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Coronavirus

„Stufenplan": Keine Lockerung bei Besuchsordnung in KAV-Häusern

Im Umgang mit Schutzmasken gilt beim Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) weiterhin „restriktives“ Vorgehen. Weder die derzeit stabilen Zahlen bei den Corona-Fällen, noch der Neuzugang von 400.000 OP-Masken aus China ändern daran etwas. Auch entgegen den Plänen der Regierung gibt es derzeit auch keinen „Stufenplan“, das am 13. März bekannt gegebene Besuchsverbot mit Ausnahmen zu lockern.

red/Agenturen

Zum Schutz des Personals gehören sämtliche Maßnahmen, um das Infektionsrisiko niedrig zu halten - wie die Reduktion der Besucher von Patienten sowie der Ambulanzbesuche, hieß es seitens des KAV. Dafür habe man eine Reihe von Maßnahmen gesetzt: Ausstattung mit entsprechender Schutzausrüstung der Mitarbeiter, die im direkten Kontakt mit Covid-Erkrankten bzw. -Verdachtsfällen stehen und die entsprechende Unterweisung in der korrekten Verwendung.

Bereits vor einigen Wochen wurde die generelle Dienstanweisung gegeben, dass besonders schutzbedürftige Mitarbeiter, das heißt Personen mit chronischen pulmologischen Erkrankungen, chronischen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Diabetis Mellitus sowie Erkrankungen des Immunsystems einer besonderen Schutzpflicht des Dienstgebers unterliegen. „Aufgrund der Fürsorgepflicht ist in der Dienststelle gemeinsam mit der Krankenhaushygiene bzw. der Arbeitsmedizin eine ärztliche Einschätzung zu treffen. Falls eine Eigengefährdung vorliegt, kein anderer Einsatz im KAV und kein Arbeiten von zu Hause aus möglich sind, dann wird der Bedienstete vom Dienst freigestellt“ - Oberstes Ziel ist es, gefährdete Personen zu schützen und gleichzeitig die kritische Infrastruktur am Laufen zu halten.

Was die in der Vorwoche von der Regierung präsentierte Maßnahme betrifft, gefährdete Personen von der Arbeit ins Home-Office zu wechseln oder alternativ freizustellen, würde dort, wo ein Arbeiten von Zuhause aus möglich ist, auch ermöglicht. Klinisches Personal werde aber zur Aufrechterhaltung des Spitalsbetriebs und des Betriebs in den Pflegeeinrichtungen weiterhin im Einsatz sein. „Wir nutzen auch alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Installierung von 'Diensträdern' - also immer gleiche diensthabende Teams, die einander im Dienst ablösen“, hieß es dazu.

75 Prozent des KAV-Personals arbeiten im klinischen Bereich

Wo es einen sinnvollen Ansatz zur PCR-Testung auf das Virus gibt, werde auch getestet: bei direkten Kontakt zu einer Covid-bestätigten Person oder einer entsprechende Symptomatik. Zudem gibt es für die Mitarbeiter ein umfassendes Contact-Tracing, welches sicherstellen soll, dass in den KAV-Einrichtungen keine Infektionsketten ihren Anfang nehmen können. Zwei Ziele gibt es dabei zu beachten: Minimierung des Risikos von Infektionen innerhalb der KAV-Einrichtungen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des Spitals- und Pflegewohnhausbetriebs. Für die rasche Testung wurde dazu eine „Fast Lane“ für die Belegschaft etabliert.

Drei Viertel des Personals, das rund 20.000 Personen ausmacht, arbeiten beim KAV im klinischen Bereich. Der nicht-klinische Bereich umfasst Verwaltungs-, Technik- und Betriebspersonal.

In Wien ist es der KAV, der seit einigen Wochen damit beschäftigt ist, die knappe Schutzausrüstung für die Wiener Kranken- und Pflegewohnhäuser, Ärzte und Rettungsdienste sowie weitere Player der kritischen Infrastruktur zu besorgen. Obig genannte OP-Masken kamen am Wochenende am Flughafen Wien-Schwechat mit einer AUA-Maschine aus Shanghai an. An Bord waren insgesamt zwölf Tonnen Schutzausrüstung, neben den Masken noch 20.000 Schutzanzüge, 10.000 Gesichtsschilder und 20.000 Schutzbrillen, wie der KAV am Montag mitteilte.

Mit den Masken, die nun in Supermärkten getragen werden müssen und auch dort verkauft werden, sind die Masken für den städtischen Spitalsträger nicht zu vergleichen - hier gelten bekanntlich ja auch selbsthergestellte Produkte - daher gibt es hier auch keine neue Konkurrenz. „Wir sind auf Masken klinischer Güte angewiesen“, sagte eine KAV-Sprecherin gegenüber der APA. Und diese sind von der FFP3-Schutzmaske, jener mit größten Dichtheit und Schutzwirkung, abwärts bis hin zur OP-Maske am Weltmarkt heiß umkämpft. „Das ist auch der Grund, warum der KAV mit dem Krisenstab als Käufer für alle Akteure des Wiener Gesundheitssystems auftritt“, so die Sprecherin, denn erst ab einer gewissen Menge könne man überhaupt auf einen Zuschlag hoffen. Vorherige Märkte in Großbritannien und den USA fallen aufgrund der dort herrschenden Notlage inzwischen aus, man setzt nun auf Lieferanten aus China und anderen Anbietern.

Kritik von Personalvertretung KIV

In den acht Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) wurde die freie Maskenentnahme bereits vor rund zwei Wochen gestoppt. Man habe zwar genug Schutzausrüstung und vor allem -masken, beteuerte man damals, aber nachdem die jeweiligen Behältnisse innerhalb kürzester Zeit geleert worden seien, wurde auf das persönliche Ausgeben umgestellt.

Kritik kam indes von der unabhängigen Personalvertretung KIV: In einer Aussendung am Montag hieß es, dass in einigen KAV-Häusern an Covid-19-Erkrankte ohne adäquate Schutzausrüstung transportiert worden seien, sondern nur mit Handschuhen, Plastikschürzen und OP- bzw. (MNS) Masken. Laut Aussendung des KIV würde im Intranet des KAV im Falle eines Nichtvorhandenseins einer FFP1-Maske dazu geraten, eine „OP-Maske, auch MNS (Mund-Nasen-Schutz) genannt“ zu verwenden. Dazu entgegnete eine KAV-Sprecherin, dass das Tragen von Masken unter der FFP2-Qualität nur in Bereichen vorgesehen ist, wo es zu keinem direkten Kontakt mit Covid-19-Patienten kommt.