Coronavirus

Warum uns die Krise dick macht

Das Coronavirus verändert die Welt: Viele Menschen sterben, die Wirtschaft schrumpft. Aber auch an unseren Körpern wird die Krise Spuren hinterlassen - sie macht dick. „Ich weiß nicht, ob wir aus der Erfahrung gestärkt hervorgehen werden, aber auf jeden Fall dicker“, sagt die Ernährungswissenschafterin Beatrice de Reynal.

red/Agenturen

„Das wird uns allen so gehen, selbst wenn wir versuchen, Sport zu machen“, stößt auch der französische Gesundheitscoach Julian Mercier in das selbe Horn. Mehr als ein Viertel der Menschheit ist derzeit gezwungen, zu Hause zu bleiben. Viele machen sich Sorgen über die Gefahr einer Infektion und um ihre Arbeit. Die Versuchung, sich mit Essen zu trösten, ist groß. „Ich bin der erste, der lieber zu Schokolade als zum Apfel greift“, gesteht Mercier. „Und das wird uns dann zum Verhängnis.“ (Anm.d. Red.: Schokolade kann niemals ein Verhängnis sein ;-))

Wegen der fehlenden Bewegung verbrenne ein Erwachsener derzeit im Durchschnitt bis zu 400 Kilokalorien weniger am Tag, sagt die Ernährungswissenschafterin Jennifer Aubert. Deshalb sollten die Portionen auf dem Teller derzeit kleiner ausfallen und jeder sich so viel wie möglich bewegen - und zwar nicht nur zwischen Sofa und Kühlschrank.

Hamsterkäufer unter Druck

Weniger zu essen dürfte besonders jenen schwer fallen, die sich bei ihren Hamsterkäufen mit verderblichen Lebensmitteln eingedeckt haben. Sie fühlen sich jetzt gezwungen, die großen Vorräte auch aufzuessen.

Die seelische Belastung durch die Pandemie und die ungewisse Zukunft verleite Menschen dazu, sich zu überessen, warnt die britische Gesellschaft für Ernährung. „Gut zu essen und gesund zu bleiben ist angesichts der Belastungen durch den Corona-Ausbruch eine Herausforderung“, erklärt die Gesellschaft. „Essen kann tröstlich sein, und wenn man so viel Zeit zu Hause verbringt und auch noch gerne kocht, dann passiert es schnell, dass man zu viel isst.“

Pascale Hebel vom französischen Forschungsinstitut CREDOC fürchtet, dass Kochmuffel gerade jetzt auf fettige und zu salzige Fertiggerichte zurückgreifen. Andere warnen davor, die Kinder, die nun nicht mehr mit ihren Freunden spielen können, mit Essen bei Laune zu halten. „Um Ärger zu vermeiden, ist es leichter, ihnen die allseits beliebten Spaghetti Bolognese zu kochen, statt ihnen Spinat vorzusetzen“, sagt Gesundheitscoach Mercier. Aber das sei ein Fehler.

Selberkochen essentiell, um gut durch die Krise zu kommen

Um gut in Form durch die Krise zu kommen, sind regelmäßige selbst gekochte Mahlzeiten und körperliche Aktivität entscheidend. Darin sind sich die Experten einig. „Wir haben derzeit mehr Zeit für Sport zu Hause“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Aubert. Wer diese Gelegenheit nutze, könne sogar abnehmen.

Auch zum Kochenlernen ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Der britische Starkoch Jamie Oliver zeigt in einer eigenen Kochshow simple Quarantäne-Rezepte mit wenigen und einfachen Zutaten, zum Beispiel für „schnelle grüne Pasta“. Auch der französische Fernsehkoch Cyril Lignac appelliert, sich nicht gehen zu lassen und das Essen nicht auf Knabbereien vor dem Fernseher zu beschränken. „Diese Zeit ist eine großartige Chance, Kindern und Jugendlichen beizubringen, wie man einfache Gerichte kocht“, sagt er.

TV_popcorn
Die seelische Belastung durch die Pandemie und die ungewisse Zukunft verleite Menschen dazu, sich zu überessen, warnt etwa die britische Gesellschaft für Ernährung.
pixabay