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Coronavirus

Immer mehr Länder setzen auf Schutzmasken

Im Kampf gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus führte Österreich zuletzt eine Maskenpflicht für Supermärkte ein. Experten sind sich indes noch uneins bei der Maskenpflicht für Gesunde. Neben Österreich setzen immer mehr Länder auf das Tragen von Masken. 

red/Agenturen

Auch in Deutschland raten führende Hygieniker zum Tragen eines einfachen Mund-Nase-Schutzes, weil dieser effektiv vor einer Corona-Ansteckung schütze. Wer angehustet werde und einen Mundschutz trage, „schützt sich vor dem größten Teil der Tröpfchen, die im Tuch oder Stoff hängen bleiben“, sagte Peter Walger, Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH).

Selbst ein Schal schütze vor Tröpfchen. Nur ein kleiner Teil würde durch die Poren hindurchfinden, und das auch nur bei großer Nähe zum Hustenden. Beim Spazierengehen brauche aber niemand eine Maske, wenn ein Abstand von etwa eineinhalb Metern eingehalten werde und Anhusten unterbleibe. 

Israels Regierung empfiehlt Maskentragen in Öffentlichkeit

Die israelische Regierung empfiehlt auch das Tragen von Schutzmasken in der Öffentlichkeit. „Wir bitten euch, Bürger von Israel, alle von euch, Masken im öffentlichen Raum zu tragen“, sagte der rechtskonservative Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am späten Mittwochabend.“

Wenn Ihr keine Masken habt, dann benutzt einen Schal oder irgendeinen anderen Gesichtsschutz, der die Ausbreitung des Virus' auf andere reduziert.“ Wer keine medizinische oder andere industriell hergestellte Maske besitze, könne sich auch aus Stoff eine Maske selbst nähen, teilte das Gesundheitsministerium mit. Unter anderem sei es dabei wichtig, zwei oder drei Lagen Stoff zu verwenden, abhängig von der Struktur des Stoffes. Der Stoff sollte außerdem bei mehr als 70 Grad gewaschen werden können, um die Maske mehrfach verwenden zu können.

Israel mit seinen rund neun Millionen Einwohnern hat angesichts der Ausbreitung des Coronavirus strenge Ausgangsbeschränkungen verhängt. Zahlreiche Menschen tragen auf der Straße Masken und Handschuhe. Es gibt Gebäude im Gesundheitssektor, die dürfen auch nur noch mit Masken betreten werden.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums ist der Erreger Sars-CoV-2 mittlerweile bei 6.211 Personen in Israel nachgewiesen worden, 289 sind wieder genesen. 30 Menschen sind den Angaben zufolge nach einer Coronavirus-Infektion gestorben.

Mundschutz-Spenden aus China für den Vatikan

Der Vatikan hat 100.000 Schutzmasken als Spende aus China erhalten. Chinesische Katholiken hätten gesammelt und die Ausrüstung über die staatliche katholische Wohlfahrtsorganisation Jinde Charities nach Italien geschickt, berichtete die italienische katholische Nachrichtenagentur SIR laut Kathpress am Mittwochabend. Begleitet war die Lieferung demnach von der Botschaft: „Heiliger Vater, passen Sie während der Epidemie gut auf sich auf!"

Ebenfalls 100.000 Masken hatten die Chinesen zuvor an die Caritas in Mailand geschickt. Anfang Februar hatte der Vatikan seinerseits 700.000 Schutzmasken organisiert und nach China übersandt. Diese waren vom Heiligen Stuhl und von chinesischen Christen in Italien gespendet worden. Die jetzige Spende sei als Dank für diese frühere Lieferung gedacht, hieß es.

Trump rät als Schutz vor Corona-Ansteckung zum Schaltragen

US-Präsident Donald Trump rät der Bevölkerung angesichts des Mangels an Atemschutzmasken in der Krise, sich stattdessen mit einem Schal vor einer Ansteckung zu schützen. Schals oder Tücher würden von Experten sehr empfohlen und seien je nach Material „in gewisser Weise“ sogar besser geeignet, sagte Donald Trump am Mittwochabend (Ortszeit) im Weißen Haus in Washington. Genauer wurde er nicht. Er betonte aber: „Ich sehe nicht, wo das schadet.“ Wichtig sei, medizinischem Personal keine Masken wegzunehmen.

Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus sind Schutzmasken auch in den USA zur Mangelware geworden. Die US-Regierung bemüht sich seit Tagen, die Produktion insbesondere für medizinisches Personal hochzufahren. Wegen des Mangels hatte die Lebens- und Arzneimittelbehörde der USA (FDA) am Wochenende eine Ausnahmegenehmigung erlassen, dass von Krankenhauspersonal verwendete Masken eines bestimmten Typs bis zu 20 Mal sterilisiert und wiederverwendet werden dürfen.

Regierung der Philippinen ordnete Maskentragen in Öffentlichkeit an

Die Regierung der Philippinen hat das Tragen von Atemschutzmasken in der Öffentlichkeit angeordnet. Es seien auch wiederverwertbare oder selbst gemachte Masken, Gesichtsschutzmasken und Taschentücher erlaubt, um die Ansteckungsgefahr zu verringern, hieß es am Donnerstag in einer Erklärung. Die Pflicht gilt für die Hauptinsel Luzon, wo mehr als die Hälfte der über 100 Millionen Einwohner leben. Dort gelten seit dem 16. März bereits strenge Ausgangsbeschränkungen.“

Wenn Sie das Haus verlassen müssen, müssen Sie eine Maske tragen“, bekräftigte der zuständige Regierungsbeamte Karlo Nograles. Örtliche Behörden seien angewiesen, bei Verstößen notfalls Strafen zu verhängen. In dem südostasiatischen Inselstaat haben die Gesundheitsbehörden bisher 2.311 bestätigte Fälle von Sars-CoV-2-Infektionen sowie 96 Tote wegen der von dem Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 gemeldet.

Experten geteilter Meinung in Sachen Masken

Renommierte Gesundheitsorganisationen sehen die „Maskenpflicht“ für Gesunde aber skeptisch. So weist die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem Video darauf hin, dass das alleinige Tragen von „medizinischen Masken“ nicht vor dem Coronavirus schützt. Das Tragen müsse kombiniert werden mit zusätzlichen Maßnahmen wie Händewaschen. Daher empfiehlt die WHO das Tragen von Masken „nur in speziellen Fällen“: „Wenn Sie Husten, Fieber und Atemschwierigkeiten haben, tragen Sie eine Maske und suchen Sie medizinische Versorgung auf. Wenn Sie diese Symptome nicht haben, brauchen Sie auch keine Maske tragen, da es keine Beweise gibt, dass sie Menschen schützt, die nicht krank sind.“

Kümmert man sich allerdings um eine andere Person, die mit dem Virus infiziert sein könnte, sollte man laut WHO wenn man sich im selben Raum wie die Person aufhält, schon eine Maske tragen. Die Organisation warnt aber auch vor dem Tragen einer Maske, denn das Tragen könne „ein falsches Gefühl des Schutzes vermitteln und eine Infektionsquelle sein, wenn sie nicht richtig verwendet wird“.

Diese Meinung teilen auch das US-Zentrum für Krankheitskontrolle (CDC), die Berliner Charite, das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und die Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit (AGES). Die MedUni Wien und dessen Zentrum für Public Health befürworten hingegen die Maßnahmen der Regierung und sprechen sich für das verbreitete Tragen von Masken aus.

Robert Koch-Institut ändert Einschätzung zu Mundschutz 

Das Robert-Koch-Institut hat hingegen seine bisherige Einschätzung für das Tragen von Mundschutz geändert. Wenn Menschen – auch ohne Symptome – vorsorglich eine Maske tragen, könnte das das Risiko einer Übertragung von Viren auf andere mindern, hieß es auf der Internetseite der Bundesbehörde. Wissenschaftlich belegt sei das aber nicht. Zuvor hatte das RKI den Mundschutz nur Menschen mit akuten Atemwegserkrankungen empfohlen.

Nicht jeder, der mit Sars-CoV-2 infiziert ist, bemerke das auch, hieß es. Manche Infizierte erkrankten gar nicht, könnten den Erreger aber trotzdem weitergeben. Regeln zum Husten- und Niesen, zur Händehygiene und zum Mindestabstand sollten auch mit Masken weiterhin eingehalten werden. 

