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Coronavirus

Niedrigste Totenzahl seit 24. März in Spanien

Spanien hat im Kampf gegen das Coronavirus am Freitag die niedrigste Zahl neuer Todesfälle seit dem 24. März verzeichnet. Innerhalb von 24 Stunden seien 605 verstorbene Patienten erfasst worden, die Gesamtzahl belaufe sich nun auf rund 15.800, teilte das Gesundheitsministerium mit. Am Vortag waren noch 683 Tote registriert worden, zeitweise waren mehr als 900 Opfer pro Tag gemeldet worden.

red/Agenturen

Auch die Zuwachsrate der Neuinfektionen ging weiter zurück: Sie lag nur noch bei drei Prozent. Die Gesamtzahl der verzeichneten Fälle belief sich auf 157.000. „Die absteigende Tendenz setzt sich fort“, sagte die Sprecherin der Behörde für Gesundheitliche Notfälle (CCAES), Maria Jose Sierra.

Auch Zuwachsrate an Neuinfektionen ging zurück

Seit mehreren Tagen schon bleibt die Zuwachsrate im schwer von der Pandemie betroffenen Spanien auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Die seit einem Monat geltenden strengen Ausgangsbeschränkungen für die knapp 47 Millionen Spanier zeigen offenbar Wirkung.

Bis Freitagmittag kamen binnen 24 Stunden 3.500 erfasste als genesen geltende Covid-19-Patienten hinzu, mehr als 55.000 Menschen sind somit nach der offiziellen Statistik wieder gesund. Die Region La Rioja im Norden des Landes meldete erstmals seit Beginn der Krise mehr entlassene Patienten als Neuansteckungen.

Das Parlament hatte am Donnerstag eine Verlängerung des Alarmzustands samt Ausgangssperre bis Mitternacht des 25. April gebilligt. Anschließend könnte es schrittweise Lockerungen für die Bevölkerung geben, wenn die positive Entwicklung anhält.

Warnungen vor sozialer Krise und Job-Vernichtung

Das Blatt „El Mundo“ schrieb, der „Winterschlaf“, wie Madrid die Aktion nennt, werde für die viertgrößte EU-Volkswirtschaft „tödlich“ sein. Experten warnen die Regierung, dadurch könnten bis zu vier Millionen Jobs vernichtet werden. „So geht das nicht! Die Regierung hat uns nicht einmal um Rat gefragt“, klagte Antonio Garamendi, der Präsident des Unternehmerverbandes CEOE, kürzlich im Interview des Radiosenders „RNE“. Durch das Lahmlegen der Wirtschaft drohe „nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine soziale Krise“. „Man treibt uns in den Bankrott“, schimpfte neben unzähligen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auch der Präsident des spanischen Selbstständigenverbandes ATA, Lorenzo Amor.

Der konservative Oppositionsführer Pablo Casado hatte das Krisenmanagement von Pedro Sánchez bisher nur am Rande kritisiert, dem Regierungschef aber stets seine volle Unterstützung bei allen Maßnahmen zugesichert. Die entzog der Chef der Volkspartei (PP) dem Ministerpräsidenten aber nun. „Loyalität ist kein Blankoscheck“, erklärte Casado. „Die Kosten (der Krisenbewältigung) dürfen nicht den Unternehmen aufgebürdet werden, sie müssen vom Staat getragen werden“, forderte der 39-Jährige. Wenn es keine Korrekturen gebe, würden unzählige kleine und mittlere Firmen nie wieder aus dem „Winterschlaf“ erwachen.

Kritik von Politikern und Medien

Weiter als Casado ging Santiago Abascal, der Chef der rechtspopulistischen Partei Vox, der drittstärksten Kraft im Madrider Parlament. Man werde Sánchez in Zukunft „strafrechtlich verfolgen lassen“, sagte er. Protest kam außerdem auch von Regionalpräsidenten verschiedener politischer Couleur. Die konservative Zeitung „ABC“ schrieb derweil: „Die Zukunft ist nicht mehr nur ungewiss, sie ist inzwischen enorm besorgniserregend.“

Allein die Baubranche, die nach eigenen Angaben 1,27 Millionen Menschen beschäftigt und einen Anteil von zehn Prozent am spanischen Bruttoinlandsprodukt hat, dürfte in den nächsten zwei Wochen vier Milliarden Euro einbüßen. Die Zeitung „La Razón“ schätzte den Gesamtverlust auf 60 Milliarden.

Durch das Stilllegen weiter Wirtschaftssektoren bleiben aber zusätzlich viele Millionen Menschen zu Hause - die Chancen des Virus auf Ausbreitung werden drastisch reduziert. Wenige Zahlen machen das deutlich. Schon am Montag ging der Nahverkehr in Madrid im Vergleich zum selben Tag der Vorwoche um 40 Prozent zurück. 

Vorwürfe, Ministerpräsident Sanchez habe zu spät reagiert

Bisher hatte der Ministerpräsident in den Augen vieler Spanier sicher nicht alles richtig gemacht. Nach einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Instituts NC Report meinten mehr als 80 Prozent, Sánchez habe zu spät auf die Krise reagiert.

Viele Spanier verstehen etwa nicht, wieso die Regierung am 8. März in Madrid die Riesenkundgebung anlässlich des Weltfrauentages zuließ, als die Weltgesundheitsorganisation bereits vor Massenevents gewarnt hatte. Zehntausende nahmen damals teil. Darunter drei Angehörige des Regierungs-Kabinetts und Sánchez' Ehefrau Begoña - die alle anschließend positiv getestet wurden.

Ist vielleicht auch deshalb Madrid mit knapp 3400 Toten (fast der Hälfte aller Todesfälle Spaniens) das Epizentrum der Krise?, fragt man sich in der Hauptstadt. Für Unmut sorgte unter anderem auch, dass die Regierung Zehntausende mangelhafte Testkits kaufte. Mehr Fehler darf sich Madrid nicht leisten, warnte „El Mundo“: Die Verschärfung des Ausgangsverbots sei Sánchez' „letzte Kugel“.

Coronavirus - Spanien - pexels
Spanien ist eines der Länder weltweit, die am härtesten von der Covid-19-Pandemie betroffen sind. Allerdings ist das Land auf einem Weg der Besserung.
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