Coronavirus

Europa mit mehreren Pandemiehotspots, Österreich hat 1100 Hospitalisierte

Die Zahl der Personen, die sich in Österreich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert haben, ist am Dienstag erstmals auf über 10.000 gestiegen. Laut Gesundheitsministerium sind bisher (Stand: 09:00 Uhr) 10.298 Menschen positiv auf das Virus getestet worden. Das Tragen von Mund-Nasen-Masken in Supermärkten und Drogerien wird spätestens am Montag (6. April) verpflichtend sein.

red/Agenturen

Die meisten Fälle gab es in Tirol mit 2.388, gefolgt von Niederösterreich (1.655) und Oberösterreich (1.656). In Wien galten 1.435 Personen offiziell als infiziert. Die Zahl von Personen, deren Ableben mit dem Coronavirus in Verbindung steht, wurde (Stand 9:00 Uhr) mit 128 beziffert. Im Spital behandelt wurden (Stand 9:00 Uhr) 1.110 Personen, intensivmedizinisch betreut wurden 198 Patienten.

Das Coronavirus wird bald den Alltag der Österreicher noch weiter verändern, denn das Tragen von Mund-Nasen-Masken in Supermärkten, Drogerien und Drogeriemärkten steht vor der Türe: Spätestens mit Beginn der kommenden Woche wird die Schutzmaßnahme einem Erlass des Gesundheitsministeriums zufolge für Alle Pflicht. Geschäfte, deren Kundenbereich kleiner als 400 Quadratmeter ist, sind davon allerdings ausgenommen. Außerdem müssen die Kunden per Aushang/Piktogramm darauf hingewiesen werden, „dass bei Vorhandensein von (nicht näher definierten, Anm.) Symptomen die Geschäftsräumlichkeiten nicht betreten werden dürfen“.

Keine Entspannung in Schulen

Das Land Salzburg verschärfte indes schon am Dienstag den Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie weiter: Nach dem Gasteiner- und dem Großarltal sowie der Gemeinde Flachau sollten ab Mitternacht auch Altenmarkt, Zell am See und Saalbach unter Quarantäne gestellt werden. Zudem wird in Flachau die Bewegungsfreiheit weiter eingeschränkt. Diese Sperren gelten vorerst bis Ostermontag.

Keine Entspannung gibt es auch in der Bildung: Die Schulen und Hochschulen bleiben aufgrund der Corona-Pandemie wohl noch bis mindestens Ende April im derzeitigen Notbetrieb. Eine mögliche Öffnung soll dann schrittweise erfolgen - zunächst für Maturanten und andere Abschlussklassen bzw. für Prüfungen. Ein konkretes Datum nannte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) allerdings nicht. An den Hochschulen soll das derzeit laufende Sommersemester als „neutrales Semester“ bewertet werden. Damit können etwa Beihilfen länger bezogen werden.

Drei Monate nach den ersten gemeldeten Fällen gibt es weltweit mittlerweile rund 800.000 bestätigte Infektionen sowie fast 40.000 Todesfälle. Von den bis Dienstagvormittag nachgewiesenen 777.798 Fällen gehen 386.282 - also knapp die Hälfte - auf Europa zurück, wie das Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) mitteilte.

Italien mit leichter Verbesserung, Spanien am Peak

In Italien, einem der Hotspots in Europa, gab es einen ersten Hoffnungsschimmer. Laut Oberstem Gesundheitsinstitut (ISS) stabilisiert sich die Epidemiekurve. Die Zahl der Neuinfizierten sei seit einigen Tagen stabil, was bezeuge, dass die Eingrenzungsmaßnahmen greifen, berichteten die Experten am Dienstag. „Die Epidemiekurve zeigt uns, dass wir eine stabile Phase erreicht haben“, sagte ISS-Präsident Silvio Brusaferro. Seiner Ansicht nach können die produktiven Aktivitäten jedoch nur schrittweise wieder aufgenommen werden. Die Regierung prüft eine Auflockerung der Ausgangssperre und des Produktionsstopps auch erst nach dem 4. Mai.

Spanien hat indes weiterhin seit Tagen knapp alle zwei Minuten einen Corona-Toten zu beklagen. Am Dienstag wurde mit 849 neuen Fällen binnen 24 Stunden ein trauriger Rekord gemeldet. Nirgendwo auf der Welt gibt es derzeit so viele neue Todesopfer. Den Intensivstationen droht der Kollaps. Um die Eindämmung der Krise zu beschleunigen, beschloss die linke Regierung eine ebenso drastische wie umstrittene Verschärfung des Ausgangsverbots, die am Dienstag in Kraft trat. Sehr zum Ärger vieler Politiker und fast aller Unternehmer.

Angespannt blieb die Lage auch auf der britischen Insel. Premierminister Boris Johnson gerät wegen erheblicher Mängel bei der Bekämpfung der Pandemie immer stärker unter Druck. Nach Angaben der Ärztegewerkschaft British Medical Association fehlt es in Kliniken und bei Hausärzten an Ausrüstungen. Krankenschwestern hatten berichtet, dass sie ohne Schutz Patienten versorgen mussten. Wie die Ärzteorganisation Royal College of Physicians mitteilte, ist jeder vierte Mediziner des staatlichen Gesundheitsdienstes NHS inzwischen „krank oder in Isolation“.

Putin greift hart durch, in Asien erste Welle vorbei

Hochgefahren wurden die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus nun auch in Russland. Dort drohen bei Verstößen gegen die Quarantäne bis zu sieben Jahre Haft. Das Unterhaus des russischen Parlaments verabschiedete am Dienstag im Eilverfahren ein entsprechendes Gesetz. Zudem wurden die Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie ausgeweitet. In mehr als 40 der 85 Regionen Russlands ist das öffentliche Leben damit weitgehend lahmgelegt.

Die USA sind, gemessen an der Zahl der bestätigten Infektionen, inzwischen weltweit am schwersten von der Coronavirus-Pandemie betroffen. Nachgewiesen sind bereits mehr als doppelt so viele Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 wie in China, wo die Lungenerkrankung Covid-19 erstmals nachgewiesen wurde: Am Dienstag verzeichnete die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore mehr als 164.700 Fälle. In China liegt die Zahl bei mehr als 82.270

Mit ausgeweiteten Schutzmaßnahmen wollen die USA in der sich verschärfenden Krise das Schlimmste verhindern. Die Versuche der Regierung in Washington, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, werden auch Konsequenzen für Reisende aus Europa haben. Der zunächst auf einen Monat begrenzte Einreisestopp soll nach Angaben von US-Präsident Donald Trump verlängert werden.

In Asien ist die erste Welle hingegen vorüber. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt jedoch davor, in der Region von einer Entspannung auszugehen. Die Epidemie dort sei „noch längst nicht vorbei“, sagte der WHO-Vertreter Takeshi Kasai. Die aktuellen Maßnahmen gegen die Virus-Ausbreitung würden den Ländern lediglich Zeit bringen, um sich auf hohe Übertragungsraten vorzubereiten. „Das wird ein langer Kampf und wir können den Schutz nicht herunterfahren“, so Kasai. Das gelte auch für Länder mit sinkenden Zahlen bei Neuinfektionen. Das Virus könne zurückkommen, kein Land sei davor sicher.

 

Europakarte
Spanien und Frankreich gehören derzeit zu den Ländern mit hohen Fallzahlen und vielen schwer Erkrankten.
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