CDC: Gesichtsmasken nur für Menschen, die Symptome zeigen

Das Zentrum für Krankheitskontrolle (CDC) schreibt auf seiner Website: „Das CDC empfiehlt nicht, dass Menschen, denen es gut geht, eine Gesichtsmaske tragen, um sich vor Atemwegserkrankungen, einschließlich Covid-19, zu schützen.“ Eine Gesichtsmaske solle von Menschen, die das Coronavirus haben und Symptome zeigen, getragen werden. „Dies dient dem Schutz anderer vor dem Risiko, sich anzustecken.“ Gesichtsmasken sind laut dem CDC auch für Personen, die eine Person mit Coronavirus in engen Räumen (zB. Zuhause) pflegen sowie für Mitarbeiter des Gesundheitswesen „von entscheidender Bedeutung“.

Die Berliner Charite schreibt auf ihrer Website, dass es nicht bewiesen sei, dass „sich das Ansteckungsrisiko für eine gesunde Privatperson signifikant verringert, wenn sie einen Mund-Nasen-Schutz trägt“. Zudem weist die deutsche Klinik - wie schon die WHO - darauf hin, dass „ein falsches Sicherheitsgefühl dazu verleiten“ könne, „zentrale Hygienemaßnahmen (...) zu vernachlässigen“. In dem Zusammenhang wird auch auf die weltweite Knappheit von Gesichtsmasken aufmerksam gemacht.

Das deutsche Robert-Koch-Institut vertritt wie schon das CDC und die WHO die Ansicht, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (MNS) sinnvoll ist, „wenn sich eine an einer akuten respiratorischen Infektion erkrankte Person im öffentlichen Raum bewegen muss“. Abstandsregeln sollten trotzdem eingehalten werden. Das Institut erwähnt auch die fehlende Evidenz hinsichtlich der Verringerung einer Ansteckungsgefahr beim Tragen einer Maske und verweist auf die Angaben der WHO.

So sieht das auch das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Dessen Experten weisen so wie die Berliner Charite und die WHO aufgrund „eines falschen Sicherheitsgefühls und des verstärkten Kontakts zwischen Händen, Mund und Augen“ auch auf ein mögliches höheres Infektionsrisiko durch das Tragen einer Maske hin.

MedUni sieht Masken als „hervorragende Maßnahme“

Univ. Prof. Dr. Franz Allerberger sagt in einem Video auf der Website der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES), dass es anhand von vorhandenen Studien nicht belegbar sei, dass das Tragen einer Maske bei „durch die Luft übertragenen Krankheitserregern“ einen wirklichen Effekt habe. „Man sieht ja bei diesen Einmal-Mundschutzmasken links, rechts, oben, unten wie die Luft hineinkommt“, so Allerberger.

Diesen sechs Quellen gegenüber steht die MedUni Wien, die die Maßnahmen der österreichischen Regierung am Dienstag als „hervorragende Maßnahme“ bezeichnete. Vizerektor Oswald Wagner plädierte sogar für eine Ausweitung der Regelung. Auch das Zentrum für Public Health an der MedUni Wien sprach sich in einem Brief für eine Maskenpflicht im gesamten öffentlichen Raum aus. „Diese Maßnahme hat nachweislich zur Eindämmung der Covid-19-Epidemie u.a. in Japan beigetragen. Dabei dienen die Masken nicht dem Schutz vor Ansteckung, sondern dem Schutz der Kontaktpersonen vor einer Ansteckung durch einen latent oder asymptomatisch Infizierten“, heißt es in dem der APA vorliegenden Schreiben.

MedUni Wien-Vizerektor Wagner wies aber auch darauf hin, dass Masken alleine nicht reichten und dass jeder eine Maske tragen sollte: „Wenn alle diese Masken tragen, dann werden alle auch geschützt“. Wagner ortet auch einen positiven psychologischen Effekt, der von keiner der zuvor genannten Quellen angesprochen wurde, nämlich dass die sichtbaren Masken als Warnung Abstand zu halten, dienten.

Maske
Der chirurgische Mund-Nasen-Schutz (auch die Community-Masken) haben einen protektiven Effekt für den Träger und die nächsten Personen.
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