Coronavirus

Weltärztepräsident übt Kritik an Lockerungen in Deutschland

Der Vorsitzende des Weltärztebundes kritisiert die in Deutschland beschlossenen Lockerungen der Corona-Maßnahmen zu den Weihnachtsfeiertagen „Medizinisch-epidemiologisch ist es Wahnsinn, zu Weihnachten wieder aufzumachen“, sagte Verbandschef Frank Ulrich Montgomery am Donnerstag im SWR Radio. „Das Virus kennt kein Weihnachten und kein Ramadan. Das sucht sich seine Opfer täglich da, wo es sie findet."

red/Agenturen

Er verstehe allerdings, dass die Menschen zu Weihnachten Kontakte brauchten. Hier müsse eine „saubere Balance“ gefunden werden. Montgomery geht davon aus, dass die Infektions- und Todes-Zahlen nach den Feiertagen wieder steigen werden. „Zwei bis drei Wochen nach Weihnachten werden die Todeszahlen hochgehen. Weihnachten wird damit zu einem Fest mit einem Todesrisiko für manche Menschen“, sagte der Weltärztepräsident. Allerdings könne man das Risiko in Kauf nehmen, wenn sich die Bevölkerung danach von selbst an die Distanzregeln halte.

Kein Verständnis äußerte Montgomery für die Entscheidung, die Lockerungen bis Silvester auszudehnen. Er begründete seine Kritik damit, „weil eine ganze Menge Alkohol mit im Spiel ist und dass man sich in der Silvesternacht in den Armen liegt. Das sind wunderbare Infektionsquellen. Da freut sich das Virus und jubelt.“

Merkel stimmt auf Beschränkungen bis Januar ein 

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Menschen in Deutschland auf eine wahrscheinliche weitere Verlängerung der Regeln zum Infektionsschutz bis Januar eingestimmt. „Angesichts des hohen Infektionsgeschehens gehen wir davon aus, dass die Beschränkungen bis Anfang Januar weiter gelten müssen, jedenfalls für die allermeisten Teile der Bundesrepublik Deutschland“, sagte Merkel am Donnerstag in einer Regierungserklärung im Bundestag.

Merkel bat darum, dass die Menschen bei Weihnachtsbesuchen etwa älterer Familienmitglieder eine Woche des Schutzes vorschalten, „in der alles daran gesetzt wird, die Kontakte wirklich zu minimieren, damit Weihnachten ein sicheres Weihnachten ist“. Merkel: „Wir wollen nicht, dass über die Feiertage die Infektionszahlen hochschnellen.“

Für Weihnachten und den Jahreswechsel - von 23. Dezember bis 1. Januar - seien Sonderregelungen mit maximal bis zu zehn Personen bei Treffen vereinbart worden. „Es muss jeder für sich auch mit sich abmachen, ob dieses Maximum immer ausgeschöpft werden muss oder ob man auch darauf verzichtet.“

Das A und O sei es, Kontakte zu reduzieren - und wenn sie stattfinden, die allgemeinen Regeln zu beachten. „Mund-Nasen-Schutz plus Abstand - das ist das Allerbeste“, sagte sie. Dies sei ein Schutz, aber keine Sicherheit. „Das Tragen von Masken senkt das Risiko einer Infektion, es ist ein Schutz, aber solange es keine medizinische Maske von der Qualität FFP2 oder -3 ist, ist es keine Sicherheit, dass es nicht doch zu Ansteckungen kommen kann.“