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Coronavirus

Rund 150.000 bestätigte Infektionen und fast 3.000 Tote in den USA

In den Vereinigten Staaten gibt es nach Angaben von US-Experten inzwischen mehr als 150 000 bestätigte Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus. Dort gibt es damit weiterhin mehr bekannte Infektionen als in jedem anderen Land der Welt, noch vor Italien, Spanien und China. Bis Montagnachmittag (Ortszeit) gab es 153 000 Infektionen mit Sars-CoV-2, wie aus einer Übersicht der Universität Johns Hopkins hervorging. Mehr als 2800 Menschen kamen in den USA laut Johns Hopkins infolge der Lungenerkrankung Covid-19 ums Leben.

red/Agenturen

Die Verbreitung der Coronavirus-Epidemie in den USA hat sich zuletzt dramatisch beschleunigt. Die Zahl der bekannten Infektionen etwa hatte erst am Freitag die Marke von 100.000 überschritten. Bis zu dem Zeitpunkt waren rund 1500 Tote gemeldet gewesen.

Die Webseite der Forscher der Universität Johns Hopkins wird regelmäßig mit eingehenden Daten aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand bestätigter Infektionen als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der US-Gesundheitsbehörde CDC.

US-Behörde erlaubt Sterilisierung von Atemmasken zur Wiederverwendung

Angesichts des Mangels an Atemschutzmasken ist in den USA nun auch eine bestimmte Art der Sterilisierung bereits genutzter Masken erlaubt. Vom Personal in Krankenhäusern verwendete Masken vom Typ N95 dürfen bis zu 20 Mal sterilisiert und wiederverwendet werden, erklärte die Lebens- und Arzneimittelbehörde der USA (FDA).

Es sei „vernünftig“ anzunehmen, dass die Sterilisierung mit einem Apparat vom Typ Battelle CCDS das Coronavirus Sars-CoV-2 effektiv beseitige. Dieser Vorteil wiege schwerer als „die bekannten und möglichen Risiken“, erklärte die FDA in einer auf Sonntag datierten Ausnahmegenehmigung. Nach Angaben des Hersteller Battelle sind Spezialmaschinen in der Lage, am Tag bis zu 80 000 Atemschutzmasken zu sterilisieren. Die Masken werden in dem Apparat zur Sterilisierung unter anderem 2,5 Stunden mit Wasserstoffperoxid-Dampf behandelt. Die Masken dürften für den Prozess keine Cellulose enthalten.

Battelle zufolge ist ein solcher Apparat bereits im Bundesstaat Ohio in Betrieb, ein weiterer soll in Kürze in New York aufgebaut werden. Die Stadt ist in den USA bisher am schlimmsten von der Covid-19-Pandemie betroffen.

In New Yorks Kliniken geht die Angst vor der Corona-Ansteckungswelle um 

Der Höhepunkt der Corona-Ansteckungswelle in New York wird erst in rund drei Wochen erwartet - doch bereits jetzt droht die Lage in der US-Küstenmetropole außer Kontrolle zu geraten. Unter Ärzten und Pflegern im Zentrum der Pandemie in den USA geht die Angst um, sich selbst anzustecken. Seit dem Tod des 48-jährigen Krankenpflegers Kious Kelly ist die Besorgnis noch gestiegen.

Die Arbeitsbelastung für Krankenhauspersonal sei durch die Corona-Krise ins Unermessliche gewachsen, berichten Krankenhausmitarbeiter. Rund um die Uhr werde gearbeitet, um die vielen Coronavirus-Patienten zu versorgen. Einige Kliniken geraten demnach bereits an ihre Grenzen - auch jene, in der der verstorbenen Pfleger Kelly arbeitete. Mehrere Abteilungen des Mount-Sinai-Krankenhauses im Stadtteil Manhattan platzten wegen der Zahl der Coronavirus-Patienten bereits aus allen Nähten, sagt Kellys Kollegin Diana Torres der Nachrichtenagentur AFP.

„Stimmung der Hoffnungslosigkeit“

Die Krankenschwester berichtet von verheerenden Zuständen in ihrer Reha-Abteilung, in der mindestens drei Corona-Patienten behandelt werden. Erst auf mehrfache Nachfrage hin habe sie Schutzausrüstung für Gesicht und Körper bekommen, schildert Torres. Diese müsse sie jedoch mehrfach benutzen. „Ich habe nichts für meinen Kopf, nichts für meine Schuhe“, fügt sie hinzu.“

„Es gibt eine Stimmung der Hoffnungslosigkeit“, beschreibt die Krankenschwester das Klima in ihrer Klinik. „Jeder hat Angst.“ Die Krankenhausmitarbeiter seien „erschüttert“, dass ihr Kollege Kelly „den höchsten Preis“ für die dramatischen Bedingungen habe zahlen müssen.

