Weltnichtrauchertag

Bei Jugendlichen besteht größter Handlungsbedarf

Was blieb vom „Don‘t Smoke“ Volksbegehren? Anläßlich des Weltnichtrauchertages ziehen die Organisatoren, also die Österreichische Krebshilfe sowie die Ärztekammer für Wien, eine erste positive Bilanz: Seit Inkrafttreten des absoluten Rauchverbots in Österreichs Gastronomie sei der Zigarettenabsatz zurückgegangen und die Akzeptanz seitens Wirten und Gästen sei hoch – die sehr geringe Anzahl von Anzeigen aufgrund der Nichtbeachtung des Rauchverbots zeugt davon. Für Jugendliche bleiben Zigaretten und Co. aber nach wie vor verlockend, beinah 40 Prozent haben laut Umfrage schon Erfahrungen damit gesammelt.

red/Agenturen

Exakt 881.692 Unterstützer zählte „Don´t smoke“ schlussendlich, damit zählt es stimmenmäßig zu den sechs erfolgreichsten Volksbegehren in der österreichischen Geschichte. Für den Präsidenten der Österreichischen Krebshilfe, Paul Sevelda, war das Volksbegehren aber nicht nur hinsichtlich des Rauchverbots in der Gastronomie erfolgreich. Vielmehr habe man auch ein deutlich breiteres Bewusstsein für die schwerwiegenden negativen Folgen des Rauchens geschaffen.  „Unmittelbar nach Einführung des Rauchverbots in der Gastronomie haben beispielsweise die ÖBB ein komplettes Rauchverbot auf allen Bahnhöfen beschlossen“, so Sevelda. Jüngstes Beispiel sei das Wiener AKH mit der Einführung eines Rauchverbots im gesamten Innen- und Außenbereich ab 1. Juli 2020.

Besonderen Handlungsbedarf sehen Ärzte weiterhin vor allem bei Jugendlichen; so fordert etwa der Umwelthygieniker und Leiter der Ärzteinitiative gegen Raucherschäden, Manfred Neuberger, Testkäufe zur Alterskontrolle, die Abschaffung der Zigarettenautomaten und die Förderung des Nichtrauchens.

38,4 Prozent Jugendliche haben Erfahrung mit Rauchwaren

Von der MedUni Wien und der Akademie der Wissenschaften wurde im Herbst 2019 in fünf Bundesländern (Bgld, Ktn, NÖ, Stmk, Wien) bei 13- bis 16-jährigen Schülern Konsum und Bezugsquellen von Tabak- und Nikotinprodukten erhoben. Die Ergebnisse zeigen: Von den 1.029 Jugendlichen gaben 38,4 Prozent zu, schon mit Rauchwaren Erfahrung zu haben (41,6 Prozent der Mädchen und 34,9 Prozent der Burschen).

Zigaretten wurden am häufigsten konsumiert, gefolgt von Shisha und E-Zigaretten. Die Bezugsquellen sind meist Freunde, aber Mädchen benützen häufiger auch Automaten (11,6 Prozent), während Burschen zu 30,2 Prozent in der Trafik einkaufen. Im Vergleich zu früheren Studien ist der Anteil täglicher Raucher laut Neuberger in der untersuchten Altersgruppe mittlerweile auf 3,3 Prozent gesunken. Doch der Anteil der Gelegenheitsraucher stieg auf knapp über zehn Prozent. Damit liegen Österreichs Jugendliche noch immer über dem EU-Schnitt.

Auch für die Krebshilfe sowie die Ärztekammer gäbe es noch genügend Schritte, die in Sachen Nichtraucherschutz gesetzt werden können: Zu den Maßnahmen, die dabei möglichst rasch umgesetzt werden sollten, zählen Krebshilfe und Ärztekammer vor allem ein generelles Rauchverbot in den Wartebereichen von Bus und Straßenbahnen sowie auf allen Kinderspielplätzen. Und auch der Erhöhung der Zigarettenpreise sowie die Zweckwidmung der Tabaksteuer ausschließlich für den Sozial- und Gesundheitsbereich können Krebshilfe und Ärztekammer „sehr viel abgewinnen“.

Blauer Dunst in Zahlen

Etwa 24 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher über 15 Jahre rauchen laut Statistik Austria täglich – im EU-Schnitt sind es laut Eurostat nur etwa 18 Prozent. Bei den Frauen ist Österreich europaweit sogar die traurige Nummer 1. Bei den Jugendlichen liegt Österreich mit 14,5 Prozent weit über dem OECD-Durchschnitt (12 Prozent). Doch auch der Anteil der Passivraucher ist in Österreich vergleichsweise hoch:

Während im EU-Schnitt etwa 21 Prozent der Bevölkerung angeben, regelmäßig Tabakrauch in Innenräumen ausgesetzt zu sein, sind es in Österreich in etwa 28 Prozent - beinahe ein Drittel davon sind wiederum Nichtraucher. Das Rauchverbot in der Gastronomie gilt seit 1. November 2019 und war von lange andauernden innenpolitischen Debatten begleitet.

Health at a glance: Europe

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Zigaretten sind laut einer Umfrage, die in fünf österreichischen Bundesländern unter Jugendlichen gemacht wurden, besonders beliebt.
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