Virtuelle Konferenzen wegen Covid-19 „notgedrungen“ auf dem Vormarsch

Bis vergangenes Jahr war der Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) das größte Ereignis seiner Art. Covid-19 macht alles anders: Die Veranstaltung findet online (29. August bis 1. September) statt. Die für Wien geplante und dann von Frühjahr auf den Herbst verschobene Welt-Schlaganfallkonferenz (7. bis 9. November) ist jetzt ebenfalls zum virtuellen Meeting mutiert.

red/Agenturen

In den kommenden Tagen heißt es für die Kardiologen weltweit, sich vor dem Bildschirm zu setzen. Die neuesten klinischen Studien werden im Rahmen des ESC präsentiert. „Gerade in SARS-CoV-2-Pandemiezeiten sollte allen Stakeholdern bewusst sein: Den Schlüssel zu zukunftsgerichteter Diagnostik und Therapie für die PatientInnen finden wir in der klinischen Forschung. Hier braucht es maximale Unterstützung von offizieller Seite, damit Österreich in Sachen medizinischer Forschung auch in Zukunft im Spitzenfeld liegt“, hieß es am Freitag in einer Aussendung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG).

Bei der Veranstaltung werden auch Beiträge österreichischer Studienautoren präsentiert werden. Henrike Arfsten (MedUni Wien/AKH) hat zum Beispiel in einer Untersuchung mit den Daten von 3.737 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz nachgewiesen, dass Ärzte in der Behandlung Betroffener offenbar unbewusst „Befangenheit“ gegenüber der notwendigen möglichst hoch dosierten medikamentösen Behandlung mit Beta-Blockern und ACE-Hemmern bzw. Angiotensin-Rezeptorblockern an den Tag legen. Damit wird nicht immer der maximal erreichbare Effekt erzielt.

Virtuelle statt physische Treffen

Wichtig für die Risikoeinschätzung nach einem Herzinfarkt sind offenbar auch Magnetresonanztomografie-Untersuchungen des Organs. Magdalena Holzknecht von der Universitätsklinik in Innsbruck hat möglicherweise einen neuen Funktionsmarker identifiziert, der Aufschluss über die weitere Prognose von Herzinfarkt-Patienten geben kann: Einerseits eine Deformationsanalyse ("Strain"-Analyse) des Herzens, die kleinste Veränderungen im Herzmuskel ermitteln kann, sowie anderseits die Verkürzung des Herzmuskels während der Arbeit im Bereich der sogenannten Mitralklappe. „In dieser Analyse konnten wir zeigen, dass die Deformierung des Herzmuskels in der Längsachse am Genauesten und unabhängig von der Infarktschädigung die Prognose vorhersagen kann“, wurde die Expertin zitiert.

In Sachen Kongressorganisation - zumindest auf internationaler Ebene der Großereignisse - ist jedenfalls vorerst das physische Zusammentreffen von Teilnehmern obsolet. „Der weltweit wichtigste und größte Kongress zum Thema Schlaganfall, erstmalig gemeinsam von der Europäischen Schlaganfall-Organisation (European Stroke Organisation, ESO) und der Welt-Schlaganfall-Organisation (World Stroke Organisation, WSO) veranstaltet, hätte heuer in Wien stattfinden sollen. Mit Univ.-Prof. Dr. Michael Brainin ist seit Oktober 2018 ein Österreicher Präsident der globalen Schlaganfall-Organisation WSO“, hieß es am Freitag in einer Aussendung.

Doch dann kam Covid-19, und der ursprünglich für 12. bis 15. Mai geplante Kongress musste verschoben werden. Geplant war die Veranstaltung mit rund 6.500 Teilnehmern für 7. bis 9. November ebenfalls in Wien. Planungsunsicherheit, Reisebeschränkungen und sich ändernde Quarantänevorschriften stellten das Meeting aber anhaltend infrage. Das Ergebnis der Beratungen: „Um sich an die Erfordernisse der aktuellen Situation anzupassen, haben ESO und WSO beschlossen, die ESO-WSO Conference 2020 vom 7. bis 9. November 2020 in ein vollständig virtuelles Treffen umzuwandeln.“ Nun werden im Herbst auch die internationalen Schlaganfallexperten an diesen Tagen vor den Bildschirmen Platz nehmen statt in den Vortragssälen.