Sie selbst hat Angst, im Falle einer Infektion mit dem Coronavirus auch ihre drei Kinder und ihren Mann anzustecken, sagt Torres. Ärzte und Pfleger bewegten sich inzwischen „paranoid“ durch die Klinik. „Wir können uns nicht testen lassen“ - dies sei Patienten und medizinischem Personal mit schweren Symptomen vorbehalten. Personell sei ihre Klinik so schlecht aufgestellt wie nie zuvor. Die verbliebenen Kollegen müssten viele Überstunden machen, „weil unser eigenes Personal krank geworden ist“.

Höhepunkt der Ansteckungswelle in etwa drei Wochen erwartet

Gemessen an den Infektionszahlen sind die USA inzwischen das am stärksten von der Coronavirus-Pandemie betroffene Land der Welt. Mehr als 100.000 Menschen haben sich dort bereits mit dem Erreger Sars-Cov-2 angesteckt, mehr als 1.500 Menschen starben. Besonders dramatisch ist die Lage im Bundesstaat New York - vor allem in der dicht besiedelten gleichnamigen Hauptstadt.

Experten erwarten, dass der Höhepunkt der Ansteckungswelle in der Ostküsten-Metropole erst in etwa drei Wochen erreicht sein soll. Um den Mitarbeitern im Gesundheitswesen Erleichterung zu verschaffen, kündigte Bürgermeister Bill de Blasio an, Verstärkung zu mobilisieren.

Menschen „an der Front“ nicht ausreichend geschützt

Viele Patienten fühlen sich unterdessen allein gelassen. „Es ist entsetzlich“, sagt der Assistenzarzt Andrew. Wegen des Verdachts auf eine Coronavirus-Infektion befindet er sich in häuslicher Quarantäne. „Es gibt nicht genug Geld, nicht genug Tests, nicht genug Schutzmaterial für Menschen, die mit dieser Situation zu tun haben“, kritisierte er. Dies betreffe „jeden im Krankenhaus, der dieser riesigen Belastung durch das Virus ausgesetzt ist“.

Andrew betont, dass er selbst kein ernster Fall sei. Die Menschen „an der Front“ würden jedoch nicht ausreichend geschützt, beklagt er. „Sie sind Lämmer auf dem Weg zur Schlachtbank. Es ist kriminell.“

Der Regierung unter US-Präsident Donald Trump macht Andrew heftige Vorwürfe. Wer im Gesundheitswesen arbeite, bringe bereits „große Opfer“, sagt der Assistenzarzt. „Es ist eine Schande, dass es so weit gekommen ist.“ Die Zentralregierung in Washington habe in der Krise „unangemessen“ gehandelt. „Mehr Menschen werden sterben.“

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio schlägt angesichts knapp werdender medizinischer Ausrüstung in der Corona-Krise Alarm. Er könnte den reibungslosen Betrieb der Krankenhäuser nur für eine Woche garantieren, sagte er am Sonntag dem TV-Sender CNN. Dabei gehe es nicht nur um Masken, Schutzkleidung und dringend benötigte Beatmungsgeräte, sondern auch um medizinisches Personal. Die Ärzte und Pfleger könnten im jetzigen Tempo nicht über Wochen weiterarbeiten und bräuchten Unterstützung. „Hier in New York fühlt es sich wortwörtlich an wie zu Kriegszeiten“, sagte de Blasio.

Vaper könnten anfälliger für Ansteckung sein

Menschen, deren Lungen durch Vaping geschädigt wurden, könnten ersten Indizien zufolge anfälliger für eine Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus sein. So war beispielsweise einer der ersten Coronavirus-Fälle in der Millionenmetropole New York ein 22 Jahre alter Mann. „Warum ist ein 22-Jähriger zu diesem Zeitpunkt stabil, aber im Krankenhaus? Der einzige Faktor, den wir kennen, ist, dass er ein Vaper ist“, kommentierte der Bürgermeister. „Wir wissen nicht, ob er sonst noch irgendwelche Vorerkrankungen hat, aber wir glauben, dass der Fakt, dass er Vaper ist, diese Situation beeinflusst.“

Nach Auskunft von Michael Pfeifer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, spricht vieles dafür, dass zumindest Raucher gewöhnlicher Zigaretten ein erhöhtes Risiko für Corona-Infektionen haben. „Raucher haben grundsätzlich ein höheres Risiko, Virusinfektionen zu erleiden.“ Auch wenn es beim Coronavirus noch nicht nachgewiesen sei, schränke Rauchen die Abwehrkräfte des Bronchialsystems generell ein. Daten aus Wuhan gäben zudem zumindest einen Hinweis darauf, dass das Risiko eines schweren Corona-Verlaufs mit einer echten Lungenentzündung bei Rauchern deutlich höher ist.

