| Aktualisiert:
Coronavirus

Rasante Ausbreitung in den USA

Der Kampf gegen das Coronavirus geht nach Angaben von US-Präsident Donald Trump in den USA in dieser Woche in eine „entscheidende und schwierige Phase“. „Wir werden eine harte Woche haben, wir werden vielleicht etwas mehr als eine harte Woche haben“, sagte Trump am Montagabend (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. „Aber am Ende dieses Tunnels ist gewaltiges Licht.“

red/Agenturen
„Das wird ein Test unserer Widerstandskraft. Das wird die Prüfung unseres Lebens“, sagt der oberste Gesundheitsbeamte, Vizeadmiral Jerome Adams.

Er hob die Bundesstaaten New York und New Jersey hervor - dort ist die Situation besonders angespannt. „Wir werden dieses Virus schlagen, wir werden es zusammen schlagen“, sagte Trump. Der Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten, der Virologe Anthony Fauci, zeigte sich angesichts des Rückgangs der Zahl der neu in den Krankenhäusern in New York aufgenommenen Patienten und der Zahl der dort Intubierten vorsichtig optimistisch.“

Das ist die Art von guten Zeichen, nach denen man sucht“, sagte er. „Man fängt nicht mal an, darüber nachzudenken, vorzeitig einen Sieg zu verkünden, aber das ist das erste, was man sieht, wenn man die Wende sieht.“ Es bleibe noch viel zu tun. „Wir müssen realisieren, dass das trotz all des Leidens und des Todes ein Hinweis darauf ist, dass das, was wir getan haben, funktioniert hat.“ Jetzt gelte es, damit weiterzumachen, um aus der Krise herauszukommen.

Ausgangsbeschränkungen in fast allen Bundesstaaten

Das Coronavirus hat sich in den USA zuletzt rasant ausgebreitet. Allleine an einem Tag sind 1.343 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Das ging aus den Daten der Universität Johns Hopkins für den 6. April hervor. Am Vortag waren es noch rund 1.200 Tote gewesen. Insgesamt sind demnach in den USA bisher rund 11.000 Menschen infolge einer Infektion mit der von dem Virus verursachten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben.

Experten rechnen für die kommenden zehn Tagen mit einem weiteren Anstieg der Opferzahlen. Trumps Beraterin Deborah Birx verwies am Samstag erneut auf eine Modellrechnung, wonach die Opferzahlen noch bis Mitte April auf rund 2.600 Tote pro Tag ansteigen könnten.

Schwerkranke Patienten sterben typischerweise zwei bis drei Wochen nach einer Ansteckung mit dem Virus Sars-CoV-2, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann. Die jüngsten Opfer haben sich zumeist infiziert, bevor die USA zu weitgehenden Schutzmaßnahmen griffen. In besonders betroffenen US-Staaten wie New York, Michigan und Louisiana sei in der nächsten Woche mit deutlich mehr Toten zu rechnen, erklärte Birx am Samstag. Inzwischen haben fast alle Staaten Ausgangsbeschränkungen verhängt. Entscheidend sei es daher, dass die Zahl der Neuansteckungen bald zurückgehe, sagte Birx. Sobald dies der Fall sei, gebe es Licht am Ende des Tunnels.

Bereits rund 370.000 Infektionen in den Vereinigten Staaten

Die Zahl der bekannten Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 lag Dienstagfrüh bei rund 370.000. Die USA, ein Land mit 330 Millionen Einwohnern, haben damit die höchste Infektionszahl aller Länder. 

Eine „außerordentlich schreckliche“ Zeit komme auf die USA zu, sagte Trump. „Wir haben wahrscheinlich noch nie solche Zahlen gesehen. Vielleicht während des Krieges, während eines Ersten oder Zweiten Weltkriegs oder so.“ Laut den Prognosen der Regierung in Washington könnten in den USA zwischen 100.000 und 240.000 Menschen an der Lungenkrankheit sterben. Trump wies in der Pressekonferenz Kritik zurück, wonach die Regierung nicht genug getan habe, um Beatmungsgeräte zu beschaffen. „Die Angst vor Engpässen führt zu überhöhten Anfragen“, erklärte Trump.

Der oberste Gesundheitsbeamte, Vizeadmiral Jerome Adams, fügte am Sonntag im Gespräch mit Fox News hinzu: „Das wird ein Test unserer Widerstandskraft. Das wird die Prüfung unseres Lebens.“ Nun müssten sich alle Amerikaner einen Monat lang an die Schutzmaßnahmen halten und auch in der Öffentlichkeit Masken tragen, forderte er.

New York vor „entscheidenden Tagen“

Von „entscheidenden Tagen“ spricht auch Bill de Blasio, der Bürgermeister von New York, dem Bundesstaat, der am schlimmsten von der Corona-Pandemie betroffen ist. Die Situation in den Krankenhäusern werde sich in der kommenden Woche zuspitzen, sagte de Blasio. Den Krankenhäusern der Stadt fehle es derzeit vor allem an Personal und Beatmungsgeräten, die Beschaffung sei ein Wettlauf gegen die Zeit. „In der modernen Geschichte unser Stadt ist es fast unvorstellbar - aber ich glaube, dass wir es schaffen können, wenn wir die Hilfe bekommen, die wir brauchen“, forderte er erneut Hilfe aus Washington an.

Der US-Bundesstaat New York, in dem die Millionenmetropole liegt, gilt als eines der Zentren der Corona-Pandemie in den USA, auch weil dort derzeit deutlich mehr getestet wird als in anderen Bundesstaaten. Mehr als 100.000 Menschen in New York haben sich bereits mit dem Virus infiziert, wie Gouverneur Andrew Cuomo am Freitag mitteilte. Rund die Hälfte dieser Fälle wird aus New York City gemeldet.

