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Coronavirus

Maßnahmen: Nur noch jeder Vierte weiß, wo er sich angesteckt hat

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) will vorerst keine weiteren Corona-Maßnahmen wie Schulschließungen, so lange man nicht weiß, wie der Lockdown wirkt. Erst Freitag kommender Woche will die Regierung zusammentreten und entscheiden, ob weitere Schritte nötig sind. Sollte sich allerdings die Lage in einem bestimmten Bereich dramatisch verändern, könnte man auch kurzfristig eingreifen. Das sagte er bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien.

red/Agenturen

Zur Wirksamkeit des Lockdowns, der am Dienstag in Kraft getreten war, könne man jetzt noch keine Aussagen treffen, meint Anschober. Das würde zumindest zehn Tage dauern, weshalb es die Evaluierung am kommenden Freitag, dem 13. November geben werde. Der erste Lockdown in Österreich wurde auch ein einem Freitag, dem 13. verkündet - im März. Der Gesundheitsminister rechnet jedenfalls mit einer „spürbaren Stabilisierung“ in der kommenden Woche. Erste Priorität sei nun, Triagen in Spitälern zu verhindern und sicherzustellen, dass die Kapazitäten im Gesundheitsbereich ausreichen.

Noch sei es nicht erforderlich, dass Patienten von einem ins andere Bundesland verteilt werden müssen. In der zweiten Novemberhälfte bewege man sich aber „in Richtung Kapazitätsgrenzen“, sagte Anschober. Dann könnten Triagen notwendig werden, in denen Ärzte wählen müssen, welche Patienten hochprofessionelle Behandlungen erhalten - und welche nicht. „Wir müssen verhindern, dass Österreich in diese Situation kommt“, wiederholte Anschober seinen Appell, dass die Bevölkerung ihre Kontakte reduzieren muss. „Es ist ein Wettlauf mit der Zeit“, konstatierte der Gesundheitsminister.

421 Covid-19-Patienten mussten am Freitag auf Intensivstationen behandelt werden. Für 18. November werden 750 Personen auf Intensivstationen prognostiziert, sagte Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH. Damit stößt das Gesundheitssystem an seine Grenzen. Insgesamt in Spitalsbehandlung sollen laut der Prognose dann 3.500 Patienten sein - am Freitag waren es bereits 2.504 Patienten. Ostermann betonte, dass die Prognosen aber darauf basieren, dass die Maßnahmen befolgt werden und eine dämpfende Wirkung haben.

Zeitverzögerte Quellensuche

Der Gesundheitsminister habe zunehmend eine guten Eindruck, dass die Beschränkungen eingehalten werden. Das Bewusstsein, dass die Situation ernsthaft sei, komme zunehmend bei der Bevölkerung an, meldeten Bezirkshauptleute dem Gesundheitsminister. Anschober selbst sei gestern noch spät mit seinem Hund eine Runde gegangen - wie er ja dürfe - und da sei praktisch niemand mehr in den Öffis oder draußen unterwegs gewesen, außer ein paar Läufer.

Fakt ist: Zuletzt wurden nur noch bei 27 Prozent der Infektionsfälle die Quelle geklärt. In der Kalenderwoche 39 gab es noch einen zufriedenstellenden Anteil an nachverfolgten Fällen, dieser Wert sei aber stark gesunken. Bei 72 Prozent der Fälle sei die Infektionsquelle unklar, erläuterte Daniela Schmid, Sprecherin der Corona-Kommission. Es wurde allerdings betont, dass die Zuordnung der Fälle in der jetzigen Lage mehr Zeit beansprucht, da bei tägliche mehreren tausend neuen Infektionsfällen natürlich auch die Kontaktpersonen-Nachverfolgung mehr Zeit in Anspruch nimmt. Dadurch verzögert sich die Quellensuche, es ist aber davon auszugehen, dass sich in den kommende Wochen die Zahl der geklärten Infektionsquellen wieder erhöht, erläuterte Schmid.

Unterdessen nimmt der Altersdurchschnitt weiter zu und liegt derzeit bei 43 Jahren. Der Fokus liegt bei den unter 25-Jährigen, da es darum geht, zu erforschen wie viele Ansteckungen im Bildungsbereich stattfinden. Nach wie vor stellen Schulen für zehn bis 14-Jährige keine relevanten Cluster dar. Derzeit gebe es keine zunehmende Übertragungsaktivität zwischen den Schülern - meist wird das Virus von Erwachsenen in die Schulklassen eingeschleppt, sagte Schmid. Die zweite Gruppe, die im Fokus steht, sind die über 60-Jährigen. Dabei wolle man verstehen, welche Risikogruppe innerhalb dieser Altersgruppe auch verstärkt eine Behandlung im Krankenhaus brauchen.

Contact tracing basiert auch auf Ehrlichkeit

In Alten- und Pflegeheimen gebe es eine spürbar deutlich steigende Zahl an Fällen - österreichweit, erläuterte Anschober. Deswegen wird bei den Schutzmaßnahmen (Hygienekonzepte, Masken tragen etc.) in diesem Bereich noch einmal nachjustiert, es soll auch mehr getestet werden.

Der Gesundheitsminister forderte, dass beim Contact Tracing unbedingt die Wahrheit gesagt werden müsse, damit auch alle Kontaktpersonen kontaktiert werden können. Kontaktpersonen sollen selbstständig Verantwortung übernehmen und sich in Quarantäne begeben, sagte Schmid. Das Kontaktpersonenmanagement werde jedenfalls voll und ganz aufrechterhalten bleiben, betonte Anschober.

Die Zahl der Infektionen ist heute wieder leicht zurückgegangen und zwar laut Anschober auf 6.464 Fälle. Am Vortag waren es rund 1.000 mehr, wobei der Minister diesen sehr hohen Wert zum Teil auf Nachmeldungen zurückführte. Bisher gab es in Österreich 138.979 positive Testergebnisse. Mit heutigem Stand (06. November 2020, 09:30 Uhr) sind österreichweit 1.340 Personen an den Folgen des Corona-Virus verstorben und 83.707 sind wieder genesen.

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