UN spendet den USA 250.000 Gesichtsmasken für Pandemie in New York

Andere Experten verweisen darauf, dass bei Vapern zwar noch viel zu wenig über den Einfluss auf Corona-Infektionen bekannt sei. „Aber alles, was die Lungen schädigt, vergrößert das Risiko, anfällig zu sein“, sagte die New Yorker Kardiologin Tara Narula dem TV-Sender CBS. „Wenn es nicht schon immer Gründe gegeben hat, aufzuhören - hier ist noch einer.“

Indes spendeten die Vereinten Nationen den USA 250.000 Gesichtsmasken für die besonders heftig von der Corona-Pandemie getroffene Millionenstadt New York. „New York ist für uns nicht nur unser Zuhause oder das Hauptquartier der Vereinten Nationen. Es ist eine lebendige internationale Hauptstadt, über die die Welt kommuniziert, debattiert, handelt und gedeiht“, ließ UN-Generalsekretär António Guterres am Samstag mitteilen. Man hoffe, dass man die Ärzte und Pfleger in der Metropole damit unterstützen könne. Die Masken kommen den UN zufolge aus eigenen Lagern in New York.

Trump: Quarantäne für New York und andere Staaten „nicht notwendig“ 

Trotz der sich zuspitzenden Coronavirus-Krise sind nach Angaben von US-Präsident Donald Trump Überlegungen für eine Quarantäne der Bundesstaaten New York, New Jersey und Connecticut vorerst vom Tisch. „Eine Quarantäne wird nicht notwendig sein“, schrieb Trump am Samstag (Ortszeit) auf Twitter. Auf Empfehlung seiner Coronavirus-Arbeitsgruppe und nach Beratungen mit den Gouverneuren der drei betroffenen Bundesstaaten habe er die Gesundheitsbehörde CDC aufgefordert, „starke Reisehinweise“ zu veröffentlichten.

Darin werden Einwohner von New York, New Jersey und Connecticut nun dazu angehalten, in den kommenden 14 Tagen auf nicht notwendige inländische Reisen zu verzichten. Dies gelte nicht für Arbeitnehmer beispielsweise im Gesundheitswesen, Finanzdienstleistungsunternehmen oder in der Lebensmittelindustrie. Eine generelle Reisewarnung oder -beschränkungen für inländische Reisen sprach die Behörde nicht aus. Allerdings wurden Reisende aufgerufen, Vorkehrungen zu treffen, um zu verhindern, sich anzustecken oder zur weiteren Ausbreitung des Virus beizutragen.

Gouverneur: Abriegelung New Yorks würde zu Chaos führen 

Die von US-Präsident Donald Trump angedachten Reisebeschränkungen für Menschen aus dem Corona-Epizentrum New York würden nach Meinung des Gouverneurs des Bundesstaats ins Chaos führen. Eine solche Maßnahme werde wirtschaftliche Verwerfungen zur Folge haben, sagte Andrew Cuomo am Samstag dem TV-Sender CNN. Die Börsen würden „sinken wie ein Stein“, die Wirtschaft könnte sich Monate oder Jahre nicht davon erholen. Zudem sei ihm nicht klar, wie Trump solche weitreichenden Reisebeschränkungen auch rechtlich umsetzen wolle, sagte Cuomo. „Ich glaube, es ist illegal.“

Die Millionenmetropole New York an der US-Ostküste hat sich zum Zentrum der Pandemie in dem Land entwickelt. Mit über acht Millionen Einwohnern ist sie die größte US-Stadt und eines der kulturellen und finanzwirtschaftlichen Zentren der Welt. Restaurants, Bars, Schulen, Museen und Broadwayshows sind geschlossen. Alle Bürger sind aufgerufen, Zuhause zu bleiben, „nicht lebenswichtige“ Einrichtungen und Firmen sind geschlossen.

Relativierung, wenige Tests und zu viel Bürokratie

Wie ist der rasante Anstieg der Infektionen in den USA zu erklären? Und wie wird es weitergehen? US-Gesundheitsexperten gehen davon aus, dass der Höhepunkt der Pandemie in den USA noch nicht erreicht ist. Sie nennen zudem verschiedene Gründe, warum die Infiziertenzahlen derart explodiert sind.

