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Coronavirus in China

Infizierten-Zahl steigt mit neuer Zählweise, Ausgangssperre in Wuhan wirkte

In China ist die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen im Vergleich zum Vortag wegen einer neuen Zählweise deutlich gestiegen. Wie aus den Daten der Pekinger Gesundheitskommission vom Mittwoch hervorging, wurden erstmals auch solche Menschen in die offizielle Statistik aufgenommen, die zwar positiv auf das Virus getestet wurden, aber keine Symptome zeigten. Indes bescheinigt eine Studie, dass die Ausgangssperre in der chinesischen Stadt Wuhan womöglich 700.000 Ansteckungen verhindert und die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus signifikant verzögert hat.

red/Agenturen

Laut der Kommission gab es im Vergleich zum Vortag 130 neue Nachweise dieser Art. Insgesamt stünden derzeit 1367 „asymptomatische“ Fälle unter Beobachtung. Die Zahl der bestätigten Infektionen mit Symptomen stieg den offiziellen Daten zufolge um 36, wovon 35 bei Menschen nachgewiesen wurden, die aus dem Ausland nach China eingereist waren. Erneut wurden auch sieben Todesfälle gemeldet.

Als Gesamtzahl nachgewiesener Infektionen auf dem chinesischen Festland seit Ausbruch der Lungenkrankheit Covid-19 wurden 81.554 Fälle genannt. Die Infektionen ohne Symptome fließen in diese Gesamtzahl jedoch weiterhin nicht ein, sondern werden separat gezählt. Darüber, wie viele positiv getestete Fälle ohne Symptome es bisher insgesamt gab, machte die Kommission keine Angabe.

Studie: Ausgangsperre in Wuhan hat womöglich 700.000 Ansteckungen verhindert

Auch gab es keine Angabe dazu, wie viele Menschen täglich getestet werden. Zudem scheint unklar, inwieweit die offizielle Statistik die wahre Lage spiegelt und wie hoch die Dunkelziffer ist. Für Zweifel sorgt so etwa, dass China die Zählweise schon in den vergangenen Monaten mehrfach geändert hatte.

Indes bescheinigt eine Studie, dass die Ausgangssperre in der chinesischen Stadt Wuhan womöglich 700.000 Ansteckungen verhindert und die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus signifikant verzögert hat. Die drastischen Maßnahmen in Wuhan, das als Epizentrum der Pandemie gilt, innerhalb der ersten 50 Tage hätten anderen Städten im Land wertvolle Zeit zur Vorbereitung eigener Beschränkungen verschafft, schreiben Forscher aus China, den USA und Großbritannien in einem am Dienstag in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlichten Beitrag.

„Übertragungskette erfolgreich durchbrochen“ 

Bis zum 19. Februar, dem 50. Tag nach dem Ausbruch, gab es den Autoren zufolge in China 30.000 bestätigte Corona-Infektionsfälle. „Unsere Analyse legt nahe, dass es ohne das Reiseverbot in Wuhan und die nationale Notfallreaktion bis zu diesem Zeitpunkt mehr als 700.000 bestätigte Covid-19-Fälle außerhalb von Wuhan gegeben hätte“, erklärte Christopher Dye, Wissenschaftler der Universität von Oxford. „Chinas Kontrollmaßnahmen scheinen gewirkt zu haben, indem sie die Übertragungskette erfolgreich durchbrochen haben.“

Die Forscher verwendeten Fallberichte, Informationen der Gesundheitsbehörden und Handy-Daten, um die Verbreitung des Virus zu untersuchen. Die Ortung von Mobiltelefonen habe einen „faszinierenden“ neuen Datensatz geliefert, sagte ein weiterer Autor des Beitrags, der Biologe Ottar Bjornstad von der US-Universität Penn State. „Die Analyse ergab einen außerordentlichen Rückgang der Bewegungen nach dem Reiseverbot vom 23. Januar 2020.“ Auf der Grundlage dieser Daten konnten die Wissenschaftler den wahrscheinlichen Rückgang der mit Wuhan in Verbindung stehenden Fälle in anderen Städten Chinas berechnen.

Als Peking vor mehr als zwei Monaten die Millionenmetropole Wuhan abriegelte, wurde die Entscheidung als drastischer Schritt im Kampf gegen das Virus angesehen. Mittlerweile gelten für fast die Hälfte der Erdbevölkerung Ausgangsbeschränkungen. Weltweit sind nach Angaben der Johns Hopkins Universität bislang mehr als 850.000 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Über 40.000 Menschen starben an der Lungenkrankheit Covid-19.

Wangfujing in Peking/China
China zählt nun auch symptomlos Infizierte.
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