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Coronavirus

Schutzmaskenpflicht in Supermärkten - ab 6. April verpflichtend

Die von der Regierung angekündigte Schutzmaskenpflicht in Supermärkten tritt mit 6. April in Kraft, wirft jeodch gleichzeitig viele Unklarheiten auf – insbesondere bezüglich der Organisation der Maskenverteilung in den Geschäften. Eine einheitliche Handhabung ist bisher nicht in Sicht. Auch wenn Schutzmasken derzeit ein knappes Gut sind, warnen Experten vor mehrmaliger Verwendung. 

red/Agenturen

Der Nationalrat wird am Freitag eine rechtliche Grundlage für den künftig in Supermärkten verpflichtenden Mund- und Nasenschutz schaffen. Demnach wird das Tragen von Mund-Nasen-Masken in Supermärkten, Drogerien und Drogeriemärkten spätestens mit 6. April zur Pflicht. Das geht aus einem Erlass des Gesundheitsministeriums hervor, der am Dienstag an die Bundesländer ergangen ist. Geschäfte, deren Kundenbereich kleiner als 400 Quadratmeter ist, sind davon allerdings ausgenommen, geht aus dem Erlass hervor. Dort gelten weiter nur die bisherigen Hygienevorschriften in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, etwa das Einhalten des Ein-Meter-Abstands.

Außerdem müssen die Kunden per Aushang/Piktogramm darauf hingewiesen werden, „dass bei Vorhandensein von (nicht näher definierten, Anm.) Symptomen die Geschäftsräumlichkeiten nicht betreten werden dürfen“.

Die Mitarbeiter müssen damit Masken und Handschuhe tragen. Den Kunden sind die Mund-Nase-Masken „ab Verfügbarkeit“ und „kostenfrei“ zur Verfügung zu stellen. Die Kunden dürfen dann nur noch in den Verkaufsraum, „wenn sie mechanische Schutzvorrichtungen tragen“.

Haltegriffe der Einkaufswägen sind nach jedem Kundengebrauch zu desinfizieren. Flächen und etwa Griffe von Gefriertruhen müssen regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. Der Plexiglasschutz bei den Kassen wird ebenfalls Pflicht. Bei den Kassen müssen Ein-Meter-Markierungen angebracht werden.

Generell gilt: „Die Gestaltung der Verkaufsflächen soll derart vorgenommen werden, dass der Sicherheitsabstand eingehalten werden kann.“ Und: „Die Verwendung von Einkaufswägen zur Sicherstellung des Abstandes soll vorgesehen werden.“ Den Kunden soll das kontaktlose Zahlen empfohlen werden.

Die Supermärkte müssen zudem eine Höchstzahl von Kunden festlegen, die gleichzeitig hereindürfen, um den vorgeschriebenen Ein-Meter-Sicherheitsabstand sicherzustellen. „Bei Erreichen dieser Anzahl dürfen zusätzliche Kunden den Supermarkt nur betreten, wenn ihn zuvor welche verlassen haben (“one-in-one-out“)“, heißt es im Erlass.

Handhabung im Supermarkt teils schwierig

Bei Hofer seien die Masken künftig an den Kassen erhältlich, hieß es in einem Statement gegenüber der APA. Zudem sei der mehrmalige Gebrauch der Masken durchaus erwünscht. „Wir ersuchen unsere Kunden die MNS-Masken so oft wie möglich zu verwenden, damit wir eine längerfristige Verfügbarkeit sicherstellen können“, hieß es vom Unternehmen. Kunden könnten auch ihre eigenen Masken mitnehmen.

Ähnlich sieht man das bei der Billa- und Bipa-Mutter Rewe. „Wir werden niemanden wegweisen, so lange Mund und Nase in der Filiale bedeckt sind,“ so ein Sprecher zur APA. „Unsere Kunden können auch von zuhause mitgenommene bzw. selbst produzierte Masken für ihren Einkauf verwenden – die Verwendung von selbst hergestelltem Schutz aus Stoff, etwa aus Tüchern und Schals, ist ebenfalls zulässig, so Rewe. Auch die mehrmalige Verwendung sei erlaubt und erbeten. Dies merkt auch Lidl an, „ansonsten wird es innerhalb kürzester Zeit zu weiteren Engpässen kommen“.

Wiederverwendung von Masken?