Zu Beginn des Ausbruchs wurde Präsident Donald Trump vorgeworfen, den Ernst der Lage relativiert zu haben. Trump hatte zunächst erklärt, eine Verbreitung des Virus auch in den USA sei nicht „unvermeidlich“ - er widersprach damit der Auffassung von Gesundheitsexperten.

Als sich die Krankheit dann zunächst in den den Westküstenstaaten Washington und Kalifornien ausbreitete, gelang es den Behörden angesichts fehlender Tests nicht, Infektionsketten nachzuvollziehen. Die Regierung weigerte sich zunächst, behördliche Hürden abzubauen, was es den Bundesstaaten und örtlichen Gesundheitsverwaltungen ermöglicht hätte, eigene Testkits zu entwickeln.

Darüber hinaus wurden die ersten Tests ausschließlich an das nationale Zentrum für Seuchenkontrolle (CDC) in Atlanta geschickt. Dieses verschickte dann fehlerhafte Testkits an die Bundesstaaten, wodurch wiederum wertvolle Zeit verloren ging. Erst nach dem Tod des ersten Corona-Patienten am 29. Februar lockerte die Regierung die Regularien. Dann stieg der Privatsektor ein, wodurch die Testkapazitäten erhöht wurden.“

US-Behörden verteidigen Vorgehen

„Wenn wir Infektionsketten nachvollzogen hätten, hätten wir viele Fälle schneller entdecken und die Hotspots abriegeln können“, sagte der Chef der Notfallmedizin an der Johns Hopkins-Universität, Gabor Kelen, der Nachrichtenagentur AFP.

Die US-Behörden verteidigen dagegen ihr Vorgehen. Zudem betonten sie wiederholt, dass in Südkorea entwickelte Tests manchmal falsch positive Ergebnisse geliefert hätten. Dabei gilt Südkorea als beispielhaft im Umgang mit der Pandemie, weil dort viel und systematisch getestet wurde. Kelen widerspricht deshalb auch der Argumentation der Behörden: „Etwas ist besser als nichts, schneller ist besser als später, und wenn ein Test gut ist, sind zwei besser.“

New York, dem Epizentrum des Ausbruchs folgen das benachbarte New Jersey, Kalifornien, Michigan und Illinois. Die Hotspots sind meist Großstädte. Der Medizinprofessor Thomas Tsai von der Harvard Universität warnte, Bundesstaaten oder Gebiete mit wenigen Fällen dürften sich nicht in Sicherheit wiegen. Er plädierte für eine „wirklich national abgestimmte Strategie“. Ein Flickenteppich bei den Eindämmungsbemühungen könne zu Situationen wie jetzt in New York führen. Bis Freitag galten für 61 Prozent der US-Bevölkerung Ausgangsbeschränkungen, für 39 Prozent damit nicht.

Niedrige Sterberate als Lichtblick

Ein Lichtblick ist bislang, dass die Sterberate mit 1,5 Prozent bislang relativ niedrig ist. In Spanien etwa liegt sie bei 7,7 und in Italien bei zehn Prozent. Es ist aber unklar, ob es dabei bleibt - auch die Experten sind hier uneins.

Der Epidemiologe David Fisman von der Universität Toronto rechnet mit steigenden Opferzahlen in den USA. Die Rate werde steigen, „denn es dauert, bis die Menschen sterben“. Er gehe davon aus, „dass wir am Beginn eines absolut katastrophalen Ausbruchs stehen“.

Experten sind sich einig, dass Abstandhalten dringend notwendig ist, um die „Kurve abzuflachen“. Wissenschaftler setzen Keren zufolge zudem darauf, dass sich das Virus abschwächen könnte, wie dies bei ähnlichen Viren meist der Fall ist. Auch Hitze und Feuchtigkeit im Sommer könnten die Ausbreitung verlangsamen.

Forschern an der Universität Washington zufolge könnte Mitte April der Höhepunkt der Welle in den USA erreicht sein. Ihr Modell geht von mindestens 38.000 und maximal 162.000 Toten insgesamt aus. Zum Vergleich: Während der Grippewelle 2018/2019 starben in den Vereinigten Staaten 34.000 Menschen.

New York Skyline
Immer wieder haben Krankenhäuser in New York angesichts stark ansteigender Patientenzahlen gewarnt, dass ihnen in den kommenden Wochen wichtige medizinische Ausrüstung wie Schutzkleidung ausgehen könnte.
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