Bessere Bildgebung soll Selektion von Spenderorganen verbessern

Am Ende vieler schwerer Lebererkrankungen hilft nur noch eine Transplantation. Der Bedarf an Spenderorganen ist hoch. Mediziner bemühen sich, den Pool an verfügbaren Organen so gut wie möglich auszunützen und zugleich mögliche Schäden der Organe rasch zu entdecken. In Graz wird ein bildgebendes Verfahren entwickelt, das die Selektion erleichtern soll.

red/Agenturen

„Im Bereich der Leber ist der Bedarf an Spenderorganen immer größer als das Angebot“, sagte Bettina Leber von der Klinischen Abteilung für Transplantationschirurgie der Med-Uni Graz im Gespräch mit der APA. Entsprechende Organe seien allerdings oft nur in eingeschränkter Qualität zu bekommen, weil die Spender immer älter werden und sich damit die Organe tendenziell in einem schlechteren Zustand befinden.

Ein wichtiger Parameter bei der Beurteilung der Qualität eines für die Transplantation freigegebenen Organs ist der Zustand der kleinsten Gefäße, der Kapillaren. Ein bildgebendes Verfahren, das Forscher der Universität Graz und der Medizinischen Universität Graz aktuell gemeinsam entwickeln, soll ermöglichen, ihren Zustand schneller und umfassender beurteilen zu können. Denn herkömmliche Methoden zur Qualitätsbeurteilung, etwa Laborparameter oder eine Biopsie, sind zeitaufwendig und können immer nur örtlich begrenzte Momentaufnahmen bieten, wie die Grazer Medizinerin ausführte. Optische Bildgebung und Ultraschall reichen alleine oft nicht aus, um ausreichend Informationen über den Kapillarzustand des Transplantats zu geben und eine exakte Charakterisierung der Mikroperfusion des Organs zu erhalten.

Methode soll Transplantationszahl steigen lassen

Die Grazer Forschergruppe aus Medizinern und Physikern kombiniert im Projekt „OMiPPAB“ daher die Möglichkeiten der optischen Bildgebung und die des Ultraschalls. „Durch dieses Zusammenspiel erhalten wir starken Kontrast und eine hohe Auflösung“, hob Robert Nuster vom Institut für Physik der Universität Graz hervor. Ihre Methode der photoakustischen Bildgebung nutzt meist kurze Lichtpulse, die in das Gewebe diffus eindringen und von den Gefäßen absorbiert werden. Die dadurch rasch entstehende lokale Erwärmung erzeugt ein breites Spektrum von Ultraschallwellen, die außerhalb der Organe detektiert werden. „Absorbierende Gefäße agieren hier also als Schallquellen, deren Stärke und Position wir rekonstruieren. So entstehen hochaufgelöste, kontrastreiche Aufnahmen bis in tiefe Regionen des Organs“, schilderte Nuster.

Die Leber dient vorerst als Testmodell. Die Forscher wollen ihre Methode in Zukunft so weit präzisieren, dass Spenderorgane, die aufgrund minimaler Makel als nicht transplantabel eingestuft wurden, sogar „gerettet“ werden können. „Wenn wir bestimmte pathogene Prozesse rechtzeitig sehen und in den Griff bekommen, könnten wir diese ausgeschiedenen Organe möglicherweise doch fit für den Einsatz machen“, so der Grazer Transplantationschirurg und Projektleiter Philipp Stiegler die weitreichenden Ziele.“

Unsere Methode soll einerseits die Anzahl der Transplantationen insgesamt steigern, andererseits wollen wir vorgeschädigte Organe leichter identifizieren. Eine bessere Selektion im Vorfeld bedeutet weniger Folgeeingriffe“, erklärte Stiegler die generelle Ausrichtung des Projektes. Das Projekt „OMiPPAB“, das Anfang 2020 gestartet ist und von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützt wird, ist auf drei Jahre anberaumt.