Unterdessen hat das US-Militär hat in New York bereits Feldlazarette für rund 2.500 Patienten errichtet und ein Krankenhaus-Schiff mit rund 1.000 Betten im Einsatz. Am Sonntag sagte Verteidigungsminister Mark Esper im Gespräch mit CNN, die Streitkräfte würden zudem rund 1.100 weitere Ärzte, Krankenschwestern und weiteres medizinisches Personal als Verstärkung nach New York schicken.

27,5 Mio. US-Bürger ohne Krankenversicherung

Indes will die US-Regierung die Behandlungskosten für Bürger ohne Krankenversicherung übernehmen, die sich mit dem Coronavirus infizieren. In dem vom Kongress verabschiedeten Nothilfepaket zur Bekämpfung der Pandemie seien dafür 100 Milliarden Dollar ( (92,8 Mrd. Euro) enthalten, teilte Gesundheitsminister Alex Azar mit. In den USA haben mindestens 27,5 Millionen Bürger keine Krankenversicherung.

Hinzu kommen etwa zehn Millionen Menschen, die in den vergangenen beiden Wochen arbeitslos wurden und somit ihren Krankenversicherungsschutz verloren. Der Vorgänger von Trump, Barack Obama, hatte das nach ihm benannte Gesundheitssystem Obamacare eingeführt, das vielen Millionen US-Bürgern erstmals eine Krankenversicherung ermöglichte. Trump will diese Reform rückgängig machen.

Gesundheitsexperten warnen davor, dass sich viele US-Bürger aus Angst vor den Kosten nicht behandeln ließen, wenn sie sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hätten. So gefährdeten sie nicht nur ihr eigenes Leben, sondern würden das Virus auch weiterverbreiten.

Kritik an Trumps Vorgehen 

In den ersten Wochen der Krise war dem Präsidenten vorgeworfen worden, das Ausmaß der Bedrohung zu verharmlosen und Gegenmaßnahmen zu spät ergriffen zu haben. Noch vor Kurzem äußerte er die Erwartung, dass zu Ostern wieder Kirchenbesuche möglich sein würden. Inzwischen hat Trump allerdings seine Haltung revidiert und wendet sich immer wieder mit Warnungen und Durchhalteparolen an die Bevölkerung. 

Kaum verhohlene Kritik an Trumps Politik kam von seinem Vorgänger Barack Obama. Alle hätten auf allzu furchtbare Weise die Folgen dessen gesehen, dass einige die „Warnungen vor einer Pandemie“ ignoriert hätten, schrieb Obama im Kurzbotschaftendienst Twitter. Er rief alle US-Bürger, insbesondere die jüngeren, auf, im Herbst zur Wahl zu gehen.

US-Behörden empfehlen Tragen von Schutzmasken

Zur Eindämmung der Gesundheitskrise erwägen die US-Behörden nun auch eine Empfehlung zum Tragen von Schutzmasken. Die Task-Force der Regierung diskutiere „sehr aktiv“ über dieses Thema, sagte Fauci, am Dienstag dem US-Nachrichtensender CNN. Bisher sei keine solche Empfehlung an die Bevölkerung ausgesprochen worden, damit kein Mangel an Schutzmasken für medizinisches Personal entstehe.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte gesunden Menschen ohne Symptome bisher explizit nicht dazu geraten, Masken zu tragen. Seit dem Wochenende heißt es nun aber, in der Öffentlichkeit sollten Stoffmasken getragen werden, die Mund und Nase abdeckten. Dies gelte vor allem in Supermärkten oder in Apotheken, wo es schwierig sei, stets genügend Distanz zu anderen Menschen zu halten. Die Empfehlung gilt demnach besonders für Gebiete, in denen es bereits viele Infektionen gibt. Die Schutzwirkung der nun empfohlenen improvisierten Stoffmasken ist indes umstritten. Im Internet und den US-Medien gab es umgehend viele Anleitungen zum Basteln von Masken.

Experten befürchten, dass eine Empfehlung zum Tragen von Schutzmasken eine verstärkte Nachfrage auslösen und damit den Mangel an Masken für Personal im Gesundheitswesen verschärfen könnte. Trump betonte daher, die Empfehlung beziehe sich auf Stoffmasken, die man etwa selbst zu Hause herstellen könne. Er selbst hat bereits klargestellt, dass er sich nicht an die Empfehlung seiner Regierung halten will. „Das ist freiwillig“, sagte er am Freitagabend (Ortszeit). „Ich habe mich entschieden, es nicht zu tun.“

Drastische wirtschaftliche Folgen

Im Kampf gegen die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie wurde das größte Rettungspaket der US-Geschichte beschlossen - es wiegt rund zwei Billionen Dollar (1.847 Mrd. Euro).

Die weitgehende Stilllegung des öffentlichen Lebens zur Eindämmung der Epidemie hat drastische wirtschaftliche Folgen. Allein in der zweiten Märzhälfte haben in den USA rund 10 Millionen Menschen Arbeitslosenhilfe beantragt, die Konjunktur ist im freien Fall. Trump macht daher Druck, die Schutzmaßnahmen so bald wie möglich wieder zu lockern. „Wir müssen das Land wieder geöffnet kriegen“, sagte er.

New York
In dem US-Bundesstaat New York, dem Corona-Epizentrum der USA, ist die Lage nach wie vor angespannt.
pexels
„Wir haben wahrscheinlich noch nie solche Zahlen gesehen. Vielleicht während des Krieges, während eines Ersten oder Zweiten Weltkriegs oder so“, sagt US-Präsident Donald Trump.