Coronavirus

Krankenhaus Spittal entließ Betriebsratsobmann fristlos

Das Krankenhaus Spittal/Drau hat am Montag seinen Betriebsratsobmann fristlos entlassen. Das gab die Spitalsleitung in einer Aussendung bekannt. Der Betriebsratsobmann hatte in einem internen Schreiben schwangere Mitarbeiterinnen vor seiner Ansicht nach unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen bezüglich einer Ansteckung mit dem Coronavirus gewarnt.

red/Agenturen

„Wir haben uns arbeitsrechtlich beraten lassen und sehen keine andere Möglichkeit als die Entlassung“, sagte ein Sprecher des Krankenhauses auf Anfrage der APA. Man habe die zuständigen Stellen des Landes – das über ein PPP-Modell am Krankenhaus beteiligt ist – ebenso informiert wie den Aufsichtsrat, die Bezirkshauptmannschaft und die Gewerkschaft. Die Vorwürfe des Mannes, er ist Allgemeinmediziner und Notarzt, seien völlig unzutreffend, man habe alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen.

Der 32-jährige Betriebsratsobmann hatte den schwangeren Mitarbeiterinnen – zwölf Frauen sind schwanger, sieben von ihnen bereits im Mutterschutz – auch ein Schreiben mitgeschickt, das sie ihren Gynäkologen vorlegen sollten. Darin heißt es unter anderem, er sehe es als Arzt „als meine Pflicht an Ihnen zu erörtern, dass in unserem Krankenhaus die besondere Schutzbedürftigkeit der Schwangeren momentan nicht gewährleistet ist. Diese sollen zwar laut Geschäftsführung im nicht Coronateil des Krankenhaus eingesetzt werden, diese Trennung in Corona- und nicht Coronateil ist jedoch auf Grund zweifelhafter organisatorischer (Durchmischung der Diensträder) und baulicher Maßnahmen, sowie dem Mangel an adäquater Schutzkleidung und dem teils inadäquaten Umgang mit Coronaverdachtsfällen, aus Sicht des Betriebsrats und aus Sicht des internistischen, gynäkologischen und anästhesiologischen Fachpersonals nicht gegeben.“ Daraus entstehe ein überproportionales Infektionsrisiko im Vergleich zur Normalbevölkerung. Er empfehle daher eine „großzügige frühzeitige Karenzierung“ der Mitarbeiterinnen zu deren Schutz.

In einer Aussendung weist das Spital die Vorwürfe zurück: „Die im Schreiben von Dr. .... dargestellte Sichtweise entspricht in keinster Weise den umgesetzten Vorkehrungen zum Schutz der schwangeren Mitarbeiterinnen aber auch aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die durch den Krisenstab, der seit 14. Februar 2020 zur Bewältigung der vorliegenden Ausnahmesituation eingesetzt ist, umgesetzt wurden. Es wurden nachweislich alle Maßnahmen entsprechend den Vorgaben des Bundes, des Landes und der für die Krisenbewältigung befassten Stellen im KH Spittal/Drau umgesetzt.“ Auch die Primarärzte würden der Sichtweise des Betriebsratsobmannes widersprechen. Dessen Vorgangsweise sei „ein klarer Missbrauch seiner Position zur Verunsicherung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des KH Spittal/Drau und ist auch kredit- und rufschädigend für das Haus wie auch die Führung des Hauses“. Es bestehe die Gefahr, dass durch die Weitergabe seines Schreibens an außenstehende Ärzte und damit der Veröffentlichung solcher Behauptungen Ruf und Ansehen des Krankenhauses Spittal/Drau massiv in Mitleidenschaft gezogen würden. Daher sei die Entlassung unumgänglich gewesen.