die Notiz für „ungültig" und zog sie wieder zurück.

Auch wurde mitgeteilt, dass das für die Veröffentlichung zuständige Personal „ernsthaft kritisiert" worden sei. Der Zugang zu Wuhan werde weiter strikt kontrolliert, hieß es in der neuen Mitteilung. Die Politik von Staats- und Parteichef Xi Jinping, die Verbreitung der Epidemie über Kanäle aus Wuhan und der Provinz Hubei zu verhindern, werde entschieden umgesetzt.

Hohe Dunkelziffer

In der zurückgezogenen, umfassenden Mitteilung hatte es geheißen, dass die Betroffenen die Stadt verlassen dürften, wenn sie in gutem Gesundheitszustand seien - ohne Husten, Fieber und andere Symptome der Krankheit. Auch dürften sie keinen Kontakt zu Infizierten oder Fieberpatienten gehabt haben. Umgekehrt hätten demnach Bewohner von Wuhan, die wegen der Abschottung der Stadt nicht zurückkommen konnten, jetzt heimkehren dürfen.

Die elf Millionen Einwohner zählende Metropole steht im Mittelpunkt der Epidemie. So unterbrachen die Behörden vor gut vier Wochen alle Flug-, Zug- und Busverbindungen. Auch wurde der private Autoverkehr unterbunden. Bisher wurden in Wuhan alleine mehr als 46 000 Infektionen und fast 2000 Todesfälle gezählt. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

Erstmals seit dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus in China haben außerdem Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Millionenmetropole besucht. Eine von der WHO angeführte internationale Expertengruppe habe zwei Krankenhäuser besichtigt, teilte die Nationale Gesundheitskommission in China am Montag mit.

Eine der Kliniken sei provisorisch in einem Sportzentrum eingerichtet worden. Der Besuch der WHO in Wuhan war der erste seit Ausbruch des Virus Ende vergangenen Jahres, über den die chinesischen Behörden berichteten. Die Expertengruppe traf demnach auch den Chef der chinesischen Gesundheitskommission, Ma Xiaowei, und andere Verantwortliche des Seuchenschutzes der Provinz Hubei, in der Wuhan liegt. Die WHO-Vertreter waren den Angaben zufolge vor mehr als einer Woche in China eingetroffen, um der Volksrepublik bei der Erforschung des Virus zur Seite zu stehen.

An der Lungenkrankheit Covid-19 starben in China insgesamt bislang mehr als 2500 Menschen, die aktuellen Zahlen sprechen von mehr als 77.000 Menschen, die mit dem Virus infiziert sind. Auch in mindestens zwei Dutzend anderen Ländern gibt es Erkrankungs-und Todesfälle. Am Montag wurden erste Infektionen aus Kuwait, Bahrain und Afghanistan gemeldet. Im Iran stieg die Zahl der Toten Berichten zufolge auf zwölf.