Fall Nawalny

Russische Ärztekammer sucht Kontakt zu deutscher Ärztekammer

Im Fall des vergifteten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny hat die russische Nationale Ärztekammer einem Bericht zufolge Kontakt mit der deutschen Ärztekammer aufgenommen. In dem Schreiben schlage die russische Seite die Einrichtung einer gemeinsamen Kommission aus Vertretern der Nationalen Ärztekammer Russlands und der Bundesärztekammer (BÄK) vor, berichtete das Deutsche Ärzteblatt am Montag.

red/Agenturen

Möglich sei auch die Beteiligung von Toxikologen aus anderen Ländern, hieß es. Ziel müsse sein, dass die Expertenkommission eine „unparteiische endgültige Entscheidung“ darüber treffe, ob Nawalny vergiftet worden sei oder nicht, zitierte die Zeitung aus dem ihr vorliegenden Schreiben.

Grund für den Vorschlag sei, dass die Ärzte auf russischer und deutscher Seite auf Grundlage der Untersuchungs- und Behandlungsergebnisse in Omsk und Berlin zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen bezüglich der Ursachen der Krankheit Nawalnys gekommen seien, schrieb der Präsident der Nationalen Ärztekammer Russlands, Leonid Roschal, demnach in dem Brief an BÄK-Präsident Klaus Reinhardt.

In der medizinischen Fachwelt gebe es „Zweifel an der Schlussfolgerung von Forschern des Militärlaboratoriums der Bundeswehr über das Vorhandensein von Giftstoffen“, so die russische Ärztekammer weiter. Ärzte sollten „außerhalb der Politik stehen“, und wenn komplexe klinische Fälle auftreten würden, müssten diese Fragen in der medizinischen Gemeinschaft gelöst werden.

Die deutsche Bundesärztekammer zeigte sich am Montag „sehr besorgt“ über den Gesundheitszustand von Nawalny. Man unterstütze die Forderung der deutschen Regierung gegenüber Moskau nach lückenloser Aufklärung der Umstände. Einer gemeinsamen Kommission erteilte die BÄK aber eine Absage. Man könne sich selbst nicht an Ermittlungen beteiligen, da man „keine Ermittlungsbehörde“ sei. Das obliege den staatlichen Stellen.

Zugleich stärkte die BÄK den deutschen Medizinern den Rücken, wie das Ärzteblatt weiter berichtete. Die medizinischen Daten zum Fall Nawalny lägen vor. An der Qualität der medizinischen Untersuchungen der ärztlichen Kollegen in Deutschland habe man „keine Zweifel“. Weitere Untersuchungen könnten nach deutschem Recht allerdings nur die Angehörigen veranlassen.

Nawalny wird seit dem 22. August in der Berliner Charité behandelt, am Montag wurde er aus dem künstlichen Koma geholt. Er war am 20. August während eines Fluges in Russland zusammengebrochen. Die deutsche Regierung erklärte am Mittwoch, dass Nawalny „zweifelsfrei“ mit einem chemischen Nervenkampfstoff aus der sogenannten Nowitschok-Gruppe vergiftet worden sei. Das Gift war in den 1970er Jahren von sowjetischen Wissenschaftern entwickelt worden. Moskau weist jede Schuld am Gesundheitszustand des prominenten Kritikers von Staatschef Wladimir Putin zurück.