Corona-Pandemie im Medienecho

„Wer wollen wir nach der Krise sein?

Was sagen Länder wie Schweden, das nach wie einen Sonderweg beschreitet, die Niederlande oder das stark betroffene Frankreich medial zur Coronakrise? 

red/Agenturen

„Aftonbladet“ (Stockholm):

„Wer willst du sein, wenn die Krise vorbei ist? Es wird ein Tag kommen, an dem die Coronakrise eine Erinnerung und etwas sein wird, auf das wir zurückschauen werden. Und dann werden wir alle dazu gezwungen, auch auf uns selbst zurückzublicken und darauf, wer wir gewesen sind, bevor die Krise nach Schweden gekommen ist. 'Habe ich an meine Mitmenschen gedacht oder habe ich mich an erste Stelle gesetzt?', waren die Worte des Königs (in einer Ansprache ans Volk am Sonntagabend) dazu. In der Corona-Krise gibt es tatsächlich nur eines, das richtig ist, und eines, das falsch ist: Egoistisch zu sein ist falsch. Und es ist außerdem gefährlich.“

„Le Parisien“ (Paris):

„(...) Muss man in Zeiten der Krise gemeinsam hinter dem Präsidenten stehen? Alle kritischen Stimmen zum Schweigen bringen? Jenseits dieser Diskussionen zeigen Pflegekräfte aus ganz Frankreich täglich das Gesicht eines geeinten Landes. 300 Pflegekräfte sind in der Pariser Region Ile-de-France angekommen, um ihren Kollegen unter die Arme zu greifen. 250 sind in die Region Grand gereist, um die Welle einzudämmen. (...) Bleiben nicht zuletzt die mehr als 600 Patienten, die per Zug, Helikopter oder Flugzeug in die südwestliche Region Aquitanien, nach Brest und Marseille gebracht wurden. Die Nation hat sich mobilisiert. Selbst das sonst so verrufene Europa ist präsent: die Schweiz, Deutschland, Luxemburg nehmen französische Patienten auf. Solidarität ist kein vergebliches Wort.“

„La Repubblica“ (Rom):

„Die Italiener vertrauen zwar der EU nicht. Und nicht einmal dem Euro. Aber sie ziehen es vor, in diesen beiden 'Bereichen' zu bleiben. In der Eurozone, und in der EU. Zur Sicherheit. Oder aus Sicherheitsgründen. Denn draußen zu sein, würde schwere Konsequenzen haben, unheilbare. (...) Und, um den Blick zu erweitern: Was würde aus der Europäischen Union werden, wenn die 'große Krise' Italien und andere Nachbarländer mit sich fortreißen würde? Was würde dann aus der Eurozone? Sie ist eine Region, die nach der Erweiterung um die post-sowjetischen Länder, die im Visegrad-Pakt vereint sind, breiter und gleichzeitig fragiler geworden ist, heute zudem weitgehend ausgerichtet auf die Positionen Deutschlands.

Ohne europäische Solidarität jedoch kann Italien nicht bestehen. Aber eben diese Europäische Union würde ohne Italien (und die Nachbarländer) an Bedeutung verlieren. Wegen des wirtschaftlichen, demografischen und politischen Gewichts unseres Landes. Und wegen der Rolle, die es in der Geschichte der Europäischen Union spielt, als Gründungsmitglied. Die Europäische Union ist nicht zufällig nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, um neue Kriege zu vermeiden. Ein Versprechen, das als gehalten gelten kann. Es ist kein Zufall, dass das Bild des „Weltkriegs“ aktuell erneut benutzt wird.“

„De Tijd“ (Brüssel):

„Alle Maßnahmen kosten Geld, nicht allein hier, sondern auch anderswo in der Welt. In schwer getroffenen Ländern wie Italien, Spanien und Frankreich werden sie tiefe Narben in den Haushalten hinterlassen. Die Schulden in der Eurozone werden explodieren. Die finanzielle Solidarität bleibt in Europa eingeschränkt. Die 'vier Sparsamen' - Deutschland, die Niederlande, Österreich und Finnland - halten an den strengen Maastricht-Regeln fest. Das ist auf die Dauer nicht haltbar. Die Frage ist eher, wie man nach dieser Krise den Euro überleben lassen kann. (...) Wenn die Pandemie vorüber ist, wird das gesamte finanzielle System konfrontiert werden mit hohen Staatsdefiziten und noch viel höheren Staatsschulden. Das wird zur Suche nach einer neuen Balance. Wenn dann die Antwort nicht auf die richtige Art und Weise gegeben wird, droht nicht einfach nur eine Rezession, sondern eine historisch einzigartige Depression.“

„De Telegraaf“ (Amsterdam):

„Natürlich muss über einen Weg aus der Corona-Krise nachgedacht werden. Der Ruf nach Wiederbelebung der Wirtschaft ist verständlich, kommt aber viel zu früh. Zudem wird dabei nur allzu leicht die enorme Zahl der Todesfälle ignoriert, die das Virus noch immer täglich fordert. Es gibt jetzt einfach keine andere Möglichkeit, als mit den derzeitigen Maßnahmen fortzufahren. Solange nicht in großem Maßstab getestet werden kann, besteht über den tatsächlichen Verlauf der Krankheit keine ausreichende Gewissheit. Eine zu schnelle Rückkehr zu einer voll funktionierenden Wirtschaft könnte dann gefährlich sein.“

„24 Tschassa“ (Sofia):

„Es ist eine Tatsache, dass die zu große Gier viele Menschen in der letzten Zeit dazu gebracht hat, die Effektivität des Kapitalismus in Frage zu stellen. Verliert aber das Vertrauen nicht - die unternehmerischen Menschen finden immer den Weg. Der Militärkommunismus ist keine Lösung, sondern ein Problem. Dies soll aber nicht bedeuten, dass sich die Rolle des Staates und insbesondere der Gesundheitsversorgung nicht verändern wird. Das ist keine Prognose mehr, sondern Realität. Die Menschen, die das Leben nach der Epidemie erfinden werden, sind aber die Kapitalisten. Glaubt ihnen. Es gibt nun keinen Platz für Verzweiflung und Trauer um die vergangene Welt.“

Presse
Die internatonale Presse ist nach wie vor im Bann der Pandemie.
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