Transplantationsmedizin

Wenn Organe außerhalb des Körpers überleben

Die bekannt gewordene Forschungsneuheit einer Maschine, die eine Spenderleber eine Woche lang am Leben erhalten kann, dürfte die Medizin in neue Dimensionen vorstoßen lassen. Er halte es für wahrscheinlich, dass man in zehn Jahren Organe außerhalb des Körpers behandeln und wiedereinsetzen kann, sagte Stefan Schneeberger, Transplantationschirurgie-Leiter an der Innsbrucker Klinik.

red/Agenturen

Sollte die von Züricher Forschern entwickelte Maschine tatsächlich funktionieren und zur Klinikreife gelangen, dann würden sich in weiterer Folge „ganz andere Möglichkeiten“ auftun - „nämlich, dass man außerhalb des Körpers Organe therapieren, reparieren und modifizieren kann“, so Schneeberger im Interview mit der APA. In diesem Falle spreche man nicht mehr „nur“ von transplantierten Organen, sondern auch von solchen „ein und derselben Person“, die entnommen, behandelt und wiedereingesetzt werden.

„Eine ganz neue Disziplin würde entstehen - die der Organbehandlung außerhalb des Körpers. Die Vision existiert schon länger, nun könnte auch die technische Reife gegeben sein. Plötzlich gibt es konkrete Hoffnung auf eine Plattform und ein technisches Instrumentarium, welche das möglich machen können“, zeigte sich der Mediziner zuversichtlich. Das „Problem des Organversagens“ werde dadurch wahrscheinlich nicht komplett gelöst werden können, aber es werde vielleicht eine neue Form der Therapie möglich sein, meinte Schneeberger und sprach etwa die mögliche Behandlung von Organen außerhalb des Körpers an, die von Krebs befallen sind. Auch die Verjüngung eines gealterten Organs mit anschließender Wiedereinsetzung wäre eine solche Zukunftsvision.

„Organkrankenhäuser“ keine Utopie mehr

Das Organ werde selbst zum Patienten, skizzierte der stellvertretende Klinik-Direktor ein womöglich gar nicht so fernes Bild der Medizin-Zukunft. In den USA etwa würden derzeit bereits erste „Organkrankenhäuser“ gebaut.

Mit dem flächendeckenden Eingang der in der Schweiz entwickelten Maschine in den klinischen Alltagsbetrieb rechnete Schneeberger indes in „frühestens fünf Jahren“. „Es muss noch validiert werden. Zudem hat es noch keine richtigen Transplantationsversuche mit der Maschine gegeben“, betonte Schneeberger die Notwendigkeit weiterer Schritte bis zur endgültigen Klinikreife. Es stelle sich unter anderem auch die Frage, ob man vor der Verwendung am Menschen nicht zuerst noch weitere experimentelle Studien durchführe. In Innsbruck wolle man - im Falle der Klinikreife - jedenfalls von Beginn an an der Forschungsneuheit teilhaben.

Eine äußerst positive Bilanz zog der Leiter der Transplantationschirurgie indes über das seit zwei Jahren an der Klinik verwendete, vollautomatische Lebertransport- und Perfusionsgerät „Metra“, das eine Konservierung der Spenderleber außerhalb des Körpers auf Körpertemperatur für 24 Stunden ermöglicht. Durch die Initiative von Benno Cardini und des gesamten Teams war Innsbruck laut Schneeberger das erste Klinikum weltweit, welches die „Metra“ mit einem „konzertierten Ablauf“ unter Beteiligung aller notwendigen medizinischen Disziplinen und eines engmaschigen Sicherheitsmechanismus in Betrieb hatte. Und sei auch heute noch das einzige.

Zwei solcher Maschinen stehen derzeit in Innsbruck zur Verfügung. 40 Leber würden jährlich mit Hilfe dieser Technologie transplantiert. Die Organe werden über Nacht mit der Maschine durchblutet und am Leben erhalten. Diese Behandlung sei mittlerweile zur Routine geworden und würde bei 50 Prozent aller Leberorgane angewendet.

Das Alleinstellungsmerkmal der Innsbrucker Klinik in dieser Hinsicht wird nun auch zum „Exportschlager“. Ab Anfang März finden Schulungen für die Lebermaschinenperfusion statt, an der Kliniken und Krankenhäuser aus ganz Europa teilnehmen. „Wir haben eine Liste von Anfragen aus ganz Europa“, erläuterte Schneeberger. Alle wollen von den Innsbrucker Experten den komplexen Ablauf erfahren, den der Einsatz der „Metra“ erfordert.