Coronavirus

Deutsche Labore fordern gezielte Corona-Tests statt Massenuntersuchungen

Angesichts knapper werdender Materialien und Kapazitäten fordern Labore bundesweit gezieltere Corona-Tests statt anlassloser Untersuchungen. „Wir brauchen eine rasche Umsetzung der geänderten nationalen Teststrategie, und zwar besser heute als morgen“, sagte Jan Kramer vom Vorstand des Verbands Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM). Der Verband unterstützt demnach den Entschluss des Bundes und der Länder vom vergangenen Donnerstag, die Teststrategie den aktuellen Gegebenheiten anzupassen.

red/Agenturen

Laut einer Erhebung des ALM ist die Zahl der Sars-CoV-2-Tests auch in der vergangenen Woche weiter gestiegenen - auf fast eine Million. Bei den 155 an der Erfassung teilnehmenden Laboren gebe es inzwischen einen Rückstau von mehr als 34 600 Tests (Stand Montag). Der Anteil der positiven Ergebnisse sei weiter rückläufig und liege nur noch bei 0,7 Prozent. Bei den Reiserückkehrern betrage die Rate weniger als 0,4 Prozent. Dies zeige, dass komplexe und wertvolle medizinische Tests für die falsche Zielgruppe eingesetzt würden, so Oliver Harzer vom ALM.

Mit der baldigen Rückkehr zur bisherigen Teststrategie des Bundesgesundheitsministers „Testen, testen, testen – aber gezielt“ könnten nicht nur die fachärztlichen Labore vor dem sicherlich herausfordernden Herbst und Winter durchatmen. Auch das Gesundheitssystem werde von den zusätzlichen Kosten anlassloser Testung zum Beispiel von Reiserückkehrern aus Nicht-Risikogebieten entlastet.

Verband lehnt ungezielte Testungen ab

Laut ALM befeuern kommerzielle fachfremde Anbieter mit viel Nachdruck die Forderung, es müsse unbedingt noch viel mehr getestet werden und es gebe keinen Mangel an Reagenzien und weiteren Ressourcen. Eine millionenfache ungezielte Testung lehnt der Verband „mit Blick auf die fehlende medizinische, epidemiologische und praktische Sinnhaftigkeit“ ab und warnt: „Solche Angebote halten wir für unmoralisch. Medizinische Tests sollten in erster Linie für Menschen eingesetzt werden, die sie aus medizinischen Gründen benötigen.“

Der Verband vertritt eigenen Angaben zufolge über 200 medizinische Labore mit 900 Fachärzten, rund 500 Naturwissenschaftlern und etwa 25 000 qualifizierten Mitarbeitern.