Bei der Verwendung einer Maske müsse man die nächsten Schritte unbedingt mitdenken, sagte der Krankenhaushygieniker Alexander Blacky. Am sichersten sei natürlich, die Maske nach dem Einkauf im Supermarkt zu entsorgen, meinte er. Nachdem Masken vielerorts Mangelware sein werden, könne man die im Handel ausgeteilten Masken aber durchaus auch mitnehmen, sie zu Hause „regenerieren“ und dann wiederverwenden, so Blacky. Zum Austrocknen der Masken könne man sie etwa für 30 Minuten bei etwa 80 Grad ins Backrohr legen, erklärte der Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie. Die meisten Bakterien und Viren, so auch das Coronavirus, seien „sehr empfindlich aufs Austrocknen“, sagte er. Bei selbst genähten Masken sei auch Auskochen möglich, für das Material von OP-Masken wäre das seiner Meinung nach nicht geeignet. Als Notvariante bzw. zum Lagern empfiehlt er, die Masken daheim aufzuhängen, etwa an einer Wäscheleine. „Bakterien und Viren haben keine Flügel“, so Blacky, der diese Variante als sicher betrachtet.

Andere Experten stehen der Wiederverwertbarkeit von Mund-Nasen-Schutzmasken (MNS) jedoch skeptisch gegenüber. So betonte der Vizerektor der MedUni Wien, Oswald Wagner, im Ö1-Mittagsjournal des ORF-Radio, dies zu unterlassen. „Die Maske aus dem Supermarkt bitte nicht wiederverwenden“, meinte Wagner darauf angesprochen. Selbst gebastelte Masken z.B. aus Stoff könnten indes nach einem Waschgang mit 60 Grad wieder benutzt werden, hielt er fest.

Schutzmasken sind knappes Gut

Wie genau die Masken verteilt werden sollen, ließ Rewe offen. Ein erstes Kontingent an MNS-Masken stehe laut dem Sprecher zur Verfügung, das ab morgen, Mittwoch, als „Erstausstattung“ in den Filialen verteilt werde. Dabei soll nur maximal ein Stück pro Kunde vergeben werden und nur „solange der Vorrat reicht“. Man bemühe sich um Nachschub, allerdings seien Schutzmasken derzeit ein knappes Gut und Lieferungen unterlägen Hindernissen wie Grenzsperren, Ausfuhrverboten und Lieferverzögerungen.

Der Diskonter Hofer hofft darauf, dass die Masken-Lieferungen in den kommenden Tagen eintreffen werden. „Bis zu dem Zeitpunkt einer lückenlosen Verfügbarkeit wird es Kunden auch ermöglicht, ohne MNS-Maske in unseren Filialen einkaufen zu gehen“, so das Unternehmen. Der Diskonter unterstütze überdies die Vorgehensweise der Regierung, die mit Hofer akkordiert gewesen sei.

Nicht so einfach dürfte es für Nah&Frisch sein – der Lebensmittelhändler hatte bereits am Montagabend bekanntgegeben, nicht von den Maßnahmen der Regierung informiert worden zu sein. Es sei sehr schwer, Masken zu bekommen sagte Geschäftsführer Hannes Wuchterl am Dienstag im Ö1-Mittagsjournal. Wuchterl rechne mit Kosten von knapp unter einem Euro pro Maske. Insgesamt werde die Maßnahme Hunderttausende Euro pro Woche kosten, da voraussichtlich auch Hunderttausende Masken pro Woche benötigt würden.

Laut einer Aussendung des Handelsverbands vom Montag dürften die Händler jeden Tag vier Millionen Masken benötigen. Wer die Kosten am Ende übernehmen soll, sei noch nicht klar – für die Kunden sollen sie jedenfalls gratis sein. Die Verteilung der Masken werde wohl auf die Mitarbeiter entfallen, für Kontrollen beim Eingang gebe es nicht genügend Personal, so Wuchterl.

Auch bei Spar werden die Mitarbeiter mit der Verteilung betraut werden. „Die Masken werden ganz sicher nicht einfach aufliegen,“ so die Spar-Sprecherin zur APA. Damit sollen „Masken-Hamsterer“ verhindert und gewährleistet werden, dass jeder Kunde auch nur eine Maske bekommt. Spar habe bis zu 20 Millionen Masken bestellt, berichtete das Ö1-Mittagsjournal. Zu den Kosten wollte sich die Sprecherin nicht äußern. Man habe via Handelsverband aber die „Ansage“ an die Regierung gerichtet, „dass wir das vergütet bekommen“.