Heimbewohnerin starb durch falsche Tabletten

Pflegerin verurteilt

Tragisch hat im Herbst 2018 die Verwechslung von Tabletten für eine 71-Jährige in einem Grazer Pflegeheim geendet: Die Frau starb, die zuständige Pflegehelferin wurde angeklagt. Die Beschuldigte wurde am Dienstag wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe in der Höhe von 5.400 Euro verurteilt. „Es tut mir unendlich leid", beteuerte die Frau, die sich schuldig bekannte, unter Tränen.

red/Agenturen

15 Patienten mussten von der 43-Jährigen - sie arbeitet mittlerweile beim Gesundheitsamt - jeden Tag in der Früh innerhalb von drei Stunden versorgt werden. Das umfasste Frühstück, Körperpflege und eben auch Verabreichen von Medikamenten. Die Tabletten wurden von einer Apothekerin in einzelne Dispenser verteilt, oben drauf stand auf jeder Schachtel der Name des Patienten.

„Warum haben Sie sie falsch verteilt? Hatten Sie Stress? Streit zu Hause? Waren Sie unausgeschlafen?", fragte Richter Oliver Graf. Die Angeklagte schüttelte den Kopf: „Nein. Vielleicht habe ich an Frau St. gedacht, sie wäre meine nächste Patientin gewesen." Auf jeden Fall verabreichte sie die Tabletten der falschen Bewohnerin. Als sie die nächste versorgen wollte, bemerkte sie ihren Irrtum.

Richter befand, dass keine grobe Fahrlässigkeit vorliegen würde

Sie verständigte sofort die Diplomkrankenschwester und sagte ihr, dass sie die hochwirksamen Herz-Kreislauftabletten der falschen Frau verabreicht hatte. Die Schwester rief beim Ärztenotdienst an. Dort empfahl man, stündlich den Blutdruck zu messen und jede halbe Stunde das Insulin zu kontrollieren. Doch dazu kam es nicht mehr. Die 71-Jährige klagte über Übelkeit und kollabierte, woraufhin die Rettung verständigt wurde. Für die Patientin kam aber jede Hilfe zu spät.

Der internistische Sachverständige bescheinigte der Angeklagten, völlig richtig reagiert zu haben. Außer der Verwechslung selbst könne man der Frau kein Fehlverhalten unterstellen. Allerdings hätte seiner Meinung nach eine sofortige Verabreichung von Kohletabletten den tödlichen Verlauf möglicherweise aufhalten können. Doch diese Behandlung hätte ein Arzt verordnen müssen, das konnte die Pflegehelferin nicht wissen.

Der Richter befand, dass hier keine grobe Fahrlässigkeit - wie angeklagt - vorliegen würde, da „kein Fehlverhalten nach Erkennen der Tat" vorlag. Er verurteilte die Frau wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 5.400 Euro. Sie nahm an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.