Coronavirus 

Drogenkranke müssen versorgt werden

Knapp 60 Prozent der Opiatabhängigen sind in Substitutionstherapie mit entsprechenden Medikamenten wie retardiertes Morphin, Methadon oder Buprenorphin. Mit Covid-19 mussten neue Versorgungsmodelle entwickelt werden. „Das Ziel ist, suchtkranke Menschen gut zu versorgen, damit sie in der Lage sind, die Maßnahmen zur Bewegungsbeschränkung einzuhalten“, sagte Wiens Drogenkoordinator Ewald Lochner.

red/Agenturen

Im Endeffekt geht es auch bei der Betreuung der Drogenabhängigen um präventive Ziele. Lochner: „Das schützt die oft immunschwachen Betroffenen sowie die Behandelnden vor Infektionen, entlastet den öffentlichen Raum und hält Kapazitäten in den Spitäler frei.“

Organisatorisch bedeutet das eine Herausforderung, wie Wiens Beauftragter für Sucht- und Drogenfragen, Hans Haltmayer, am Mittwoch gegenüber der APA erklärte: „Wir mussten unsere Abläufe adaptieren. Wir mussten ganz auf die Akutversorgung unserer Patienten umstellen.“

Die Ambulanz der Suchthilfe Wien ("Jedmayer") sei ziemlich ausgelastet, erklärte der Arzt: „Wir werden weiterhin stark in Anspruch genommen. Zum Glück ist noch niemand unseres Betreuerteams ausgefallen.“

Substitutionsmedikamente für Opiatabhängige werden in Wien im Quarantänefall auch zugestellt

Drogenabhängige in Substitutionstherapie benötigen regelmäßig ihre vom Arzt verschriebenen Medikamente. In Wien läuft das im Quarantänefall via Sozialarbeiter, welche die Betroffenen aufsuchen. Haltmayer: „Wir haben für Patienten in Heimquarantäne auch einen Lieferservice aufgebaut.“ Zur Verfügung gestellt werden im Bedarfsfall auch Spritzen, ganz wie sonst im Rahmen des Spritzentauschprogramms.

Derzeit sind die Regelungen für die Verschreibung der Substitutionsmedikamente durch Ärzte gelockert. „Die Vidierung der Rezepte durch die Amtsärzte entfällt derzeit. Früher war es so, dass arbeitslose oder instabile Patienten in Substitutionsbehandlung dann jeden Tag in die Apotheke gehen mussten, um sich das Medikament zu holen. Stabile Patienten mussten nur einmal wöchentlich in eine Apotheke, ihr Substitutionsmedikament dort einmal unter Sichtkontrolle einnehmen und erhielten das Mittel für den Rest der Woche zum Mitnehmen“, sagte ein Wiener Hausarzt gegenüber der APA.

Die neue Regelung sieht so aus, wie der Arzt erklärte: „Das Rezept muss nicht vom Amtsarzt vidiert werden. Ist der Patient stabil und der Arzt sicher, dass er keine Mittel aus anderen Quellen zusätzlich erhält, kann ihm die Apotheke den Monatsbedarf mitgeben.“ Wie es eben so sei, völlig sicher könne sich der verschreibende Arzt nicht in allen Fällen sein. „Bei manchen Patienten bin ich mir sicher, bei anderen nicht so ganz.“

Derzeit sei die Abwicklung aber noch recht aufwendig. Der Arzt: „Der Patient bekommt die Kopie des Rezeptes für das Substitutionsmedikament. Das Rezept bleibt beim Arzt für etwaige Kontrollen durch das Gesundheitsamt. Außerdem muss man das Rezept an die Apotheke faxen, in der sich der Patient das Arzneimittel abholt.“ Nicht wirklich einzusehen sei, dass manche Apotheken Patienten nur noch via Nachtdienst-Guckloch-Klappe betreuten. Das sei speziell für Drogenabhängige stigmatisierend.