| Aktualisiert:
Corona

Simulationsexperte Popper: Massentests „ein Puzzlestein“

Massentests können dazu beitragen, die Infektionszahlen zu senken, „aber sie sind nur ein Puzzlestein“ - Niki Popper, Simulationsforscher an der TU Wien, hat im JKU-Corona-Update am Montag dafür plädiert, sich an den Tests zu beteiligen, aber „die Kirche im Dorf zu lassen“. Man müsse so realistisch sein und einsehen, dass man bis in den Frühling mit gewissen Reduktionen und Maßnahmen werde leben müssen.

red/Agenturen

Man dürfe sich von den Massentests keine Wunder erwarten und schon gar nicht, dass man sich ein nachhaltiges Behandeln von Patienten und das Contact Tracing der Kontaktpersonen spart, so Popper im Gespräch mit dem Rektor der Linzer Johannes Kepler Universität (JKU), Meinhard Lukas. Die nun aufgebaute Infrastruktur solle bei künftigen regionalen Ausbrüchen für rasches Testen und Tracen genutzt werden. Schnelles Handeln sei wichtig, denn Containment mache nach 24 bis 48 Stunden keinen Sinn mehr. „Dann ist das Geschehen schon passiert."

Um abschätzen zu können, wie der harte Lockdown gewirkt hat, müsse man diese Woche noch abwarten, so Popper, dann könne man darüber diskutieren, wie es weitergehe. Was die Frage eines möglichen dritten Lockdowns angehe, so müsse man im Vorfeld festlegen „ab wann wir bereit sind, den dritten Lockdown in Kauf zu nehmen“ und „was machen wir, damit wir nicht so weit kommen". Wenn man 5.000 bis 8.000 Neuinfektionen am Tag habe, komme man binnen zwei Wochen zwangsläufig wieder an die Grenze der Intensivkapazitäten.

Massentests gleichen Schwächen im Contact-Tracing aus

Komplexitätsforscher Stefan Thurner vom Complexity Science Hub (CSH) Vienna sieht den Lockdown trotz noch immer relativ hoher täglicher Covid-19-Neuinfektionszahlen als effizient an. Man sehe die Wirkungen des soften und des harten Herunterfahrens des Landes. Dass die Zahlen nicht schneller sinken - am Montag kamen knapp 3.000 Neuinfektionen dazu -, sei nicht ungewöhnlich, so der Wissenschafter am Montag vor Journalisten in Wien.

Nehme man an, dass mit dem geplanten Ende des aktuellen Lockdowns alle gesetzten Maßnahmen zur Eindämmung aufgegeben würden, muss man zur Zeit davon ausgehen, dass man wieder stark wachsende Fallzahlen haben wird, sagte Thurner bei einem vom Bundeskanzleramt organisierten Hintergrundgespräch. Die Zeitenspannen, in denen sich die Zahlen verdoppeln, wären dann voraussichtlich relativ kurz, was schnell wieder sehr hohe Zahlen bedeuten würde. Es wäre also sicher nicht sinnvoll, sämtliche Maßnahmen zurückzunehmen.

Es brauche weiter einen Maßnahmenmix, zu dem Thurner auch den bevorstehenden Massentest mit Antigen-Schnelltests zählt. Die große, einmalige Herausnahme von Infizierten erlaubt uns, Zeit zu gewinnen, so der Wissenschafter, der mit seinem Team Teil des Covid-19-Prognosekonsortiums ist. In der Folge ließe sich dann auch die Schwachstelle, die im Contact-Tracing besteht, ausgleichen.